Der Unterschied II
»Bonum ex integra causa, malum ex quocumque defectu.«Der lateinische Satz bringt einen mittelalterlichen Grundsatz zum Ausdruck. Gemeint ist: Wahrhaft gut ist, was in allen seinen Teilen gut ist; das Schlechte dagegen ergibt sich bereits aus einem beliebigen Defekt.
Entsprechend müssen gute Handlungen alle drei moralischen Bestimmungen erfüllen: Gegenstand, Umstände und Absicht der Handlung müssen gut sein, das heißt, sie müssen sittlich angemessen sein und mit der Ordnung der Vernunft im Einklang stehen, damit die betreffende Handlung als gut angesehen werden kann.
Das mag sich für manchen komplizierter anhören als es tatsächlich ist.
Nehmen wir ein Sitzpolster.
Der Stoff (Seide) ist kostbar. Die Farben sind wunderschön. Die Maße ideal.
Alles bestens, so könnte man denken. Doch leider ragt aus der Mitte des Polsters eine spitze Nadel heraus, die es unmöglich macht, das Sitzpolster zu benutzen. Zur Integrität eines Sitzpolsters – was jedem einleuchtet – gehört aber nun einmal, daß man sich draufsetzen kann. In diesem besonderen Fall wäre also durch die spitze Nadel, dieses ungehörige Detail, das Polster seiner echten Wesenheit, nämlich Sitzgegenstand zu sein, beraubt und zu einem schlechten Polster mutiert.
Vermutlich hat niemand Schwierigkeiten, dieses Exempel nachzuvollziehen und zu bejahen.
Doch wie steht es mit folgendem:
Jemand schaut einen Film. Irgendwann präsentiert der Film anzügliche, unsittliche Aufnahmen. Stimmt der Betrachter zu, wenn ihm mitgeteilt wird, daß die unsittlichen Sequenzen den gesamten Film korrumpieren, da die anstößigen Bilder der Moral und der Ordnung der Vernunft widersprechen und also die Integrität des Films grobschlächtig zerrütten und derart den Film zu einem schlechten machen?
Der Unterschied zwischen dem Heiligen und dem Konsumenten liegt vermutlich genau hier: Der Heilige drückt, wenn er die anstößigen Bilder wahrnimmt, den Ausknopf, da er das ihm eingeschriebene Gesetz der Integrität kennt und liebt und lebt. Der Konsument dagegen schaut weiter, da er an das Anstößige schon gewohnt ist und darüber hinaus eventuelle Einwände mit routinierten fadenscheinigen Argumenten narkotisiert.
Wie sagt der Völkerapostel Paulus? - »Ihr habt im Kampf gegen die Sünde noch nicht bis aufs Blut Widerstand geleistet« (Eph 12,4).
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