Samstag, 24. September 2022

Der Edle

                                                                                              

»Der Edle verlangt alles von sich selbst, der Unedle erwartet alles von den anderen.«

Konfuzius

Grafik: Photo by unsplash.com/@anniespratt

Samstag, 17. September 2022

Der hl. Dominikus und der Rosenkranz II

Vor fünf Jahren, am 19. August 2017, haben wir auf diesem Blog über den heiligen Dominikus und den Rosenkranz geschrieben.

Dieser zweite Beitrag versteht sich als Ergänzung des ersten. Denn was womöglich die Wenigsten wissen, ist dies: Daß Maria, so die Legende, dem Gründer des Dominikanerordens fünfzehn Verheißungen mitgegeben hat, die allesamt das treue und andächtige Beten des Rosenkranzes betreffen.

Es gibt fromme Beter des Rosenkranzes, wie etwa der selige Bartolo Longo, welche die Wirkmacht dieser Verheißungen in ihrem Leben überdeutlich zu spüren bekamen. 

Aber selbst die Beter, die gleichsam im Verborgenen die versprochene marianische Hilfe und Nähe erfahren, reihen sich ein in die Schar der unzähligen Zeugen. Sie alle wissen, daß Maria, wie es in der Lauretanischen Litanei heißt, die Zuflucht der Sünder ist und der Trost der Betrübten und die Ursache unserer Freude. 

Oder, wie es ein altes österreichisches Lied, welches die Muttergottes preist ist, ausdrückt: Nein, o Mutter! Weit und breit schallt's aus deiner Kinder Mitte: daß Maria eine Bitte nicht gewährt, ist unerhört, unerhört in Ewigkeit!

Die 15 Verheißungen


1.
Wer meinen Rosenkranz beharrlich betet, erlangt eine besondere Gnade.

2. Ich verspreche allen, die andächtig den Psalter meines Rosenkranzes beten, meinen besonderen Schutz und große Hulderweise.

3. Der Rosenkranz ist ein mächtiger Schild gegen den bösen Feind; er vernichtet das Laster, verhindert die Sünde und rottet die Irrlehre aus.

4. Der Rosenkranz bewirkt das Wiederaufblühen der Tugend und der Werke der Gottseligkeit. Durch ihn wird den Seelen die Fülle der göttlichen Erbarmungen zuteil. Er wird die Herzen umkehren, und sie werden anfangen, das Irdische zu verachten, das Himmlische zu lieben und rasche Fortschritte zu machen. Viele Seelen werden durch den Rosenkranz gerettet.

5. Die Seele, die vertrauensvoll durch meinen Rosenkranz die Zuflucht zu mir nimmt, geht nicht verloren.

6. Alle, die andächtig den Rosenkranz beten und dabei die Geheimnisse betrachten, werden vom Unglück nicht niedergebeugt und vor einem unvorhergesehenen Tod bewahrt bleiben. Sind sie in Sünden, so werden sie die Gnade der Bekehrung erlangen, die Gnade der Beharrlichkeit aber, wenn sie gerecht sind, und sie werden des ewigen Lebens teilhaftig werden.

7. Die Gläubigen, die mein Rosenkranzgebet andächtig pflegen, werden nicht ohne Empfang der heiligen Sakramente sterben.

8. Ich will, daß alle, die meinen Rosenkranz mit Andacht beten, während ihres Lebens und im Augenblick ihres Todes der Fülle göttlicher Erleuchtungen und Gnaden teilhaftig werden sowie der Verdienste der Heiligen Gottes,

9. Sehr bald werde ich die Seelen aus dem Fegefeuer befreien, die in ihrem Leben meinen Rosenkranz geliebt haben.

10. Die treuen Kinder meines Rosenkranzes werden sich im Himmel großer Herrlichkeit erfreuen.

11. Alles, worum man mich durch den heiligen Rosenkranz bittet, wird man erhalten.

12. Wer meinen Rosenkranz verbreitet, wird in all seinen Nöten meine Hilfe erfahren.

13. Ich habe von meinem göttlichen Sohn die Gnade erlangt, daß alle, die in der Bruderschaft vom heiligen Rosenkranz sind, die glückseligen Bewohner des Himmels im Leben und im Tode zu ihren Brüdern und Schwestern und Fürbittern haben.

14. Alle, die meinen Rosenkranz beten, sind meine geliebten Kinder und Brüder Jesu Christi, meines eingeborenen Sohnes.

15. Die Andacht zu meinem heiligen Rosenkranz ist ein besonderes Merkmal der Auserwählten.

Samstag, 10. September 2022

Männer. Väter

Schön Wär’s.

Aber leider ist Hollywood Hollywood, und das heißt immer auch krankes Hollywood.

Top Gun Maverick wird, dazu braucht es keinerlei hellseherischer Fähigkeiten, Abermillionen einspielen. Das liegt nur bedingt an den spektakulären Action- und Flugszenen. Was den Film wirklich zusammenhält – und das wissen die Drehbuchautoren - , sind die ewigen Gesetze. Und das heißt in diesem Fall die Gesetze des Heroischen, der echten Kameradschaft, des Opfers.

Wie bitte? Opfer?

Selbst in der kirchlichen Verkündigung scheut man mittlerweile den Opferbegriff wie etwas Mittelalterliches, Knechtisches, Muffiges, jedenfalls als etwas, das dem modernen Zeitgenossen nicht zugemutet werden kann.

Doch Top Gun lebt zwei Stunden lang gerade von diesem Opferbegriff. Als die Handlung kulminiert, als der Held einem mitkämpfenden Kameraden selbstlos das Leben rettet und dabei abgeschossen wird, überlebt er das Fiasko, weil besagter Kamerad nun seinerseits sein Leben riskiert, um den Star zu retten. Die halsbrecherische Aktion glückt – nur, wenig später sind beide Geretteten in Lebensgefahr.

Und auch in dieser scheinbar ausweglosen Lage bewirkt der mutige, und das heißt hier der hingebungsvolle Akt eines weiteren Kampffliegers, daß erneut Rettung geschieht.

Das Wort Opfer braucht im ganzen Film nicht zu fallen. Der Zuschauer weiß dennoch, daß das, was die Handlung belebt und trägt, genau dieses Movens ist: Die Bereitschaft von Männern, ein Opfer zu bringen für Andere. Und Opfer ist tatsächlich Opfer, denn der zum Opfer Bereite ist einverstanden, sein Leben zu verlieren, wenn es gefordert ist.

Wo die Kirche versagt, indem sie die zentrale Lebenswirklichkeit des Opfers mehr und mehr feige verschweigt, kommt Hollywood daher und inszeniert das große Spektakel des Heroismus und der Hingabe. Derart bewährt sich das physikalische Faktum des horror vacui. Leerräume bleiben nicht leer. Leerräume werden gefüllt, notfalls von Hollwood.

Doch Hollywood ist, damit wir uns recht verstehen, keine neue Kanzel. Denn da Hollywood krank ist, bleibt es nicht bei der Geschichte männlichen Muts und männlichen Heldentums. Eine sogenannte Liebesgeschichte muß her. Und man ahnt es bereits: Die Liebesgeschichte ist eine Geschichte der Unzucht. Die Frau, alleinerziehend, der Ehemann in der Wüste, der Held der verflossene mehrmalige Liebhaber und flugs der neue lover. Nichts Neues unter der Sonne. Die kranke Agenda muß unters Volk.

Dazu gehört dann auch der ach so bedeutungsschwere Satz der alleinerziehenden Mutter (bezeichnenderweise beim halbnackten tête-à-tête geraunt), sie habe gelernt, daß ihre Tochter (die gerade die Nacht außer Haus verbringt) ihre eigenen Erfahrungen machen müsse. Dem Zuschauer wird freilich nicht gesagt, daß mit dieser Dämlichkeit und Unverantwortlichkeit die Tochter den bösen Erfahrungen schnurstracks in den Rachen geworfen wird.

So what?

Väter, die mit ihren Söhnen ins Kino gehen, sollten klar sehen. Sei es vorher, sei es nachher ist es notwendig, den Söhnen zu helfen, das Gesunde vom Kaputten zu unterscheiden, das Gerade vom Abwegigen. Diese Unterscheidung ist keine nebensächliche, sondern die wesentliche. Der in die Jahre gekommene Tom Cruise hilft da nicht weiter. Die Väter sind gefragt.  

Grafik: Image by drobotdean on Freepik

Samstag, 3. September 2022

KV 488


Es soll Musikliebhaber geben, welche das Adagio, von dem hier die Rede ist, für so erhaben halten, daß in ihren Augen weder ein vergangenes noch ein zukünftiges Adagio an dieses je heranreichen kann.

Die Rede ist von Mozart. Und das Adagio ist der Mittelsatz aus dem 23. Klavierkonzert, KV 488.

Wie simpel, mag ein unbedarfter Hörer denken. Tatsächlich ist der Klavierpart des langsamen Satzes von einem Schüler, der mal gerade drei Jahre Praxis hinter sich hat, zu bewältigen. Oder?

Ja. Vielleicht. Aber selbst noch die Technik will bei Mozart beherrscht sein. Denn was Mozart auszeichnet, ist, daß die Noten dem untergeordnet sind, was in den Gebeten der Totenliturgie früher noch zur Sprache kam, während man es heute vergeblich sucht: Die Seele.

Ja, die Seele. Und das heißt zugleich die Schmerzen, das Glück, die Lust, die Trauer, die Abschiede, das Vergängliche, die Sehnsucht. 

Nun ist Mozart nicht der einzige Komponist, der eben diesen Seelenzuständen Klang gibt. Doch was ihn unterscheidet von soundsovielen Anderen, scheint in der Tatsache begründet, daß hier ein Mensch diese Zustände kennt und zugleich es schafft, ihnen den Zauber der kindlichen Unschuld zu bewahren.

Der Hörer des Adagios, der vielleicht gerade den Schmerz eines Abschieds zu meistern hat, hört Mozart und ist besänftigt. Und dies nicht, weil Mozart verdrängt oder verschweigt oder verzärtelt, sondern weil er, der erwachsene Komponist, der die Schläge des Lebens zur Genüge kennt, es gleichwohl vermag, den Noten die ungeheuchelte Patina der Kindheit zu verleihen, so daß der Hörer weiß oder ahnt, daß die Welt, wenn sie musikalisch derart zu bewältigen ist, im Grunde nicht die arge ist, als die man sie tagaus tagein deklariert, sondern die trotz allem heile.

Bei einem kleineren Komponistenkopf wäre die Patina zum rosaroten Gefühl oder gleich zum Kitsch geraten. Bei Mozart beginnt die Patina zu leuchten. Dazu bedarf es freilich auch des Interpreten, womit wir wieder bei der Technik sind. Denn die ach so einfachen Noten brauchen, da sie Seelennoten sind, mehr als drei Jahre Fingerübungen. Falsche Anschläge machen die Patina zum Rost. Falsche Tempi degradieren die Kindheit zum abgelegten Durchgangsstadium. 

Um so schöner, wenn eine Aufnahme glückt.

Samstag, 27. August 2022

Die Anatomie und der Lobpreis

Daß Michelangelo ein genialer Anatomiker war, ist bekannt. Man braucht nur seine anatomischen Zeichnungen anzuschauen, um dies wahrzunehmen.

Doch wie exakt, ja akribisch Michelangelo seine Studien betrieb, das kann eine seiner großen Plastiken anschaulich machen. Wir meinen die Skulptur des Moses.

Am rechten Unterarm des Moses ist ein kleiner Muskel zu sehen. Dieser Muskel ist normalerweise unter der Oberfläche der Haut verborgen. Doch wenn man den kleinen Finger krümmt, tritt dieser Muskel an die Oberfläche. Dieses anatomische Faktum kann jeder selbst an seinem Körper nachvollziehen. Michelangelo bildet im Marmor des Moses genau diese Besonderheit ab (siehe Foto).

Doch dies ist zugleich mehr als ein lediglich reproduziertes anatomisches Detail. Es ist Lobpreis. Lobpreis des allmächtigen Schöpfers, dem Michelangelo in seiner Kunst die treue Reverenz erweist. Kunst wird zum Preisgesang. Sie macht sichtbar, wie grandios der menschliche Körper vom göttlichen Konstrukteur geschaffen wurde. Und der große Künstler deformiert nicht das Geschaute, sondern stellt es in das Licht der Wahrnehmung.

Die rechte Hand des Moses hält die beiden Gesetzestafeln, die Tafeln, auf die Gott seine Zehn Gebote geschrieben hat.

Michelangelo gibt auf seiner Tafel, dem gefügigen Marmor, wieder, was er in seinen anatomischen Studien von den Gesetzen Gottes erkennen durfte.

Und wer erkennt? Der Liebende erkennt. Noch das Verborgene.

Grafik: wikicommons

Samstag, 20. August 2022

Die Ordnung und die Schönheit

»Die Ordnung der Welt ist die Schönheit der Welt.«

Simone Weil


Grafik: Jonathan Francisca on unsplash.com
 

Samstag, 13. August 2022

Aktuell


»Man muß über ewige Dinge schreiben, um mit Sicherheit aktuell zu sein.«
  

Simone Weil


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Samantha Sophia on unsplash.com

Samstag, 6. August 2022

Der Schrei des Paulus

Bibelfilme sind so eine Sache. Es läßt sich trefflich streiten über die Darsteller, die Kostüme, die Ausstattung, die Dialoge und insgesamt die Bibeltreue.

Paulus ist ein solcher Bibelfilm. Er versucht, dem Menschen Paulus näherzukommen. Wer war der große Apostel? Wie wurde er zu Paulus? Wie war sein Umfeld?

Hier soll nur eine Szene des Films zur Sprache kommen, denn diese Szene ist genial.

Gemeint ist die alles entscheidende Episode im Leben des Apostels. Er ist unterwegs nach Damaskus, um in seinem pharisäischen Furor die dortigen Katholiken zu verhaften und einkerkern zu lassen. Die Geschichte ist bekannt. Der Sturz des Wütenden. Die Lichterscheinung. Die Stimme Jesu, die den Verfolger beim Namen nennt: »Saul, Saul, warum verfolgst du Mich?«

Was macht nun der Film aus dieser Szene?

Auch hier der gewaltsame Sturz zu Boden. Die Frage Jesu. Die Gegenfrage des Saulus. Und die Antwort Jesu.

Doch dann das Erschütternde: Saulus schreit. Es ist mehr als ein Schrei. Er wälzt sich am Boden, dann steht er auf und schlägt mit seinem Schwert um sich und schreit: »Er hat mich geblendet.« Und er schreit und schreit und schreit aus der Tiefe seines Herzens.

Es ist nicht nur das schreckliche Eingeständnis seines Lebensirrtums, der sich in diesem gequälten Schrei äußert, auch nicht nur das bis ins Mark Getroffensein über die geschehene Blendung. Ein Drittes kommt hinzu.

Hier schreit ein Neugeborener. Denn wenn ein Kind zur Welt kommt, beginnt es seine Lungen durch einen Schrei mit lebensspendender Luft zu füllen. Paulus ist der Neugeborene. Und wie bei Neugeborenen üblich, sieht er noch nicht. Er hat alles neu zu lernen. Das Sehen. Das Gehen. Das Denken.

Man mag vieles an dem Film vergessen. Doch diesen Schrei des Neugeborenen vergißt man so schnell nicht. Denn dieser Schrei des Paulus ist wahr.