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Samstag, 20. Juni 2026

 »Nicht sagte es, Petrus habe schwimmend das Schiff erreicht...«

für K. + K.

»Der Glaube vermag soviel, daß er sogar Menschen befähigt, auf dem Meere zu wandeln. Petrus war Mensch wie wir, bestehend aus Fleisch und Blut und von gleichen Lebensmitteln sich ernährend. Als Jesus zu ihm sagte: Komm!, da glaubte er und wandelte auf den Wassern.

Der Glaube war ihm auf den Wassern ein festerer Halt als jeder Untergrund. Der schwere Körper wurde durch die Schwungkraft des Glaubens in die Höhe gehalten. Doch nur solange, als er glaubte, hatte er auf dem Wasser eine feste Basis. Als er zweifelte, da begann er unterzusinken. In dem Maße, als der Glaube nachließ, wurde auch der Körper mit abwärts gezogen. Jesus, der den leidenden Seelen aufhilft, sprach zu ihm, da er seine Not sah: Kleingläubiger, warum zweifelst du? 

Da ihn Jesus an der Hand nahm und ihm Kraft gab und er wieder glaubte, von da ab wandelte er - an der Hand des Herrn - in gleicher Weise wieder auf den Wogen. Dies deutete uns das Evangelium an, wenn es erklärte: Sie stiegen ins Schiff. 

Nicht sagte es, Petrus habe schwimmend das Schiff erreicht, sondern es gibt zu erkennen, er sei in das Schiff gestiegen, nachdem er den gleichen Weg, auf dem er zu Jesus gekommen, noch einmal gegangen war.«

Cyrill von Jerusalem (313-387)
V. KATECHESE AN DIE TÄUFLINGE, frei vorgetragen in Jerusalem. 
Über den Glauben 


Grafik: File:Bowyer Bible print 3715 Jesus walks on the sea Matthew 14 30-31 Schellenberg (46303).jpg

Samstag, 30. November 2019

Advent II

Was hat Daniel in der Löwengrube mit dem Advent zu tun?

Daniel, der Prophet, der ins babylonische Exil verschleppt ist, weigert sich dort, zu einem anderen Gott als dem einzig rechtmäßigen zu beten. Daraufhin klagen ihn die eifersüchtigen Hofschranzen beim König Darius an und fordern seine Hinrichtung - er soll in die Löwengrube geworfen werden.

Der König, der Daniel zugetan ist, will ihn retten, doch er vermag sich den mörderischen Einflüsterungen seiner Entourage nicht zu widersetzen und willigt schließlich in das Todesurteil ein.

Der britische Maler Briton Rivière (1840 – 1920) stellt die biblische Szene, die im Buch Daniel 6,17ff berichtet wird, in dramatischen Gegensätzen dar. Dort die fletschenden, zum Sprung bereiten ausgehungerten Löwen, hier der aufrechtstehende, gefesselte Gefangene. Während die Raubtiere in hellgelben Farben das Bild dominieren, steht die Hauptperson Daniel, schwarz gewandet, am rechten Rand des Tableaus.

In Anlehnung an das Diktum des weisen Laotse: Wahre Worte sind nicht schön, schöne Worte sind nicht wahr, ließe sich angesichts der obigen Darstellung die Behauptung wagen: Augenscheinliches ist nicht wahr, Wahres ist nicht augenscheinlich.

Das Laute, Reißerische, Blutrünstige und brutal ins Auge Springende, die scheinbare Löwenübermacht, das, was die Szene grell beherrscht, ist in Wahrheit das Gefesselte. Der geknebelte Mann dagegen, im priesterlichen Gewand der Asche und Noblesse und Zurückgenommenheit, ist der Stille, der Freie, der tatsächliche Sieger.

Was das mit dem Advent zu tun hat?

Sagen wir es so: Der Advent will uns einüben in das andere Sehen, das tiefe Sehen, das neue Sehen, damit dann, wenn in der Verborgenheit der tiefsten Nacht – der Mitternacht – das ewige Wort vom Thron steigt, unsere Sinne derart geschult sind, daß wir den Augenschein hinter uns lassen und wahrzunehmen vermögen, wer in der Krippe liegt.

Nochmals anders gesagt: Wenn wir derart in der Nacht zu schauen lernen, dann sind wir auf dem besten Weg, Glaubende zu werden. 

Grafik: wikicommons


Samstag, 30. März 2019

Der Sieg


Für M. S.

»Und das ist der Sieg, der die Welt besiegt hat:
Unser Glaube.«
Erster Johannesbrief 5,4

»Der Glaube, diese Gabe aller Gaben, ohne den kein Friede und Genügen in der Welt.«
Michelangelo


Grafik: David (Ausschnitt). Michelangelo. Von Jörg Bittner Unna - Eigenes Werk, CC BY 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=38304758

Samstag, 2. Juni 2018

An alle Brillenträger


»Die Geheimnisse des Glaubens sind wie die Sonne: Hineinschauen kann man nicht, aber in ihrem Licht sehen wir alles andere.«

Gilbert Keith Chesterton


Grafik: Photo by Louis Moncouyoux on Unsplash