Es soll Leute geben, die diese Szene aus The Chosen zwanzigmal und mehr sich angeschaut haben. Etliche Kommentare schreiben, daß die Berufung des Matthäus (genau darum geht‘s bei dem Filmausschnitt) sie am meisten berührt habe in der gesamten Serie.
Hier ist sie: Die Berufung des Steuereintreibers. Follow me – und Matthäus verläßt alles.
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Samstag, 6. Juni 2020
Samstag, 30. Mai 2020
The Chosen II
Was geschieht, wenn eine kaputte Frau Jesus begegnet?
Dazu sollte man nachlesen, was im 4. Kapitel des Johannesevangeliums steht.
Aber vielleicht geht es uns mit dem Evangelium wie mit anderen Texten auch, die man öfters gehört hat. Man kennt das. Etwas Neues erwartet man erst gar nicht. Für eine Vertiefung ist man zu träge. Und dann noch das Reden vom Geist und von der Wahrheit, da schaltet man gleich ab und beschäftigt sich lieber mit Bequemerem.
In solch‘ einem Fall habitueller Somnolenz kann einen die wunderbare Szene aus The Chosen aufwecken, die eben die Begegnung Jesu mit der verletzten Samariterin, Johannes Kap. 4, in die Sprache des Films übersetzt.
Kintopp? Ja. Und zwar atemberaubend gut.
Dazu sollte man nachlesen, was im 4. Kapitel des Johannesevangeliums steht.
Aber vielleicht geht es uns mit dem Evangelium wie mit anderen Texten auch, die man öfters gehört hat. Man kennt das. Etwas Neues erwartet man erst gar nicht. Für eine Vertiefung ist man zu träge. Und dann noch das Reden vom Geist und von der Wahrheit, da schaltet man gleich ab und beschäftigt sich lieber mit Bequemerem.
In solch‘ einem Fall habitueller Somnolenz kann einen die wunderbare Szene aus The Chosen aufwecken, die eben die Begegnung Jesu mit der verletzten Samariterin, Johannes Kap. 4, in die Sprache des Films übersetzt.
Kintopp? Ja. Und zwar atemberaubend gut.
Samstag, 23. Mai 2020
The Chosen
Hat Jesus gelächelt? Gar gelacht? Hat er bisweilen verschmitzt dreingeschaut?
Für die neue Spielfilmserie The Chosen (Die Erwählten), die in etlichen Episoden aus dem Leben Jesu und Seiner Jünger erzählt und die weltweit unter Christen zum Hit geworden ist, ist diese Frage keine. Sie zeigt nämlich wie selbstverständlich den Jesus, der auch gelacht hat. Damit aber bringt The Chosen die Gestalt des Jesus von Nazareth auf neue, erfrischende und unverschämte Art den Zuschauern nahe - Jesus, der wahre Mensch. Und dies ohne in das Cliché des billigen Abziehbildes zu driften, nach dem Motto: Jesus, ein Mensch wie Du und Ich.
Man schaue etwa die Szene der Berufung der ersten Jünger, die der Film kombiniert mit der berühmten Petrusszene des wunderbaren Fischfangs.
Petrus, sein Bruder Andreas, die Donnersöhne Jakobus und Johannes und deren Vater haben eine frustrierende Nacht auf dem See hinter sich. Leere Netze, vergebliches Mühen.
Dann steht dieser jüdische Rabbi am Ufer und sagt tatsächlich zu Petrus, dem Meisterfischer: Wirf das Netz noch einmal aus!
Wie bitte? Soll das ein Witz sein? Die Nacht ist zum Fischen da, nicht der Morgen. Doch dieser Rabbi, den Andreas, wie er seinem Bruder mitteilt, für den Messias hält, ändert seinen Befehl nicht. Er schaut unverwandt den Petrus an. Und dieser gibt schließlich nach: Alright. Er will keinen Streit vom Zaun brechen mit diesem rabbinischen Gelehrten. Tun wir ihm den Gefallen.
Und er und sein Bruder werfen das Netz noch einmal ins Wasser. Und danach macht Petrus die besserwisserische Geste zu dem Mann am Ufer hin, die ohne Worte besagt: Zufrieden? Es ist eh umsonst.
Und im Gegenschnitt sieht man Jesu Gesicht. Und auch er bleibt jetzt ohne Worte. Aber in seinem Gesicht steht, mit leichter Kopfbewegung, das gleichsam humoristische, augenzwinkernde: Schau‘n wir mal.
Und drei Sekunden später gibt es was zum Schauen. Das Boot des Petrus‘ wird mit einem Ruck angezogen. Die Fischer kommen aus dem Staunen nicht mehr heraus. Die Netze sind zum Bersten gefüllt. Es ist alles wahr, was der Mann gesagt hat.
Und dieser Mann freut sich mit seinen zukünftigen Menschenfischern Er steht am Ufer und lächelt. Er lächelt über die himmlischen Wunder und die Menschen, die ihr Glück nicht fassen können. Er lächelt, weil er sich freut für diesen Petrus, dem sich gerade die Fülle des Lebens offenbart.
Und dann – denn dieser lächelnde, durch und durch menschliche Freund am Ufer ist zugleich der wahre Gott – zeigt der Film diese göttliche Seite des am Ufer Stehenden, dabei auch jetzt die Balance der beiden Naturen Jesu wahrend.
Während nämlich Petrus aus dem Schiff steigt und vor Jesus niederfällt und in Tränen ausbricht und sein Schuldbekenntnis stammelt und den über ihm Stehenden schon wissend fragt, ob Er das Lamm Gottes sei, worauf Jesus nur sagt: I am - , beugt sich schließlich Jesus, in wunderbarer göttlicher und menschlicher Souveränität, zu seinem ersten Jünger nieder und sagt ihm das herrliche Wort: Follow me.
Samstag, 8. Februar 2020
Ein verborgenes Leben II
Ein Maler steht auf dem Gerüst in der Kirche und malt Fresken. Er weiß, so der Maler, daß er stets den bequemen Jesus malt, den Jesus, der Bewunderer findet, aber keine Nachahmer. Doch eines Tages, so der Maler, wird er den wahren Jesus malen.
Dies eine Szene aus Terrence Malicks Film Ein verborgenes Leben. Malick ist Regisseur, kein Maler. Und doch, in seinem neuen Film unternimmt er es, das Portrait des unbequemen Jesus zu zeichnen. Wie er das macht? Indem er den radikalen Nachahmer Jesu ins Bild bringt - Franz Jägerstätter.
Drei Stunden Kino, drei Stunden, in denen Malick die Unbeirrbarkeit eines christlichen Gewissens zeigt. Drei Stunden, die deutlich machen, daß der Christ, der die Weisungen seines Meisters ernst nimmt, bereit sein muß, den Preis seines Meisters zu bezahlen.
In einer Zeit, in der das christliche Zeugnis mehr und mehr zu butterweichen Allroundformulierungen und gefälligen Zeitgeistnettigkeiten schrumpft, derart, daß man vergißt, daß Christsein und Kampfgeist Geschwister sind, ist die Konsequenz, mit der Malick den Kampf seines Helden und dessen Frau monumental ins Bild bringt, ein Memento, welches jede Verniedlichung der christlichen Botschaft souverän zur Seite wischt. Und dazu braucht er keine blutigen Hinrichtungsszenen oder modischen Schockbilder. Es genügt ihm, ein Ehepaar zu zeigen, das glaubt.
Wenn er in Großaufnahme die ineinander verschlungenen Hände von Franz und Fani zeigt, dann zeigt er zwei Hände, aber zugleich ist in Gedanken Rodins La Cathédrale da, zwei Hände, die beten, zwei Hände, an denen das Gold des Eherings leuchtet.
Wie überhaupt der Glauben in Malicks Film nicht denkbar ist ohne die schönen Bilder, die freilich keine Staffage sind, sondern das näherbringen, was man den Kosmos nennt – die Ordnung des Alls. Bei aller Mühseligkeit und Beschwer des Broterwerbs der Bauern zur Zeit Jägerstätters, die Malick nicht, wie es der Kitsch tut, unterschlägt, weitet er gleichwohl immer wieder den Blick (denn es ist der Blick der gläubigen Protagonisten) in die überwältigende kosmische Pracht der Berge, der Wasserfälle, der wogenden Felder und in die geordnete Schönheit einer Häuslichkeit, die keiner Luxusartikel bedarf, um einen einfachen, beglückenden Frieden auszustrahlen, den Franziska einmal in die Worte faßt: »And I knew, how simple life was then - Und ich wußte es, wie einfach das Leben da noch war.«
Und auch dies zeigt Malick: Die Kirche mag, warum auch immer, versagen in einzelnen Vertretern. Das ändert nichts daran, daß die Kirche bleibt. Einem billigen Abwatschen der katholischen Kirche versagt sich Malick. Das erste Bild, welches Jägerstätter zeigt, stellt ihn dar vor der einsamen Kirche, die hinter ihm aufragt. Das vorletzte Bild zeigt die nämliche kleine Dorfkirche, die auf freiem Feld vor der Kulisse der Bergwelt felsengleich die Stellung wahrt.
Und schließlich: A hidden life ist Kino als Kunst. Wann erlebt man das? Selten genug. Ein Beispiel mag ausreichen.
Als sich Franz, da er den Einberufungsbefehl erhalten hat, aufbrechen muß und sich von der Mutter, den Kindern und Fani verabschiedet, als Franz und Fani, sie im Sonntagskleid, an der Donau entlanggehen, dann am Bahnsteig stehen, wo der Zug einfährt – da unterlegt Malick die Szene mit dem Eingangschoral Kommt, ihr Töchter, helft mir klagen aus Bachs Matthäuspassion. Das ist ergreifend groß. Da stimmt einfach alles.
Man hat das Kino - nach Architektur, Bildhauerei, Malerei, Musik, Poesie, Tanz - bisweilen le septième art genannt. In Terrence Malicks Ein verborgenes Leben ist diese siebte Kunst wahrzunehmen. Grandios, leidenschaftlich, verhalten, berührend!
Grafik: Facebook-Seite des Films. wikicommons
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