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Samstag, 29. November 2025

 Advent

Im Blick auf Weihnachten 


Love took my hand and smiling did reply,

Who made the eyes but I?  

Liebe ergriff meine Hand und sagte lächelnd:

Wer schuf die Augen, wenn nicht Ich? 

(aus: George Herbert, Love) 

 

 Grafik:  Foto von Azmaan Baluch auf unsplash

Samstag, 5. Dezember 2020

Die fehlenden Fenster


Vermutlich kennen Sie die Geschichte?

Eines Tages beschließen die Schildbürger ein Rathaus zu bauen. Der Schweinehirt überzeugt die Versammelten, daß es ein besonderes Rathaus werden muß, eine architektonische Besonderheit. Gesagt, getan.

Schon geht man ans Werk, man mißt, man plant, man baut, und Wochen später steht das neue Rathaus in seiner ganzen Pracht da. Und naturgemäß muß ein solches Rathaus gebührend eingeweiht werden. Mit den entsprechenden Honoratioren und mit allem, was Rang und Namen hat.

Gesagt, getan. Beim Einweihungsfest will verständlicherweise jeder in das neue Rathaus, um dessen Wunder zu bestaunen. Ein Gedränge herrscht, aber auch ein Gepolter. Gepolter? Ja, Gepolter. Denn die hineingehen, treten anderen, die bereits drinnen sind, auf die Füße, oder stolpern, oder fallen gar und stürzen, so daß sie froh sind, wenn sie wieder im Freien sind. Was aber die Draußenstehenden nicht davon abhält, selbst nach drinnen zu gehen. Bis auch sie mit Beulen, Schrammen und hinkend das neue Rathaus hinter sich lassen.

Der schlaue Schneider weiß endlich, was los ist. Woher all die Beulen und Blessuren und blauen Flecken? Woher das Kopfanstoßen und die zerschundenen Gesichter? Im neuen Rathaus… im neuen Rathaus… man sagt es ungern, aber es muß gesagt werden: Im neuen Rathaus ist es stockfinster.

Wie das?

Man kann es drehen und wenden, wie man will. Am Ende bleibt nur die bittere Wahrheit: Es fehlen die Fenster. Es fehlt das Licht!

Wie bitte?

Tja. Was soll man sagen? Man lernt nie aus. Und neulich sagte tatsächlich jemand, die Rathausgeschichte sei womöglich eine Adventsgeschichte. Kann das sein? Gibt es ein schlaues Schneiderlein, welches um die Antwort weiß?

Grafik: nomevisualizzato/pixabay.com


Freitag, 7. Dezember 2018

Die Geschenke. Und das Geschenk.


»Der freiheitliche, säkularisierte Staat lebt von Voraussetzungen, die er selbst nicht garantieren kann.«

So, vor bereits über vierzig Jahren, das im Nachhinein berühmt gewordene Diktum des deutschen Juristen E.-W. Böckenförde.

Wer etwa, so kann man zurecht fragen, gibt dem Staat die Regel, daß die Staatsbürger friedlich zusammenleben sollen? Woher bezieht der säkulare Staat eine solche Maxime? Aus welchen Quellen bezieht das deutsche Grundgesetz seine Norm von der Unantastbarkeit der Würde jedes Einzelnen?

Der Staat selbst, will er etwa die inhärente Unveräußerlichkeit der menschlichen Würde begründen, muß Anleihen bei außerstaatlichen Instanzen machen. Um bei diesem Beispiel zu bleiben: Die christliche Anthropologie, hier die Sicht des Menschen als imago Dei, als Ebenbild Gottes, garantiert dem Menschen eben die Würde, von der der Staat zehrt.

Man kann freilich noch viel weitergehen. Dann sieht man, daß der säkulare Staat permanent auf den Schultern des Christentums steht, ohne das Fundament zu benennen oder überhaupt noch zu kennen.

Beispiel Advent.

Der Konsument wird tagein tagaus sperrfeuergleich attackiert, damit er seine sogenannten Lieben zu Weihnachten endlich mit der neuesten technischen Errungenschaft oder dem verführerischsten Parfum beschert. Weihnachten: Das überdimensionierte Konsumharmageddon.

Wieso eigentlich?

Warum beschenken wir uns nicht im Wonnemonat Mai? Wenn  die Maiglöckchen blühen und die Walzerklänge in den Prateralleen locken und die Tage wärmer sind?

Aber nein, der Mai geht nicht. Denn wir leben halt, ob es uns nun bewußt ist oder nicht, in den christlichen Ressourcen, die wir gnadenlos verbrauchen. Und jeder Konsumartikel, glitzernd verpackt und gelangweilt entpackt, weist, vom Konsumenten unbeachtet, über sich hinaus auf das größte denkbare Geschenk überhaupt: Auf die Menschwerdung des wahren Gottes Jesus Christus.

Darum ist es nicht der Mai, sondern der Dezember. Denn der säkulare Staat verbraucht die christliche Voraussetzung, die er selbst nicht zu gewährleisten vermag.

Und selbst dann, wenn eine Zeit kommen sollte, in der in Österreich und Deutschland (um nur diese beiden Länder zu nennen) die christliche Substanz aufgebraucht und eine Revolution in Art der französischen eine neue Kalenderordnung einführen würde, so würden, wie es die Heilige Schrift nennt, die Steine aufschreien (Lk 19,40).

Und man darf ergänzen: Auch die Tiere. Im Frankreich der terreur verendeten irgendwann die Fiakerpferde an der revolutionären Zehntageswoche. Wo die Menschen verrohen, so die Moral von der Geschich', da schreien halt die Tiere und bekunden die Wahrheit der christlichen Zeitrechnung.

Denn das Geschenk, das den Erdkreis prägt, bleibt unvermindert da. Christus bleibt da. Die Krippe bleibt da. Das Kreuz bleibt da.

Grafik: Photo by freestocks.org on Unsplash



Samstag, 1. Dezember 2018

Advent


Vielleicht wissen die wenigsten, daß der Advent mit Abenteuer zu tun hat. Dazu sollte man einen Blick in die Sprachetymologie werfen. Beide Wörter – Advent und Abenteuer – entstammen derselben Wurzel. Im Altdeutschen wird Abenteuer aventiure genannt, da ist die sprachliche Verwandtschaft bereits deutlich. Und schaut man sich das Englische an, wird  die inhaltliche Nähe sogleich greifbar: advent und adventure.

Nun war das, was das Mittelalter eine ritterliche aventiure nannte, weitaus mehr als ein moderner Selbsterforschungstrip oder ein riskantes Überlebenstraining, welches man unternimmt, weil einen die faden Abläufe der bourgeoisen Zivilgesellschaft anöden.

Der Ritter, der auf Fahrt ging und auf dieser Fahrt die bedeutsamen Er-fahr-ungen machte – und dazu gehörten auch die obligaten Ge-fahren – kam, wenn seine Fahrt glückte, zu guter Letzt beim Wesentlichen an.

Parzival, der Archteyp des Auf-Fahrt-Gehenden, zeigt die Richtung. Aufbrechend ist er der tumbe Tor. Er scheitert an den grundlegenden Fragen des Lebens. Erst allmählich, durch das Bestehen schwerwiegender Gefahren, durch das Geflecht von Schuldverstrickung und Verzeihung hindurch sowie durch etliche Wendungen des Geschicks, das kein kaltes Fatum ist, sondern die gütige, leitende Vorsehung des gütigen Gottes, kommt der Aufgebrochene an das Ziel der Fahrt und die entscheidenden Fragen klären sich zum lebendigen Ganzen. Wer bin ich? Wo komme ich her? Wer ist der Nächste? Wer ist Gott?

Im Gral, dem Kelch des heiligen Abendmahls, der das Blut Christi empfing, leuchtet auf das Ganze, offenbart sich der Sinn.

Der Advent, will er recht gelebt sein, sollte demnach die echten abenteuerlichen Zusammenhänge bedenken. 24 Tage lang macht sich der Pilger im Advent auf die entscheidende aventiure ins Herz des Lichts. In diesen Wochen wird er, wie der mittelalterliche Wanderer, den Gefahren des Weges konfrontiert sein. Der modernen Tristesse, der Versuchung des Sich-Ablenken-Lassens von der dunklen Welt Klingsors, der Müdigkeit, der Verwechslung des wahren Zieles mit fadenscheinigen Surrogaten, des sich Einrichtens in gemütlichen, betäubenden Behausungen aller Art, des sich Verlierens im Interessanten und Nebensächlichen.

Wer freilich seine Sehnsucht nicht verderben läßt, wer durchhält trotz verführerischer Einladungen zum Verlassen des einzig gültigen, königlichen Weges, der kommt an. Bei der Krippe. Beim göttlichen Kind. Beim Gloria in excelsis Deo.

Danach, so viel ist sicher, ist der Abenteurer ein anderer.

Grafik: Photo by Ben White on Unsplash