Freitag, 12. Juni 2026

Die beiden Abgründe 

Flut ruft der Flut zu beim Tosen deiner stürzenden Wasser…

So übersetzt die Einheitsübersetzung 2016 den Beginn von Vers 8 aus Psalm 42.

In der Vulgata lautet dieser Anfang: abyssus abyssum invocat…

Wörtlich übersetzt heißt dies: Abgrund ruft Abgrund.

Mir scheint, diese Fassung ist dem Hochfest des Heiligsten Herzens Jesu angemessen. Denn an diesem Hochfest begegnen einander zwei Abgründe: Der unendliche Abgrund der Liebe Christi, offenbar geworden in Seinem durchbohrten Herzen, und der endliche Abgrund des menschlichen Herzens, welches sich nach der unendlichen Erfüllung sehnt.

Denn der Mensch, wenn er sich ohne Illusionen anschaut, erkennt, daß alle weltlichen Glücksversprechen seine tiefe Sehnsucht nicht zu sättigen vermögen. Und selbst die wahren Augenblicke oder auch Stunden des Glücks bleiben nur vorübergehende, denn wie schon Faust klagte: »Werd‘ ich zum Augenblicke sagen: Verweile doch! du bist so schön!« Doch der Augenblick verweilt nicht, er ist flüchtig.

Und dennoch: Die menschliche Sehnsucht ist keine flüchtige. Sie bleibt und sucht nach Sättigung.

Der Ort nun, der Ort der Öffnung und also Zugang zu der ersehnten Sättigung ist, zeigt sich am Kreuz – im durchbohrten Herzen Jesu. Und der Kreuzesruf Jesu Mich dürstet ist die exakte Einladung des gekreuzigten Menschensohnes an uns, zu kommen und an der unendlichen Quelle der Sättigung Ruhe für unser unruhiges Herz zu finden.

Mutter Teresa hatte es verstanden. Wenn in ihren Kapellen neben dem Kreuz diese beiden Worte Jesu stehen: Mich dürstet bzw. I thirst, so antwortet sie darauf: Ich will diesen Durst Jesu stillen.

Und mehr noch. Am Ende ihres Lebens richtete die Heilige von Kalkutta an sämtliche Mitschwestern noch einmal einen leidenschaftlichen Aufruf. 

»Warum«, so fragt sie, »sagt Jesus: Mich dürstet? Was bedeutet das? … Wenn du dir aus Mutters Brief irgendetwas merken willst, dann behalte dies im Gedächtnis: Mich dürstet ist etwas viel Tieferes, als wenn Jesus einfach nur sagte: Ich liebe dich. Solange du nicht tief in deinem Innersten weißt, daß Jesus nach dir dürstet, solange hast du noch nicht begonnen zu begreifen, wer Er für dich sein möchte. Oder wer Er will, daß du für Ihn bist.«

Derart findet die echte Begegnung der beiden Abgründe statt: abyssus abyssum invocat. Der Herr in seinem unendlichen Durst ruft, der Mensch in seinem endlichen kleinen Durst antwortet.

Und da diese Begegnung der Liebe am Kreuz stattfindet, ist der Mensch bereit, seine Sehnsucht nach unendlicher Liebe reinigen zu lassen. Auch dies bedeutet es nämlich, sich dem göttlichen Abgrund auszuliefern: Sich in Seinem Feuer reinigen zu lassen. In den Worten des Hebräerbriefs 12,29: denn unser Gott ist verzehrendes Feuer.

Unsere falschen Vorstellungen von Liebe werden verbrannt. Unser natürliches Zurückschrecken vor diesem verzehrenden Feuer wird freilich aufgefangen dadurch, daß wir nicht allein am Kreuz stehen, sondern mit Maria. Sie lehrt uns standzuhalten. Sie kollabiert nicht am Kreuz, sondern, wie der Evangelist Johannes 19,25 ausdrücklich vermerkt: Sie steht am Kreuz.

Mit Maria halten wir stand. Und nur dann werden wir verwandelt. 

Wir werden, was wir im Tiefsten sein wollen. 

Liebende.

Grafik: Foto von Jon Tyson auf Unsplash 

Samstag, 6. Juni 2026

 »Du aber sei nüchtern in allen Dingen.«

Naturgemäß darf die ganz große Propaganda nicht fehlen. Und dafür ist allemal Hollywood zuständig. 

Und nicht irgendein Regisseur, sondern gleich derjenige, der sich beim Thema bestens auskennt und den sogenannten blockbuster liefern wird – Steven Spielberg.

Das Thema: Die Aliens beziehungsweise deren Invasion beziehungsweise die sympathischen außerterrestrischen Intelligenzen.

Dabei geht es nicht um Unterhaltung oder Science Fiction. Oh nein. Hollywood greift diesmal in die verwegenste Höhenlage. Es geht um nichts weniger als um die Wahrheit. Um die Offenbarung. Um die längst überfällige Offenlegung des bislang Verborgenen.

Nächste Woche kommt die Propagandawalze in die Kinos. Der finale Trailer, der bereits auf dem Markt ist und Filmausschnitte mit Spielberg-Interviewsequenzen kombiniert, läßt das Schlimmste befürchten. 

 

Spielbergs raunende Zwischenkommentare und Fragen nach dem Motto: Wäre es nicht toll, wenn das Gezeigte alles wahr wäre?, sind selbstverständlich rhetorische Fragen. Der betriebene cineastische Aufwand will die definitive Konditionierung des Zuschauers. Nach dem Film soll es nur mehr den einen und immer gültigen Konsens der one world geben: Die Außerirdischen gibt es nicht nur, sie sind bereits da.

Nonnen, rosenkranzbetend, in der Erwartung der Aliens, dürfen selbstredend in der betrügerischen  Propagandatrommel nicht fehlen, auch nicht wohlplazierte Kreuze als verführerische Requisiten . 

Denn die eigentliche Stoßrichtung des Films, der sich im übrigen nahtlos in positive Äußerungen amerikanischer Toppolitiker (Trump, Rubio et al) und NASA-Experten einreiht, ist die Attacke auf die katholische Kirche, wozu Spielberg der geeignete Mann ist, hatte er doch schon in seinem 2001 veröffentlichen Film AI die theologische Wahrheit des Menschen als Imago Dei blasphemisch verhöhnt. Die katholische Kirche, und nur sie, ist das Zeichen des Widerspuchs, welches zu demolieren ist, da sie unbeirrt und wohlbegründet daran festhält, daß Aliens nicht nur nicht existieren, sondern daß dann, wenn sogenannte UFO-Phänomene oder vergleichbare Manifestationen gesichtet werden, es sich dabei nicht um authentische Kundgaben außerirdischen Lebens handelt, sondern um dämonische Vorspiegelungen. 

Es paßt in diesen Zusammenhang, daß ausgerechnet diese Woche und also exakt vor der Kinopremiere von Disclosure Day / Der Tag der Wahrheit ein berühmter amerikanischer Exorzist, der genau diese Wahrheit vertritt, nämlich daß die außerirdischen Phänomene diabolische Machinationen sind, schnurstracks von seinem Bischof, der seit langem durch seine heterodoxen Äußerungen das episkopale Lehramt verrät, des Amtes enthoben wurde. Die Propaganda, so die unmißverständliche Lektion, duldet keinen Widerspruch. Sie soll schließlich global sein. Und die zweite Lektion: Die Kirche macht endlich einen Schwenk, es wurde aber auch Zeit.

Und man darf damit rechnen, daß die Masse leichtgläubig (Corona läßt grüßen) den raffiniert zubereiteten Köder schlucken wird. Ist nicht die weltweite Krise derart gigantisch, daß nur mehr Superintelligenzen, halt Aliens aus anderen Galaxien, sie bewältigen können? Müssen wir uns nicht glücklich schätzen, daß endlich die UFOs landen, weil deren Insassen – die außerirdischen Adepten der globalen Nächstenliebe – Mitleid mit unseren Ausweglosigkeiten haben?

Der standhafte Christ sollte seine Bibel nehmen und den Völkerapostel Paulus zu Rate ziehen. Hier, nicht im Kintopp, findet er die wahre Antwort und die wahre  Offenbarung:


»Denn es wird eine Zeit kommen, da sie die heilsame Lehre nicht ertragen werden; sondern nach ihrem eigenen Begehren werden sie sich selbst Lehrer aufladen, nach denen ihnen die Ohren jucken, und werden die Ohren von der Wahrheit abwenden und sich den Fabeln zukehren. Du aber sei nüchtern in allen Dingen, leide willig, tu das Werk eines Predigers des Evangeliums, erfülle redlich deinen Dienst.«

Und dem eventuell Verunsicherten, der diesbezüglich nach fundierter katholischer Katechese sucht, wird diese Lektüre weiterhelfen: 

Daniel O’Connor, The First and Last Deception. Aliens, UFOS, AI, and The Return of Eden’s Demise, New York 2025.


Samstag, 30. Mai 2026

 Das Kreuz und die Helden


Das Kreuz ist 1,10 Meter hoch, 70 cm breit und 11 cm dick. Es wiegt 35 Kilogramm.

Sein Träger: Maël le Lagadec. 

Maël, Franzose, 18 Jahre alt, ist Landschaftsgärtner und widmet sich erst seit einem halben Jahr dem Bergsteigen. Doch diesmal ist die Route eine besondere.

Auf dem Pic d’Aneto, dem höchsten Gipfel auf der spanischen Seite der Pyrenäen, wurde das Gipfelkreuz, das seit 1951 die Region auf 3500 Metern Höhe überragt, in einem Vandalismusakt gestohlen. Marc, gemeinsam mit seinem Freund Julien, beschließt daraufhin, das zerstörte Kreuz durch ein neues zu ersetzen. »Ich bin Landschaftsgärtner, aber ich wollte dieses Kreuz mit meinen eigenen Händen schaffen und es auf dem Gipfel hissen.«

Das neue Kreuz ist aus einem einzigen Block gefertigt. Das Material ist Walnußholz, welches wegen besserer Wetterbeständigkeit mit einem Bootslack versiegelt wird. Marc bringt vier Lilien an den jeweiligen Ecken des Kreuzes an: »Die Lilie ist ein starkes Symbol für Königtum, für Loyalität gegenüber Frankreich und Spanien.«

Der Aufstieg zum Gipfel des Aneto ist anstrengend. Nebel hüllt den Berg ein. Der Gefährte Julien bleibt auf den letzten Metern vor Erschöpfung zurück.

Nach Stunden der Mühe und Entsagung kommt Marc, der am 8. Mai um Mitternacht aufgebrochen ist, am Samstag, dem 9. Mai, um 14:40 Uhr an: »Ich komme ganz oben an. Nach all den Anstrengungen knie ich mich hin und weine. Die Anstrengung war sehr intensiv. Ich kann es noch gar nicht fassen. Es ist der Stolz, es geschafft zu haben.«

Das Kreuz ist aufgerichtet, vier Meter von der Statue der Muttergottes entfernt.

Die Nachricht verbreitet sich schnell. Hunderttausende von Glückwünschen erreichen den Alpinisten.

Zwei Wochen später erfährt er, daß ein neuerlicher Vandalenakt geschehen ist. Marcs Holzkreuz wurde ausgerissen und den Abhang hinuntergeworfen. 

Was nun?

Zwei spanische Alpinisten finden das ausgerissene Kreuz im Schnee und bringen es zurück zum  Gipfel.

Stat Crux dum volvitur orbis.

 

Grafik:   © Aucun(e) - Maël Le Lagadec 

Donnerstag, 21. Mai 2026

 Pfingsten 2026

»Die Sünde wider den Hl. Geist: der erkannten Wahrheit widerstreben.«

sel. Franz Jägerstätter († 1943)

 

Samstag, 16. Mai 2026

Die 2. Szene  

Sic transit gloria mundi.

 Der Satz ist spätestens seit dem 17. Jahrhundert als Memento während der feierlichen Krönungszeremonie des Papstes bekannt.

Der Papst wird auf der Sedia gestatoria, dem päpstlichen Tragsessel, in feierlicher Prozession in die Petersbasilika getragen; dabei nähert sich ihm dreimal der Zeremonienmeister und verbrennt vor den Augen des neu gewählten Pontifex mit einer brennenden Fackel ein Büschel Werg, wobei er die Worte spricht: Pater Sancte, sic transit gloria mundi (Heiliger Vater, so vergeht der Ruhm der Welt).

Überdeutlich wird auf diese Weise dem Stellvertreter Christi vor Augen geführt, daß sein Amt keines der weltlichen Macht und Dominanz ist, sondern eines geistlicher Vollmacht, welche Vollmacht unbeirrt die Augen dorthin zu richten hat, wo die ewigen Güter sind, die kein Rost und keine Motte und kein Feuer zerstören kann.

Daß diese Wahrheit weniger esoterisch ist, als ein antichristlicher Affekt wähnt, macht bisweilen selbst ein Spielfilm kund. 

Der Adler der Neunten Legion ist ein Römerepos. Erzählt wird die Geschichte des römischen Tribuns Marcus Flavius Aquila, der in Britannien für Rom kämpft, und dies um so leidenschaftlicher, als seine Familienehre in Mitleidenschaft gezogen ist; hat doch sein Vater, ebenfalls Offizier des römischen Heeres, in einer Schlacht in Nordbritannien 5.000 Mann verloren und weiters den Adler der Neunten Legion, die berühmte Standarte, eingebüßt, was bereits an sich als Schande gilt. Und darüber hinaus steht der perfide Verdacht im Raum, daß besagter Vater vielleicht aus feigem Entschluß das Statussymbol preisgegeben hat.

Der Sohn bricht schließlich - zusammen mit dem britischen Sklaven Esca, dem er aus Mitgefühl das Leben gerettet hat -, in das feindliche Gebiet auf, da die Sage geht, der Adler sei im Norden Britanniens wieder aufgetaucht. Die Reise in das Territorium des Feindes ist, wie man denken kann, eine gefährliche und letztlich mörderische. Denn tatsächlich finden Meister und Sklave den goldenen Adler, rauben ihn nächtlicherweise aus dem Lager des Feindes und fliehen anschließend in halsbrecherischer Weise Richtung Süden.

Es kommt, wie es kommen muß. In einem finalen Gefecht zwischen dem barbarischen Feind und den beiden Flüchtigen, die überraschenderweise von einem versprengten Trupp der übriggebliebenen Neunten Legion Hilfe erfahren, siegen die Römer, doch der Preis ist hoch: Die Schlacht ist überaus grausam und blutig, viele der Männer auf beiden Seiten sind tot. 

Marcus Flavius errichtet nach dem Gemetzel einen Holzstoß, darauf legt er den getöteten römischen Anführer der Hilfseskorte und hält eine Abschiedsrede, bevor er den Holzstoß in Flammen aufgehen läßt.

Diese Szene hat es in den endgültigen Schnitt gebracht. Doch man sollte sich unbedingt auch die 2. Szene anschauen, nämlich den alternativen Schluß, der es nicht in die Letztfassung des Films brachte, sondern lediglich im Bonusmaterial der DVD angeschaut werden kann. Doch eben dieser Alternativsschluß übersetzt in famoser bildkräftiger Art das christliche Memento des vergänglichen Ruhms in den Raum eines heidnischen Rituals.

Der berühmte, dekorierte Tribun Marcus Flavius Aquila nimmt nämlich schließlich den goldenen Adler und legt ihn auf den Feuerstoß. Die Flammen züngeln. Das Gold beginnt zu schmelzen und zu tropfen. Das Feuer verzehrt - sic transit gloria mundi.

Doch der Film beläßt es nicht bei diesem potentiell deprimierenden Ende. Denn der Tribun hat zwar die vergängliche heidnische Trophäe dahingegeben, dafür aber während seiner Queste Herz und Verstand geöffnet für die goldenen Werte: Freiheit, Freundschaft, Familie, ein einfaches Leben. Nicht der Tod steht damit am Ende des Films, sondern das schlichte Bekenntnis zum Leben. 

Samstag, 9. Mai 2026

 Ben Hur 2016

Oh je, dachte vielleicht so mancher. Ein Remake eines Klassikers. Und das 2016. Kann das gut gehen?

Ja, es kann.

Das liegt nicht zuletzt darin, daß, entgegen üblicher Hollywoodstrategien, die, in gleich welchem Filmgenre, stets Sex und Perversion obsessiv an den Mann zu bringen versuchen, der kasachische Regisseur Timur Bekmambetov und seine evangelikalen Produzenten eben dies unterlassen.

Das Erstaunliche: Ben Hur 2016 geniert sich nicht, den historischen Jesus von Nazareth auftreten zu lassen, und mehr noch, dessen Botschaft ist das eigentliche Movens der Neuauflage. Denn das Thema, welches den ganzen Film grundiert, ist das der Vergebung. Erübrigt sich anzumerken, daß dieses Sujet naturgemäß ein spirituelles ist.

Und was ist mit dem Wagenrennen? Denn Ben Hur ist nun einmal auch dies: Ein Actionstreifen, in dem die finale Auseinandersetzung der zwei Brüder das grandiose Spektakel ist, welches den Adrenalinschub anheizen soll. 

Keine Sorge. Auch da braucht das Remake keine Vergleiche zu scheuen. Das Wagenrennen ist ein Wagenrennen, und die Spannung ist explosiv. Körperkameras bringen das atemberaubende Geschehen an die Nerven, und die Frage der mörderischen Rache und Vergeltung ist das furiose Dynamit, welches den Sand der Arena aufsprühen und die knallenden Peitschenhiebe fetzen läßt.

Burt Lancaster, der seinerzeit, in den 50er Jahren, ursprünglich für die Darstellung des Judah Ben- Hur vorgesehen war, lehnte, so vermerken die Trivia zu der damaligen Produktion, die Rolle ab, da ihm, dem selbsternanntern Atheisten, »die gewalttätige Moral in der Geschichte nicht gefiel« und weil er das Christentum nicht fördern wollte. 

Ben Hur 2016
läßt solche Selbstverblödungen souverän hinter sich. Am Ende umarmen sich zwei wiedergefundene, verwundete Brüder. Und dann das wunderbare Wort des Judah Ben-Hur an den niedergestreckten Gefährten seiner Jugend: »Das, was ich kann, ist dich tragen.« Und auch dieses herrliche Wort, zuletzt: »Bist du bereit, Bruder?«

Samstag, 2. Mai 2026

 Der Unterschied II

»Bonum ex integra causa, malum ex quocumque defectu.«

Der lateinische Satz bringt einen mittelalterlichen Grundsatz zum Ausdruck. Gemeint ist: Wahrhaft gut ist, was in allen seinen Teilen gut ist; das Schlechte dagegen ergibt sich bereits aus einem beliebigen Defekt.

Entsprechend müssen gute Handlungen alle drei moralischen Bestimmungen erfüllen: Gegenstand, Umstände und Absicht der Handlung müssen gut sein, das heißt, sie müssen sittlich angemessen sein und mit der Ordnung der Vernunft im Einklang stehen, damit die betreffende Handlung als gut angesehen werden kann.

Das mag sich für manchen komplizierter anhören als es tatsächlich ist. 

Nehmen wir ein Sitzpolster.

Der Stoff (Seide) ist kostbar. Die Farben sind wunderschön. Die Maße ideal.

Alles bestens, so könnte man denken. Doch leider ragt aus der Mitte des Polsters eine spitze Nadel heraus, die es unmöglich macht, das Sitzpolster zu benutzen. Zur Integrität eines Sitzpolsters – was jedem einleuchtet – gehört aber nun einmal, daß man sich draufsetzen kann. In diesem besonderen Fall wäre also durch die spitze Nadel, dieses ungehörige Detail, das Polster seiner echten Wesenheit, nämlich Sitzgegenstand zu sein, beraubt und zu einem schlechten Polster mutiert.

Vermutlich hat niemand Schwierigkeiten, dieses Exempel nachzuvollziehen und zu bejahen. 

Doch wie steht es mit folgendem:
Jemand schaut einen Film. Irgendwann präsentiert der Film anzügliche, unsittliche Aufnahmen. Stimmt der Betrachter zu, wenn ihm mitgeteilt wird, daß die unsittlichen Sequenzen den gesamten Film korrumpieren, da die anstößigen Bilder der Moral und der Ordnung der Vernunft widersprechen und also die Integrität des Films grobschlächtig zerrütten und derart den Film zu einem schlechten machen?

Der Unterschied zwischen dem Heiligen und dem Konsumenten liegt vermutlich genau hier: Der Heilige drückt, wenn er die anstößigen Bilder wahrnimmt, den Ausknopf, da er das ihm eingeschriebene Gesetz der Integrität kennt und liebt und lebt. Der Konsument dagegen schaut weiter, da er an das Anstößige schon gewohnt ist und darüber hinaus eventuelle Einwände mit routinierten fadenscheinigen Argumenten narkotisiert.

Wie sagt der Völkerapostel Paulus? - »Ihr habt im Kampf gegen die Sünde noch nicht bis aufs Blut Widerstand geleistet« (Eph 12,4).

Grafik: Kingrise auf Pixabay

Samstag, 25. April 2026

Prinzip und Fundament 
  

»(…) bin ich überzeugt, daß die Menschheit der Gegenwart diese grundlegende Botschaft braucht, die in Jesus Christus Mensch geworden ist: Gott ist die Liebe. Alles muß von hier ausgehen, und alles muß hierher führen: jede pastorale Tätigkeit, jede theologische Abhandlung.«

Benedikt XVI. 
aus seiner Predigt während der Vesper am 22. April 2007

 

 Grafik: Foto von THLT LCX auf unsplash