Heiter
In welcher Stimmung feierte der HERR das Letzte Abendmahl?
Diese Frage wurde mir neulich vorgelegt.
Der Zusammenhang ist klar. Es ist Gründonnerstag. Der Herr versammelt seine zwölf Jünger um sich und feiert mit ihnen das letzte Fest vor Seinem Tod. ER weiß, daß wenige Zeit später der Aufbruch in den Ölgarten sein wird. ER weiß, daß einer der Zwölf Ihn verraten wird. ER weiß, daß die Schergen schon warten. ER weiß, daß Seine Passion die unausdenkbare Leidensgeschichte ist, die keines Menschen Ohr gehört hat, geschweige denn verstehen oder gar ermessen wird. ER weiß, daß man Ihn nicht einfach umbringen wird, sondern daß ER, aus freiem Willen, sich verhöhnen, verspotten, geißeln und kreuzigen lassen wird, daß Er wortwörtlich das Lamm sein wird, welches geschlachtet wird.
Wie nun feiert Er dieses letzte Fest vor Seiner Passion?
Die Antwort lautet: Heiter.
Wie bitte? Heiter?
Ja. Heiter.
Diese Antwort gibt kein Geringerer als der heilige Kirchenlehrer Albertus Magnus (1200 - 1280) in seinem Kommentar zu »De corpore Domini (Über den Leib des Herrn)«. Der große Gelehrte schreibt:
»Mit welcher Heiterkeit im Geben und wie heiter Er diese Gabe gab (de hilaritate autem in donando et quam hilariter donavit hoc donum), kann kein Mensch mit Worten würdig ausdrücken! Wäre nämlich beim Geben irgendeine Traurigkeit im Herzen zurückgeblieben, dann hätte Er sich nicht ganz gegeben. Nur das ist wirklich gegeben, was ganz gegeben ist. Nichts behielt Christus für sich zurück, alle Gaben, die Er als Mensch und als Gott zu geben hat, gab Er uns.Denkt man unbefangen und mehr und mehr über Alberts Antwort nach, so wird einem klar, daß sowohl die Antwort wie die Begründung der Antwort die einzig angemessene ist. Und was bleibt, ist das Staunen. Das heilsame Staunen.
Sein Herz war froh und glücklich im Bewußtsein, daß Seine übergroße Liebe seinen Gliedern zuteil würde, und diese durch das Geschenk der Kommunion mit Ihm innigst vereint und Ihm eingegliedert würden.
Einer großzügigen Person ist es eigen, daß sie froh und glücklich ist, wenn sie Großes schenken kann, und umgekehrt traurig ist, wenn es ihr nicht möglich ist, etwas Großes zu schenken. Der Geber wie der Empfänger können also nicht anders als fröhlich sein, da sie aneinander Anteil haben. Obwohl es eine Traurigkeit gab wegen des bevorstehenden Leidens, so war doch die Heiterkeit sehr groß (maxima fuit hilaritas), das Geschenk der innigen Gemeinschaft geben zu können.
Wer wird bei solchen Zeichen göttlichen Erbarmens nicht auch froh werden?«
Grafik: Simon Uschakow, 1685. wikicommons.
Text:
Albertus Magnus, Über die Eucharistie, übersetzt von Marianne Schlosser (Christliche Meister 64), Johannes Verlag Einsiedeln 2017, 198f.
(Mit leichten Änderungen.)


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