Freitag, 25. Dezember 2020

Weihnachten 2020

         »Gottes Sohn wurde Mensch, damit der Mensch Heimat habe in Gott.«

Hildegard von Bingen
(Mystikerin, Ärztin, Komponistin, 1098 - 1179)

Freitag, 18. Dezember 2020

O Mensch

 

»O Mensch, schau dir den Menschen an: Er hat Himmel und Erde und die ganze übrige Kreatur in sich selber! In ihm ist alles verborgen schon vorhanden. Gott hat den Menschen nach dem Bauwerk des Weltgefüges, nach dem ganzen Kosmos gebildet. O wie herrlich ist die Gottheit, welche, indem sie schafft und wirkt, ihre eigene Wirklichkeit offenbart.«

Hl. Hildegard von Bingen
(Mystikerin, Ärztin, Komponistin, 1098 - 1179)



Grafik:
scott payne auf pixabay

Samstag, 12. Dezember 2020

Gaudete


Woran denkt, wer den Namen Johannes des Täufers vernimmt?

Vermutlich an einen asketischen, hageren Mann, der seine Zuhörer mit strengsten Worten harsch zurechtweist. Ein Mann, der - wie der Evangelist Matthäus festhält - ein Gewand aus Kamelhaaren trägt und sich von Heuschrecken und wildem Honig ernährt. Ein Mann der Buße und Unerbittlichkeit (s. Mt 3,1ff).

Woran wahrscheinlich die Wenigsten denken, ist, daß eben dieser asketische Mann ein Zeuge der Freude ist. Ja, der Freude.

Das beginnt bereits sehr früh. Schon zu dem Zeitpunkt, als seinem Vater durch einen Engel des Herrn die Geburt dieses Sohnes angekündigt wird, heißt es aus dem Munde des Engels: »Du wirst dich freuen und jubeln und viele werden sich über seine Geburt freuen« (Lk 1,14)

Und so geht es weiter. Als der kleine Johannes als ungeborenes Kind noch im Schoß seiner Mutter Elisabeth ruht, berichtet Lukas über den Besuch der Muttergottes bei Elisabeth. Und da ruft die Mutter des zukünftigen Zeugen aus: »Siehe, in dem Augenblick, als ich deinen Gruß hörte, hüpfte das Kind vor Freude in meinem Leib« (Lk 1,44).

Und wieder später – Johannes ist bereits der große Verkündiger, der auf Jesus, das Lamm Gottes, hinweist – steht geschrieben, diesmal aus dem Munde des Täufers selbst: »Wer die Braut hat, ist der Bräutigam; der Freund des Bräutigams aber, der dabeisteht und ihn hört, ist voller Freude über die Stimme des Bräutigams. Diese Freude hat sich nun bei mir vollendet« (Joh 3,29).

Wie könnte es auch anders sein? Derjenige, der verzichtet auf die Vergeudungen des Vergänglichen und sich sammelt auf das einzig Notwendige hin, der geht nicht leer aus, wie das Vorurteil vermeint, sondern wird ganz im Gegenteil erfüllt mit den Gaben, die bleiben - den Gaben von oben. Und eine dieser grandiosen Gaben ist die Freude.

Wer also nach einem Fürsprecher der Freude sucht, der sollte zu Johannes dem Täufer gehen.

Grafik: wikicommons
       

Samstag, 5. Dezember 2020

Die fehlenden Fenster


Vermutlich kennen Sie die Geschichte?

Eines Tages beschließen die Schildbürger ein Rathaus zu bauen. Der Schweinehirt überzeugt die Versammelten, daß es ein besonderes Rathaus werden muß, eine architektonische Besonderheit. Gesagt, getan.

Schon geht man ans Werk, man mißt, man plant, man baut, und Wochen später steht das neue Rathaus in seiner ganzen Pracht da. Und naturgemäß muß ein solches Rathaus gebührend eingeweiht werden. Mit den entsprechenden Honoratioren und mit allem, was Rang und Namen hat.

Gesagt, getan. Beim Einweihungsfest will verständlicherweise jeder in das neue Rathaus, um dessen Wunder zu bestaunen. Ein Gedränge herrscht, aber auch ein Gepolter. Gepolter? Ja, Gepolter. Denn die hineingehen, treten anderen, die bereits drinnen sind, auf die Füße, oder stolpern, oder fallen gar und stürzen, so daß sie froh sind, wenn sie wieder im Freien sind. Was aber die Draußenstehenden nicht davon abhält, selbst nach drinnen zu gehen. Bis auch sie mit Beulen, Schrammen und hinkend das neue Rathaus hinter sich lassen.

Der schlaue Schneider weiß endlich, was los ist. Woher all die Beulen und Blessuren und blauen Flecken? Woher das Kopfanstoßen und die zerschundenen Gesichter? Im neuen Rathaus… im neuen Rathaus… man sagt es ungern, aber es muß gesagt werden: Im neuen Rathaus ist es stockfinster.

Wie das?

Man kann es drehen und wenden, wie man will. Am Ende bleibt nur die bittere Wahrheit: Es fehlen die Fenster. Es fehlt das Licht!

Wie bitte?

Tja. Was soll man sagen? Man lernt nie aus. Und neulich sagte tatsächlich jemand, die Rathausgeschichte sei womöglich eine Adventsgeschichte. Kann das sein? Gibt es ein schlaues Schneiderlein, welches um die Antwort weiß?

Grafik: nomevisualizzato/pixabay.com