Samstag, 27. Juni 2026

 Die Nachfolger 

Über Heilige kursieren vorrangig zwei Vorurteile.

Das eine ist eines mit abwehrenden Händen. Da heißt es: Schön und gut, die Heiligen sind super, ab das ist nichts für mich. Es kann nicht jeder den Mount Everest besteigen. Ich kraxle im Tiefland herum, und das ist schon mühsam genug. Ich bewundere zwar die Extremsportler, doch meine Kräfte reichen nicht für solche Höchstleistungen.

Das zweite Vorurteil ist die Kehrseite des ersten. Da redet man davon, daß die Heiligen auch nur Menschen sind wie du und ich. Man soll mal nicht übertreiben. 

Naturgemäß sind beide Urteile falsch.

Wenn es im Evangelium (Mt 5,48) heißt - und dies aus dem Munde Jesu selbst - : Seid also vollkommen, wie euer himmlischer Vater vollkommen ist!, dann hat sich das erste Vorurteil erledigt. Der Ruf zur Heiligkeit ist nicht die Ausnahme, sondern die Regel. Daß wir den Ruf ignorieren, mag leider die Regel sein, aber das ändert nichts am ursprünglichen Ruf. Der Unterschied zwischen einem Ignatius oder einer Bernadette und uns liegt nicht darin, daß die Beiden Extremsportler waren, sondern darin, daß sie gehorchten und nachfolgten. Ohne Ausreden.

Kommen wir zum zweiten Vorurteil. Vielleicht ist es das gefährlichere, denn es gibt sich den Anstrich des Jovialen, während es tatsächlich von Dummheit zeugt. Die Biographie auch nur eines Heiligen kann einen des Besseren belehren.

Nehmen wir zur Probe aufs Exempel den wenig bekannten Vorarlberger Priester Pater Franz Reinisch, dessen Seligsprechungsprozeß mittlerweile abgeschlossen ist. War Pater Reinisch so gewöhnlich und mittelmäßig wie du und ich?

Bereits 1937 wird er von der Gestapo ins Visier genommen. Denn P. Reinisch ist kein Duckmäuser, kein Feigling, erst recht kein Mitläufer. Aus seiner Ablehnung der nationalsozialistischen  Ideologie macht er keinen Hehl. In seinen Predigten redet er unumwunden die Wahrheit. Kein Wunder, daß die Gestapo schließlich ein Redeverbot und also auch ein Predigtverbot über ihn verhängt.

Und weiter: Für Pater Franz ist es nach langer Gewissensprüfung klar, daß, sollte er zur Wehrmacht einberufen werden, er den Fahneneid nicht leisten wird, da der sogenannte Führer ein Verbrecher ist. Die Konsequenzen seiner Weigerung treten unverzüglich ein, nachdem er 1942 einberufen wird: Verhaftung, Verhöre, Einlieferung in das Berliner Wehrmachtsgefängnis.

Und weiter: Die Prüfungen für den aufrechten Pallotinerpater erschöpfen sich nicht in einem System des Unrechts. Er stößt selbst bei Mitbrüdern auf Unverständnis. Darüber hinaus: Die österreichischen Bischöfe haben Angst und reden von Soldatenpflicht. Und um das Maß vollzumachen, verweigert ein Gefängnispfarrer dem Inhaftierten die heilige Kommunion, weil ihn dessen Insubordination in Rage bringt.

Pater Reinisch: Ein harmloser Typ wie du und ich? Ein Katholik unter ferner liefen? 

Am 21. August 1942, in der Frühe um 5:03 Uhr, wird der Zeuge Hw. Franz Reinisch enthauptet. Er ist 39 Jahre alt.

Grafik:
wikicommons

Samstag, 20. Juni 2026

 »Nicht sagte es, Petrus habe schwimmend das Schiff erreicht...«

für K. + K.

»Der Glaube vermag soviel, daß er sogar Menschen befähigt, auf dem Meere zu wandeln. Petrus war Mensch wie wir, bestehend aus Fleisch und Blut und von gleichen Lebensmitteln sich ernährend. Als Jesus zu ihm sagte: Komm!, da glaubte er und wandelte auf den Wassern.

Der Glaube war ihm auf den Wassern ein festerer Halt als jeder Untergrund. Der schwere Körper wurde durch die Schwungkraft des Glaubens in die Höhe gehalten. Doch nur solange, als er glaubte, hatte er auf dem Wasser eine feste Basis. Als er zweifelte, da begann er unterzusinken. In dem Maße, als der Glaube nachließ, wurde auch der Körper mit abwärts gezogen. Jesus, der den leidenden Seelen aufhilft, sprach zu ihm, da er seine Not sah: Kleingläubiger, warum zweifelst du? 

Da ihn Jesus an der Hand nahm und ihm Kraft gab und er wieder glaubte, von da ab wandelte er - an der Hand des Herrn - in gleicher Weise wieder auf den Wogen. Dies deutete uns das Evangelium an, wenn es erklärte: Sie stiegen ins Schiff. 

Nicht sagte es, Petrus habe schwimmend das Schiff erreicht, sondern es gibt zu erkennen, er sei in das Schiff gestiegen, nachdem er den gleichen Weg, auf dem er zu Jesus gekommen, noch einmal gegangen war.«

Cyrill von Jerusalem (313-387)
V. KATECHESE AN DIE TÄUFLINGE, frei vorgetragen in Jerusalem. 
Über den Glauben 


Grafik: File:Bowyer Bible print 3715 Jesus walks on the sea Matthew 14 30-31 Schellenberg (46303).jpg

Freitag, 12. Juni 2026

Die beiden Abgründe 

Flut ruft der Flut zu beim Tosen deiner stürzenden Wasser…

So übersetzt die Einheitsübersetzung 2016 den Beginn von Vers 8 aus Psalm 42.

In der Vulgata lautet dieser Anfang: abyssus abyssum invocat…

Wörtlich übersetzt heißt dies: Abgrund ruft Abgrund.

Mir scheint, diese Fassung ist dem Hochfest des Heiligsten Herzens Jesu angemessen. Denn an diesem Hochfest begegnen einander zwei Abgründe: Der unendliche Abgrund der Liebe Christi, offenbar geworden in Seinem durchbohrten Herzen, und der endliche Abgrund des menschlichen Herzens, welches sich nach der unendlichen Erfüllung sehnt.

Denn der Mensch, wenn er sich ohne Illusionen anschaut, erkennt, daß alle weltlichen Glücksversprechen seine tiefe Sehnsucht nicht zu sättigen vermögen. Und selbst die wahren Augenblicke oder auch Stunden des Glücks bleiben nur vorübergehende, denn wie schon Faust klagte: »Werd‘ ich zum Augenblicke sagen: Verweile doch! du bist so schön!« Doch der Augenblick verweilt nicht, er ist flüchtig.

Und dennoch: Die menschliche Sehnsucht ist keine flüchtige. Sie bleibt und sucht nach Sättigung.

Der Ort nun, der Ort der Öffnung und also Zugang zu der ersehnten Sättigung ist, zeigt sich am Kreuz – im durchbohrten Herzen Jesu. Und der Kreuzesruf Jesu Mich dürstet ist die exakte Einladung des gekreuzigten Menschensohnes an uns, zu kommen und an der unendlichen Quelle der Sättigung Ruhe für unser unruhiges Herz zu finden.

Mutter Teresa hatte es verstanden. Wenn in ihren Kapellen neben dem Kreuz diese beiden Worte Jesu stehen: Mich dürstet bzw. I thirst, so antwortet sie darauf: Ich will diesen Durst Jesu stillen.

Und mehr noch. Am Ende ihres Lebens richtete die Heilige von Kalkutta an sämtliche Mitschwestern noch einmal einen leidenschaftlichen Aufruf. 

»Warum«, so fragt sie, »sagt Jesus: Mich dürstet? Was bedeutet das? … Wenn du dir aus Mutters Brief irgendetwas merken willst, dann behalte dies im Gedächtnis: Mich dürstet ist etwas viel Tieferes, als wenn Jesus einfach nur sagte: Ich liebe dich. Solange du nicht tief in deinem Innersten weißt, daß Jesus nach dir dürstet, solange hast du noch nicht begonnen zu begreifen, wer Er für dich sein möchte. Oder wer Er will, daß du für Ihn bist.«

Derart findet die echte Begegnung der beiden Abgründe statt: abyssus abyssum invocat. Der Herr in seinem unendlichen Durst ruft, der Mensch in seinem endlichen kleinen Durst antwortet.

Und da diese Begegnung der Liebe am Kreuz stattfindet, ist der Mensch bereit, seine Sehnsucht nach unendlicher Liebe reinigen zu lassen. Auch dies bedeutet es nämlich, sich dem göttlichen Abgrund auszuliefern: Sich in Seinem Feuer reinigen zu lassen. In den Worten des Hebräerbriefs 12,29: denn unser Gott ist verzehrendes Feuer.

Unsere falschen Vorstellungen von Liebe werden verbrannt. Unser natürliches Zurückschrecken vor diesem verzehrenden Feuer wird freilich aufgefangen dadurch, daß wir nicht allein am Kreuz stehen, sondern mit Maria. Sie lehrt uns standzuhalten. Sie kollabiert nicht am Kreuz, sondern, wie der Evangelist Johannes 19,25 ausdrücklich vermerkt: Sie steht am Kreuz.

Mit Maria halten wir stand. Und nur dann werden wir verwandelt. 

Wir werden, was wir im Tiefsten sein wollen. 

Liebende.

Grafik: Foto von Jon Tyson auf Unsplash 

Samstag, 6. Juni 2026

 »Du aber sei nüchtern in allen Dingen.«

Naturgemäß darf die ganz große Propaganda nicht fehlen. Und dafür ist allemal Hollywood zuständig. 

Und nicht irgendein Regisseur, sondern gleich derjenige, der sich beim Thema bestens auskennt und den sogenannten blockbuster liefern wird – Steven Spielberg.

Das Thema: Die Aliens beziehungsweise deren Invasion beziehungsweise die sympathischen außerterrestrischen Intelligenzen.

Dabei geht es nicht um Unterhaltung oder Science Fiction. Oh nein. Hollywood greift diesmal in die verwegenste Höhenlage. Es geht um nichts weniger als um die Wahrheit. Um die Offenbarung. Um die längst überfällige Offenlegung des bislang Verborgenen.

Nächste Woche kommt die Propagandawalze in die Kinos. Der finale Trailer, der bereits auf dem Markt ist und Filmausschnitte mit Spielberg-Interviewsequenzen kombiniert, läßt das Schlimmste befürchten. 

 

Spielbergs raunende Zwischenkommentare und Fragen nach dem Motto: Wäre es nicht toll, wenn das Gezeigte alles wahr wäre?, sind selbstverständlich rhetorische Fragen. Der betriebene cineastische Aufwand will die definitive Konditionierung des Zuschauers. Nach dem Film soll es nur mehr den einen und immer gültigen Konsens der one world geben: Die Außerirdischen gibt es nicht nur, sie sind bereits da.

Nonnen, rosenkranzbetend, in der Erwartung der Aliens, dürfen selbstredend in der betrügerischen  Propagandatrommel nicht fehlen, auch nicht wohlplazierte Kreuze als verführerische Requisiten . 

Denn die eigentliche Stoßrichtung des Films, der sich im übrigen nahtlos in positive Äußerungen amerikanischer Toppolitiker (Trump, Rubio et al) und NASA-Experten einreiht, ist die Attacke auf die katholische Kirche, wozu Spielberg der geeignete Mann ist, hatte er doch schon in seinem 2001 veröffentlichen Film AI die theologische Wahrheit des Menschen als Imago Dei blasphemisch verhöhnt. Die katholische Kirche, und nur sie, ist das Zeichen des Widerspuchs, welches zu demolieren ist, da sie unbeirrt und wohlbegründet daran festhält, daß Aliens nicht nur nicht existieren, sondern daß dann, wenn sogenannte UFO-Phänomene oder vergleichbare Manifestationen gesichtet werden, es sich dabei nicht um authentische Kundgaben außerirdischen Lebens handelt, sondern um dämonische Vorspiegelungen. 

Es paßt in diesen Zusammenhang, daß ausgerechnet diese Woche und also exakt vor der Kinopremiere von Disclosure Day / Der Tag der Wahrheit ein berühmter amerikanischer Exorzist, der genau diese Wahrheit vertritt, nämlich daß die außerirdischen Phänomene diabolische Machinationen sind, schnurstracks von seinem Bischof, der seit langem durch seine heterodoxen Äußerungen das episkopale Lehramt verrät, des Amtes enthoben wurde. Die Propaganda, so die unmißverständliche Lektion, duldet keinen Widerspruch. Sie soll schließlich global sein. Und die zweite Lektion: Die Kirche macht endlich einen Schwenk, es wurde aber auch Zeit.

Und man darf damit rechnen, daß die Masse leichtgläubig (Corona läßt grüßen) den raffiniert zubereiteten Köder schlucken wird. Ist nicht die weltweite Krise derart gigantisch, daß nur mehr Superintelligenzen, halt Aliens aus anderen Galaxien, sie bewältigen können? Müssen wir uns nicht glücklich schätzen, daß endlich die UFOs landen, weil deren Insassen – die außerirdischen Adepten der globalen Nächstenliebe – Mitleid mit unseren Ausweglosigkeiten haben?

Der standhafte Christ sollte seine Bibel nehmen und den Völkerapostel Paulus zu Rate ziehen. Hier, nicht im Kintopp, findet er die wahre Antwort und die wahre  Offenbarung:


»Denn es wird eine Zeit kommen, da sie die heilsame Lehre nicht ertragen werden; sondern nach ihrem eigenen Begehren werden sie sich selbst Lehrer aufladen, nach denen ihnen die Ohren jucken, und werden die Ohren von der Wahrheit abwenden und sich den Fabeln zukehren. Du aber sei nüchtern in allen Dingen, leide willig, tu das Werk eines Predigers des Evangeliums, erfülle redlich deinen Dienst.«

Und dem eventuell Verunsicherten, der diesbezüglich nach fundierter katholischer Katechese sucht, wird diese Lektüre weiterhelfen: 

Daniel O’Connor, The First and Last Deception. Aliens, UFOS, AI, and The Return of Eden’s Demise, New York 2025.