Samstag, 12. Oktober 2019

Ich kenne im Leben


»Ich kenne im Leben nur eine einzige Schwierigkeit:
Den Vollzug der Wahrheit, Wahrhaftigkeit.«

Reinhold Schneider
(1903 - 1958)


Grafik: www.baden-baden.de

Samstag, 5. Oktober 2019

JA

Der Titel der Erzählung lautet Ja.

Erstveröffentlichung 1978. Eine der späteren Auflagen kommt in schwarzer Buchhülle daher, und in weiß steht der nackte Titel: Ja.

Man muß kein Germanist sein, um zu wissen, daß die Vokabel ja eine der Affirmation ist. Die kürzeste Art der Bejahung überhaupt. Wer ja sagt, bejaht.

Das Heimtückische an Thomas Bernhards Erzählung besteht aber nun gerade darin, daß er seine Obsession der Auslöschung naturgemäß bis zur Übertreibung treibt. Selbst das Ja muß zunichte gemacht werden. Denn die Vokabel der Bejahung verkehrt Bernhard ins genaue Gegenteil, zum Kürzel der Annihilation. Die Erzählung endet mit den Worten: »(…) «daß ich sie, die Perserin, ganz unvermittelt und tatsächlich in meiner rücksichtslosen Weise gefragt hatte, ob sie selbst sich eines Tages umbringen werde. Darauf hatte sie nur gelacht und Ja gesagt.»

Manche mögen diese semantische Verdrehung eine Pointe nennen, manche einen genialen literarischen Coup. Tatsächlich ist sie – ante diem - die Abbreviatur der modernen Wirrnis. In einer Welt, die zunehmend das Oben nach Unten kehrt und das Unten nach Oben, in der das Gute böse genannt wird und das Böse sich als glitzerndes Gutes präsentiert, in einer Welt, die der Propaganda eher folgt als dem nüchternen, sachlichen Wort, in einer solchen kopfstehenden Welt wird systematisch das exerziert, was bereits Bernhards Titel vorgibt: Daß man den nackten Herzwörtern und ihren Inhalten zu Leibe rückt, bis von den lebensstiftenden Bejahungen nichts mehr übrigbleibt als die tödliche Verneinung. 

Wäre es nach Thomas Bernhard gegangen, hätte die optische Aufmachung des Buches seinerzeit wie folgt ausschauen sollen: Weißer Umschlag, schwarze Schrift, mit schwarzem Streifen unter dem Titel. Es wäre wie eine Trauer- Und Todesanzeige gewesen, so daß von Beginn an bis zum bitteren Ende der Leser gleichsam eingetaucht gewesen wäre in die suizidale Verdrehung.

Seit der Erstausgabe der Erzählung Ja sind über vierzig Jahre vergangen. Der Schock des ersten Lesens, damals, ist vermutlich heute keiner mehr. Denn der Anschlag auf das Ja, in welcher Ausprägung immer, zumal der Anschlag auf das Ja zum Leben, ist seitdem Standard und Mode. Und Bernhard wurde der verhätschelte Feuilletonliebling etlicher Anschläge. 

Und doch hat derselbe Bernhard, der in seiner Erzählung der Bejahung den Boden unter den Füßen wegzieht, am Beginn seines Ruhms (datiert 12. XI. 62), einen Text mit dem Titel Zwei Freunde geschrieben, der, erst posthum veröffentlicht, einen der beiden Protagonisten fragen läßt:  »(...)kann ein Mensch sein in jeder Beziehung? Und er bejate. Und er bejate das immer wieder damals (...)«.

Und er bejate.

Das ist der Bernhard, der es besser wußte. Damals. In der Freundschaft. 1962.

Freitag, 27. September 2019

Der endgültige Kampf


»Wir stehen heute vor der größten Schlacht, die die Menschheit je gesehen hat. Ich denke nicht, daß die christliche Gemeinschaft das schon ganz begriffen hat. Wir befinden uns heute im endgültigen Kampf zwischen der Kirche und der Anti-Kirche, zwischen dem Evangelium und dem Anti-Evangelium.«

So Kardinal Karol Wojtyła, der spätere Papst Johannes Paul II., am 9. November 1976.

Seinerzeit mögen etliche diese Aussage des Kardinals für überzogen gehalten haben. Was meinte er nur? Schließlich war Europa ein prosperierender Kontinent, die Weltwirtschaft florierte, der Zweite Weltkrieg lag Dezennien zurück.

Aber der Kardinal ließ sich nicht beirren.

Während seines Pontifikats faßte Johannes Paul II. die Schlacht, von der er sprach, in die Begriffe, die seitdem zu den präzisen Kennmarken der beiden sich bekämpfenden Lager geworden sind: Hier die Kultur des Lebens, dort die Kultur des Todes.

Und auch da protestierten die notorischen Protestler. Dies sei die obsolete Rhetorik der katholischen Kirche. Die Moderne wisse es besser, schließlich sei die Moderne der Hort und die Garantie von Toleranz und Liberalität.

Johannes Paul II. starb 2005. Seine Diagnose bleibt, unangefochten. Wer eines Beweises bedarf, sollte – unter anderen multiplen Beweisen – mal über diese rezente Begebenheit nachdenken:

Soeben hat New South Wales, ein Bundesstaat im Südosten Australiens (mit Sydney als Hauptstadt), ein Abtreibungsgesetz verabschiedet, das im Grunde die Abtreibung des ungeborenen Kindes bis zur Geburt gestattet.

Und was geschieht im Parlament, wo dieses mörderische Gesetz beschlossen wird?

Pro-Abtreibungspolitiker fallen sich um den Hals, umarmen einander, beglückwünschen sich und jubeln.

Haben wir wirklich verstanden, was uns die Nachrichten da präsentieren? Die Tatsache, daß nun Kinder bis zur Geburt getötet werden können, ist für gewählte Volksvertreter Grund zu Jubel und Applaus und Glückwünschen. Eine Umarmung – Gebärde der Zuneigung und Nähe – wird pervertiert zu einer Geste des Grauens.

»Wir stehen heute vor der größten Schlacht, die die Menschheit je gesehen hat. Ich denke nicht, daß die christliche Gemeinschaft das schon ganz begriffen hat. Wir befinden uns heute im endgültigen Kampf zwischen der Kirche und der Anti-Kirche, zwischen dem Evangelium und dem Anti-Evangelium.«
Der Sieger in diesem Kampf - lassen wir uns nicht beirren - ist Derjenige, der derselbe ist, gestern, heute und in Ewigkeit: Christus. Er hält die Arme offen für die wahre Umarmung.

Grafik: Photo by Robert Nyman on Unsplash

Samstag, 21. September 2019

Die grünen Auen, die Todesschatten und das Haus des Herrn


Eine Umfrage würde wahrscheinlich ergeben, daß der Psalm 23 (Vulgata 22) zu den beliebtesten Gebeten der Kirchgänger zählt.

Der Herr ist mein Hirte. Und nicht nur das. Er führt mich zu den grünen, saftigen Wiesen, Er schenkt mir Ruhe, Er erquickt mich, Er deckt mir den Tisch.

Wunderbar. Was will man mehr.

Aber vielleicht ergeht es uns so, wie es einstens Card. Newman (der heuer am 13. Oktober heiliggesprochen wird) seinen Zeitgenossen diagnostizierte, mehr als einhundert Jahre vor unserer Zeit:

»Was ist jetzt die Religion der Welt? Sie hat die lichtere Seite des Evangeliums aufgegriffen, seine Botschaft des Trostes, seine Gebote der Liebe; alle dunkleren, tieferen Ansichten von der Lage des Menschen und seinen Aussichten sind vergleichsweise vergessen. Das ist die einem zivilisierten Zeitalter natürliche Religion, und geschickt hat Satan sie aufgezogen und vollendet zu einem Trugbild der Wahrheit.«

Wir wollen das Sanfte, das Liebliche, das durch und durch Konfliktfreie. Und weil wir so erpicht sind auf die grünen Augen, die kein Wässerchen trüben darf, radieren wir aus, was dem Lieblichen in die Quere kommt.

Da macht uns nun gerade der idyllische Psalm 23 einen Strich durch die Rechnung. Denn in ihm plätschern nicht nur die Wasser der Erquickung, in ihm werden auch die dunkleren, tieferen Ansichten der Lage des Menschen zur Sprache gebracht.

Denn in der Mitte dieses großen Gebetes drohen schlagartig die Schatten des Todes (so die kräftigere Fassung der Vulgata: in medio umbrae mortis). Und die friedliche Atmosphäre ist eine offensichtlich bedrohte, denn sie ist den Feinden abgerungen, denen, die den Beter bedrängen.

Fatal wäre es, wenn diese dunklen Seiten des Psalms unterschlagen oder routinemäßig überlesen und vergessen würden. Das hieße aus dem Gebet eine billige Vertröstung machen. Die Heilige Schrift jedoch – wie könnte es auch anders sein – entzieht sich jedem Trugbild der Wahrheit.

Es stimmt schon: Der Herr ist mein Hirte. Und es gibt die grünen Auen. Und der Herr will uns in die Ewigkeit führen, in das Haus des Herrn. Doch der Gang in dieses Haus ist ein mit Mühen und Kämpfen beladener. Auch die Züchtigung, die uns überhaupt nicht schmeckt, wird es auf diesem Gang geben, denn der Stab des Hirten ist nicht nur der wegweisende Halt, auch nicht nur die Waffe gegen die Wölfe, sondern bei Bedarf das Mittel, um uns, die Irregehenden, zu züchtigen und auf den rechten Weg zurückzubringen.

Wer dies bejaht, der hat es gut. Der ist umgeben von der Süße der Verheißung.

Denn auch dies gehört zur Größe dieses Gebetes: Die Todesschatten dräuen nicht zu Beginn, sondern sind eingebettet in den strahlenden Anfang und das aufatmende Ende. Der Beter, der bejaht, braucht keine Angst zu haben. Er ist tatsächlich geborgen. Der Sieger ist der Hirte. Dem Schaf obliegt es, die Bedingungen dieses Hirten, der bekanntlich nicht auf einer Wiese, sondern am Kreuz gesiegt hat, anzunehmen.

Grafik: Photo by Adrian Dascal on Unsplash

Samstag, 14. September 2019

Jetzt mußt du dich vorbereiten


»Ich habe einmal in der Sowjetunion mit einem Mönch gesprochen und ihn gefragt, wie man sich als Komponist bessern könne. Er antwortete mir, er wisse dafür keine Lösung. Ich erzählte ihm, daß ich auch Gebete schriebe, Musik zu Gebeten oder Psalmtexten, und daß dies mir als Komponist vielleicht helfen könne. Darauf sagte er: Nein, du irrst dich. Alle Gebete sind schon geschrieben. Du brauchst keine mehr zu schreiben. Das ist alles vorbereitet. Jetzt mußt du dich vorbereiten. - Ich glaube, darin steckt eine Wahrheit. Wir müssen damit rechnen, daß unsere Lieder eines Tages ein Ende nehmen. Vielleicht kommt auch für den größten Künstler der Moment, in dem er nicht mehr Kunst machen will oder muß. Und vielleicht schätzen wir gerade dann sein Schaffen noch höher ein; weil es diesen Augenblick gegeben hat, in dem er über sein Werk hinausgelangt ist.« Arvo Pärt, estnischer Komponist
Grafik:  
Michelangelos letztes Werk, Rondanini Pietà, Ausschnitt. wikicommons

Freitag, 6. September 2019

P. Pio III

Seelen zu retten, ist kein geschmackvoller Zeitvertreib.

Aus etlichen Augenzeugenberichten weiß man, daß der Heilige von San Giovanni Rotondo mit einer verzärtelten Seelsorge nichts anzufangen wußte. Pönitenten - was durchaus keine Seltenheit war – wurde von Pater Pio die Absolution verweigert, weil sie mangelhaft disponiert waren, fehlende Reue an den Tag legten oder aus Neugierde zum heiligen Pater gekommen waren. Schroffheit in der Wortwahl war an der Tagesordnung.

Selbst Mitbrüdern und Nahestehenden des Heiligen waren die harschen Ermahnungen, Schelten und Hinausschmisse des Padre bisweilen zu deftig oder zu wenig zartfühlend.

Ein Biograph schreibt diesbezüglich: »Oft waren P. Pios Stellungnahmen gegen die Überschreitung der göttlichen Gesetze so hart, daß seine Begleiter sich eine sanftere, verständnisvollere Linie gewünscht hätten.«

Aber was verstehen wir schon von der Leidenschaft des Heiligen, Seelen zu retten? Während wir von Achtsamkeit und attraktiver Kirche und Nettsein als den pastoralen Shibboleths plaudern, vergießt der Heilige sein Blut.

Als ein Mitbruder des Stigmatisierten sich einmal wundert »über die Strenge des Paters, anläßlich einer kompromißlosen Stellungnahme gegen die Sünde der Abtreibung«, entgegnet der Heilige im Blick auf das Volk Gottes, welches allzu oft von seinen Hirten im Stich gelassen wird:

»Weißt du, wo das Problem liegt? Unsere Kirchgänger, die keine Strafpredigt brauchen, verwöhnen wir mit guten Worten und überflüssigen Ratschlägen, und die, die etwas Licht bräuchten, lassen wir im Stich, ohne das Allernötigste für ihre Rettung. Die brüderliche Strenge ist mehr wert als alle Nettigkeit der Welt.«

Grafik: Pater Pio in jungen Jahren. wikicommons.
Lit.: Der Padre. Der hl. Pio von Pietrelcina. Die Mission, Seelen zu retten. Augenzeugenberichte I. San Giovanni Rotondo 2010.

Freitag, 30. August 2019

Zum Beispiel: Die Hochzeit des Figaro


Vielleicht ist die berührendste Szene im Film Die Verurteilten diejenige, als der unschuldig verurteilte Andy Dufresne eines Tages im Gefängnis von einem der Gefängniswärter damit überrascht wird, daß die von Dufresnes in den letzten sechs Jahren erfolgten Bittgesuche an Wohltätigkeitsvereine beantwortet worden wird – im Büro des Wärters stehen plötzlich Kisten mit Geschenken an die Gefangenen. Und Andy wird beauftragt, schnellstmöglich das Gelieferte wegzuschaffen.

Und jetzt kommt‘s.

Andy, allein im Büro, schaut sich die geschickten Schätze an und entdeckt unter anderem eine Schallplatte von Mozarts Hochzeit des Figaro. Er nimmt die Platte aus der Hülle und legt sie zum Abspielen auf den Plattenspieler, der sich im Büro befindet

Aber nicht nur das.

Er verschließt schließlich die Bürotüre und stellt die Lautsprecheranlage derart um, daß alle im Gefängnistrakt – vergleichbar einer offiziellen Verlautbarung – mithören können, was da abgespielt wird: Mozarts herrlicher Gesang.

Es dauert nicht lange, bis der wütende Gefängnisdirektor samt Personal an die verschlossene Bürotüre hämmert und Andy anbrüllt, er solle die Türe öffnen und das Gerät abstellen. Aber Andy macht genau das Gegenteil, er dreht die Lautstärkeregler noch einmal höher, damit auch wirklich jeder der Gefangenen die wunderbaren Töne zu hören vermag und in der grausamen Tristesse des Gefängnisalltags den geöffneten Himmel zu genießen vermag.

Exakt dies ist die Wahrheit der Kunst. Denn jede große Kunst sprengt die Gefängnisse, seien es die äußeren, seien es die inneren. Große Kunst führt in die Freiheit. Mozart führt in die Freiheit. Denn große Kunst ist Liebe.

Im Film kommentiert es der Erzähler folgendermaßen:

»Bis zum heutigen Tage weiß ich nicht, wovon die beiden italienischen Damen gesungen haben. Um die Wahrheit zu sagen, ich will‘s auch gar nicht wissen. Es gibt Dinge, die müssen nicht gesagt werden. Ich will annehmen, daß sie von etwas so Schönem gesungen haben, daß man es nicht in Worte fassen kann. Und daß es direkt ins Herz geht. Ich sage Ihnen, diese Stimmen sind höher gestiegen, als man je an so einem trostlosen Ort zu träumen gewagt hätte. Man hatte den Eindruck., als wäre ein wunderschöner Vogel in unseren freudlosen Käfig gefallen und hätte die Mauern zum Einsturz gebracht. Und für den Bruchteil einer Sekunde hatte jeder hier in Shawshank das Gefühl, frei zu sein.«

So ist es. Dem muß nichts hinzugefügt werden.

Samstag, 24. August 2019

Vango

Es ist eine mathematische Gleichung: Ein Buch für Kinder und Jugendliche ist dann und nur dann wirklich gut ist, wenn es auch ein Erwachsener mit großem Gewinn zu lesen vermag. Man mache die Probe mit Alice oder mit Emil oder mit dem Kleinen Hobbit oder mit Tom und Huck.

Oder mit Vango.

Timothée de Fombelle, der Verfasser des zweiteiligen Meisterwerks Vango (Teil I: Zwischen Himmel und Erde. Teil II: Prinz ohne Königreich) beherrscht die alte, schöne Kunst des Erzählens. Und die hat spannend zu sein, derart, daß der Leser mit Fieber und auch Bangen  wissen will, wie die Geschichte, die sich vor seinen Augen entrollt, enden wird.

Aber das ist nicht alles. Es genügt nicht, eine Fabel spannend und rhetorisch geschickt zu erzählen. Der gute Erzähler muß auch die guten Themen haben, die Themen, die jedes menschliche Leben angehen, die der gute Erzähler freilich so zu präsentieren weiß, daß sie das trockene, allzu menschlich-allgemeine Gewand ablegen und sich im Licht zeigen, im Licht der Kunst, die den dramatis personae gerecht werden und also wahr sein will.

Zum Beispiel: Wer bin ich?

Mithin die Frage nach der Identität des Einzelnen. Daß diese Frage keine nebensächliche ist, versteht sich von selbst. De Fombelles Buch ist befeuert von dieser Frage. Es ist die verzehrende Frage Vangos, damit zugleich die Frage nach dem geheimnisvollen Ursprung. Doch ist nicht jeder Ursprung geheimnisvoll?

Sodann die Frage nach dem Guten und dem Bösen. Dieser Frage kann kein Autor ausweichen. Eine der Hauptgestalten des Romans, der Mönch Zefiro, erlebt an einem Wendepunkt der Geschichte, »als er das Böse triumphieren sah«, die Versuchung, an der Macht des Bösen zu verzweifeln. Doch de Fombelle zeigt gleichfalls den Sieg über das Böse. Und es zeichnet ihn aus, daß er diesen Sieg noch im Untergang zeigt.


Und schließlich das Thema der Themen: Die Liebe. Gibt es die Liebe in einer Welt, in der getötet wird, in der die korrupte Macht regiert, in der ein Menschenleben wenig gilt? Gibt es, angesichts von Verwüstung und Verrat, die Liebe und die Treue und die Wahrheit und die Schönheit der erfüllenden Begegnung?

Am Ende von Vango ist der Leser beglückt. Wunderbar, wie die Fäden zusammenlaufen und der Gobelin sich enthüllt. Wunderbar, wie eine äußerst fruchtbare, frohe Fantasie - welche im übrigen die Tatsache widerspiegelt, daß, in den Worten Nietzsches, im echten Manne ein Kind versteckt ist, das spielen will - nicht dammbrechend über die Ufer tritt, sondern sich diszipliniert und zügelt, damit in dem opulenten Gemälde jedes Detail schließlich den ihm gebührenden Platz erhält. Und dies alles ohne krampfhafte Verbiegung, sondern in der spielerischen Kunst des Selbstverständlichen.

In einem Interview wiederholt de Fombelle mit insistierender Emphase, daß er versucht, nicht zu lügen. J'essaie de pas mentir.

Chapeau, Monsieur de Fombelle!

Samstag, 17. August 2019

Es genügt


»Es genügt, daß die Schönheit unseren Überdruß streift, damit unser Herz wie Seide zwischen den Händen des Lebens zerreißt.«

Nicolás Gómez Dávila


Grafik: Photo by Galen Crout on Unsplash

Freitag, 9. August 2019

Die Wahrnehmung


Wie geistreich und also im wahren Wortsinn aufschlußreich ist doch die Sprache.

Nehmen wir das Wort Wahrnehmung.

Das Wort drückt mehr aus als den bloßen physiologischen Sehvorgang. Das Wort will ins Bewußtsein heben, daß wir dann, wenn wir recht schauen, Wahres aufnehmen.

Damit wird zugleich ein dreifach Wesentliches einschlußweise zur Sprache gebracht. Erstens, daß die Wirklichkeit, die sich uns darbietet, erkennbar ist. Zweitens, daß diese Erkennbarkeit deswegen gilt, weil der absolute Logos keine sinnlose, a-logische Welt geschaffen hat, sondern eine, die, eben diesem Logos gemäß, den Gesetzmäßigkeiten des wahren Sinns folgt. Und schließlich drittens, daß wir, wenn wir uns diesem Erkenntnisvorgang stellen, zuallererst Aufnehmende sind.

Alle drei impliziten Feststelllungen sind, wenn wir es genau nehmen, heute Sprengstoff. Denn zum einen wird gerade dies – die Erkennbarkeit der Welt, ihr Erfülltsein von Wahrheit – permanent in Frage gestellt, geleugnet, aggressiv demontiert. Die Welt in toto gilt als Tummelplatz für menschliche Experimente, nicht als Vorgegebenes, welches darauf wartet, daß der Mensch es in demütiger Bereitschaft und Freude erkennt.

Das Naturrecht: Eine fade Illusion. Die Biologie des Menschen: Ein Konstrukt. Die Wahrheit: Eine Floskel beziehungsweise eine Mär für Hinterwäldler.

Und was soll endlich die Rede vom Empfangen und Aufnehmen? Der Mensch unserer Tage, der tagein tagaus die Errungenschaften einer omnipräsenten Technik vor Augen geführt bekommt, die ihm zumal als zugreifende, anpackende und dominierende Handhabe präsentiert wird, will im Reigen der technisch Überlegenen nicht als der Dumme dastehen, sondern gleichfalls ein Sieger sein, was in diesem Zusammenhang heißt: Ein Macher.

All diesen babylonischen Überstiegenheiten widerspricht die schlichte Schönheit des Wortes Wahrnehmung. Mensch, so sagt die Unaufdringlichkeit der Vokabel, leg‘ ab Deinen Übermut und wähle die Demut. Empfange zuerst, bevor Du zu bauen beginnst. Höre den Klang des Universums. Erkenne die wahre Schrift in den Dingen. Und preise den Creator der offenbaren und verborgenen Schriftzeichen. Werde weise!

Vielleicht kann der Scharfsinn eines Sherlock Holmes ein wenig weiterhelfen?

Am Beginn der Abenteuer des berühmten Meisterdetektivs gibt Holmes seinem Adlatus Dr. Watson die grundlegende Lektion.

Watson ist soeben die Treppe zur Wohnung seines Freundes hochgestiegen und sitzt ihm nun gegenüber. Aus dem zwanglosen Gespräch entwickelt sich schließlich der folgende Dialog:

»Sie sehen zwar«, so Holmes, »aber Sie nehmen nicht wahr. Der Unterschied liegt auf der Hand. Sie haben zum Beispiel regelmäßig die Stufen gesehen, die von der Eingangshalle zu diesem Zimmer heraufführen.«

»Regelmäßig.«

»Wie oft?«

»Nun, einige hundert Male.«

»Wie viele Stufen sind es also?«

»Wie viele? Das weiß ich nicht.«

»Allerdings nicht! Sie haben sie eben nicht wahrgenommen. Und gleichwohl haben Sie sie gesehen. Genau das ist der springende Punkt. Nun denn, ich weiß, daß es siebzehn Stufen sind, weil ich sie nicht nur gesehen, sondern auch wahrgenommen habe.«

Zu Beginn dieses bezeichnenden Dialogs sagt Dr. Watson zu Holmes, er sei überzeugt, daß seine, Watsons, Augen genau so gut seien wie die des Detektivs. Dem wird wohl so sein.

Nur, lieber Dr. Watson, um Fragen der Ophthalmologie scheint es hier nicht zu gehen.


Grafik: Sherlock Holmes und Dr. Watson. wikicommons

Freitag, 2. August 2019

Die beiden Bücher


Ein jeder, der einmal in der Sixtinischen Kapelle gewesen ist, wird den bleibenden Eindruck des Jüngsten Gerichts mitnehmen. Michelangelo hat das monumentale Fresko an die Stirnseite der Kapelle plaziert, hinter den Altar.

Christus, in der Glorie, erscheint zum Letzten Gericht. Mit Ihm die Muttergottes und die Heiligen. Es ist die Zeit der letzten Enthüllung, die Zeit der unwiderruflichen Offenbarung. Zur Rechten Christi (von Ihm aus gesehen) sind die Seligen, die gen Himmel auferstehen. Zur Linken Christi stürzen die Verdammten in die Hölle.

Unterhalb des Weltenrichters ist eine Gruppe von Engeln zu sehen, die mit Posaunenstößen zu diesem Letzten Gericht blasen.
Michelangelo inszeniert hier nicht seine privaten Vorlieben, sondern er hält sich an das letzte Buch der Heiligen Schrift, die Apokalypse, wo eben dies geschrieben steht, daß nämlich »die sieben Engel, die vor Gott standen (…) sich bereit machten, die sieben Posaunen zu blasen (8,2.6)«.

Und Michelangelo bringt ebenso ins Bild, was in seiner Detailgetreue schockierend ist und vielleicht vielen entgeht. Denn zu den Engeln mit ihren erschütternden Instrumenten gesellen sich zwei weitere, die jeweils ein Buch in den Händen halten.

Bücher? Ja, Bücher.

Auch hier ist Michelangelo durch und durch bibelfest. Denn in der Offenbarung des Johannes heißt es: »(…) und Bücher wurden aufgeschlagen; auch das Buch des Lebens wurde aufgeschlagen. Die Toten wurden nach ihren Werken gerichtet, nach dem, was in den Büchern aufgeschrieben war« (20,12).

Michelangelo faßt nun diese Bücher in zwei Exemplare: In das Buch des Lebens, welches den Seligen zur Rechten Christi, und in das Buch des Todes, welches den Verdammten zur Linken Christi hingehalten wird.

Dies ist bereits in seiner nackten Unwiderlegbarkeit schockierend genug. Doch weitaus schockierender ist ein Weiteres.


Michelangelo nimmt die Worte Christi vollkommen ernst, er schwächt die Verkündigung des Weltenrichters, der in seinem Erdenleben davon sprach, daß der Weg ins Verderben breit ist und viele auf ihm gehen, während der Weg ins Leben eng ist und nur von wenigen gefunden wird (s. Matthäus-Evangelium 7,13f), nicht ab, sondern er zeigt die Härte der christlichen Verkündigung in aller Härte seiner Kunst. Das Buch des Lebens, so Michelangelo, ist ein kleines Buch, das Buch des Todes, in dem die Vielen verzeichnet sind, die den breiten Weg des Verderbens wählten, ist dagegen ein deutlich größeres Buch.

Wer Augen hat zu sehen, der sehe. Michelangelo malt nicht ein Buch, er malt auch keine zwei gleich großen Bücher oder ein winziges Buch des Todes. Nein, Michelangelo malt das Unausweichliche, er malt die Proportionen der Wahrheit: Das Buch des Lebens ist kostbar und weitaus kleiner als das entsetzliche Buch des Todes.

Von der modernen Verkündigung oder vielmehr Verniedlichung einer billigen Gnade, die unterschiedslos alle Erdenbürger in den Himmel expediert, ist Michelangelo meilenweit entfernt. Wer um den Ernst des Lebens wissen will, der ist gut beraten, sich der heilsamen Schonungslosigkeit dieses Großen, den seine Zeitgenossen nicht umsonst als den göttlichen Michelangelo rühmten, auszusetzen.

Grafiken: Michelangelo, Jüngstes Gericht. Gesamtansicht und Ausschnitt. wiki.commons


Samstag, 27. Juli 2019

Auch Genies…


... brauchen bisweilen Zeiten der Entspannung.

Wir wünschen allen Lesern und Genies erholsame Sommertage!

Freitag, 19. Juli 2019

Amen


Für Ch. D. H. 

»Es ist nicht verständlich, eine unbezweifelbare Wahrheit erst noch erproben zu wollen.«

Miguel de Cervantes Saavedra


Grafik: Photo by Daoudi Aissa on Unsplash

Freitag, 12. Juli 2019

Die discretio


Der heilige Papst Gregor der Große, der Benediktinerpapst auf dem Stuhl Petri, berichtet in seinem berühmt gewordenen zweiten Buch der Dialoge über das Leben des Mönchsvaters Benedikt. Aus den Anfängen der Vita des späteren Abtes wird folgende Begebenheit berichtet:

Benedikt hat - betend, bescheiden - sein erstes Wunder gewirkt.. Und wie es so zu gehen  pflegt: Das Wunder wird bekannt, und die Leute beginnen den Wundertäter zu bewundern. Um jeglicher Ehr- und Ruhmsucht den Boden zu entziehen, flieht Benedikt seine vertraute Umgebung.

Auf seiner Flucht begegnet er einem Mönch namens Romanus. Es ergibt sich ein Zwiegespräch. Romanus erfährt von den Plänen Benedikts, sich in die Einsamkeit zurückzuziehen, weg von den Fallstricken der Welt. Und Romanus hilft dem Fliehenden. Er gibt ihm ein Mönchsgewand und, nachdem Benedikt sich in eine Höhle zurückgezogen hat, hilft Romanus in den nächsten drei Jahren dem abgeschiedenen Einsiedler, indem er diesen mit notwendiger Nahrung versorgt. Dies geschieht, in den Worten des Biographen Gregor, wie folgt:

»Vom Kloster des Romanus führte aber kein Weg zur Höhle Benedikts, weil der Fels oberhalb der Höhle steil aufragte. Romanus ließ daher das Brot immer von diesem Felsen an einem langen Seil hinab; an dem Strick befestigte er auch eine kleine Glocke, damit der Mann Gottes an ihrem Klang erkennen konnte, daß ihm Romanus das Brot brachte. Dann kam er heraus, um es anzunehmen.«

Nach drei Jahren endet gemäß dem göttlichen Plan der Vorsehung das Einsiedlerleben Benedikts. Er wird gerufen in das Hinaus. Die Zeit der Begegnungen beginnt.

Doch die drei verborgenen Jahre in der Höhle von Subiaco sind prägende Jahre, und zu ihnen gehört – wie es ein großer Benediktiner des 20. Jahrhunderts ausgedrückt hat - »die Treue eines unsichtbaren Freundes«.

In der Regel des heiligen Benedikt, die späterhin zum Fundament des entstehenden Ordens wird, nimmt die Tugend der discretio eine zentrale Stellung ein. Damit ist mehr gemeint, als was heute gemeinhin unter Diskretion verstanden wird, als sei diese nicht mehr als eine Art banaler Verschwiegenheit oder Zurückhaltung oder Unauffälligkeit.

Das lateinische Grundwort, von dem das Nomen sich ableitet, lautet, discernere und meint unterscheiden. Die discretio ist damit die Tugend, die in allen Lebensbereichen die Gabe der Unterscheidung pflegt, beherzigt, ausübt. Sie ist die Tugend der Mitte, die die zerstörerischen Extreme befriedet und den Ausgleich zu schaffen weiß zwischen Spannung und Entspannung. Sie vermeidet alles Laute und Vordergründige, sie kommt und ist beheimatet in der Stille und Verborgenheit, weil sie aus Erfahrung weiß, daß Gott selbst, der am Anfang das Wort der Unterscheidung sprach: bara, es werde, der verborgene Gott ist, der sich schließlich in der Menschwerdung des Sohnes diskret verbirgt und offenbart.

Eine Ahnung oder auch ein Gespür für diese grundlegende Tugend zu empfangen, ist in Zeiten, wo es schrill und entblößt zugeht und in denen nicht das Stille gepriesen wird, sondern das Marktschreierische, schwer. Ein Romanus würde heute ins Rampenlicht gezerrt und interviewt und zu Tode photographiert. Für unsichtbare Freunde ist wenig bis kein Platz, wo die In-Diskretion an der Tagesordnung ist.

Und doch bleiben diese unscheinbaren Dinge: Ein Seil und eine Glocke. Wie wenig. Wie viel.

Grafik: Benedikt und Romanus. Illustration from Vita et miracvla Sanctiss.mi Patris Benedicti, 1579, by Bernardino Passeri. Plate 5. Typ 525.79.674, Houghton Library, Harvard University. Wiki.commons

Freitag, 5. Juli 2019

Mit Staunen


Wenn es um‘s Wetter geht, wissen es bekanntlich alle besser. Dann sind plötzlich alle Meteorologen.

Wie in der Geschichte, die wir in der Grundschule lernten.

Da beschwerten sich die Leute beim Lieben Gott über das Wetter. Zu kalt, zu warm, zu regnerisch, zu neblig. Mit einem Wort: Zu falsch halt.

Und da der Liebe Gott viel Geduld mit den Erdenbürgern hat, macht er besagten Leuten einen Vorschlag. Einen Monat lang sollen sie das Wetter in ihre Hand nehmen.

Gesagt, getan.

Doch o weh. Nach einem Monat sieht die Ernte schlecht aus. Das Land liegt brach. Das Vieh jault. Die Menschen stöhnen. Was ist nur schief gelaufen?

Tja, die braven Leutchen haben bei all ihrem furiosen Wettereifer darauf vergessen, daß es auch noch den Wind gibt. Dieser Wind, der, wie geschrieben steht, weht, wo er will, und der selbst unsichtbar sein mag, und ohne den dennoch nichts blühen und gedeihen kann.

Vielleicht hätte es den braven Bürgern damals geholfen, zwei Minuten sich hinzusetzen und einem Gesang zu lauschen, den einer ihrer Mitbürger komponiert hatte. Man darf vermuten, daß auch dieser Mitbürger heiße Sommer kannte, mit Schweiß und Durst und stickigen Nächten. Doch merkwürdig. Dieser Mitbürger als Musiker, den man in späten Jahren liebevoll Papa Haydn nannte, war einverstanden mit den Anordnungen des Lieben Gottes. Und weil er einverstanden war, setzte er sich eines Tages hin und begann, das Schöpfungswerk, zu dem bekanntlich auch das Wetter gehört, zu preisen.

Und diesen Lobpreis vernehmend, gerieten schon anno dazumal die Wiener in Begeisterung. Ja, so ist es. Alles ist sehr gut. Auch das Wetter. Und die Wiener, die doch so gerne motschgern, riefen nun: »Es lebe Papa Haydn! Es lebe die Musik!« Und die kaiserlichen Majestäten riefen: »Bravo!«

Und mit Staunen sieht dieses Wunderwerk der Himmelsbürger frohe Schar.

Grafik: Aufführung der Schöpfung 1808 im Festsaal der alten Universität Wien. wikicommons

Samstag, 29. Juni 2019

Die sonderbaren Bewegungen


Was wissen wir über den Anderen? Was wissen wir wirklich? Wie tief reicht unser Wissen? Was wissen wir von der Geschichte des Anderen, seinen verborgenen Kämpfen, seinen Niederlagen, seinen Siegen, seinen Verwundungen?

Ludwig Wittgenstein (1889-1951), der nachgerade weltberühmt gewordene österreichische Philosoph, hat oft genug, was bezeugt ist, Menschen vor den Kopf gestoßen. Das konnten Familienangehörige sein, Freunde, Zufallsbekanntschaften, wer immer.

Daß er, um den Titel eines Zeitgenossen des Philosophen zu bemühen, ein Schwieriger war, ist unbestritten. Er selbst hat in Aufzeichnungen, Notizen oder Briefen zum Ausdruck gebracht, wie er sich abmühte in seinem Leben, um nicht zu sagen, wie er sich quälte.

Drei seiner Brüder enden durch Suizid. Ein vierter Bruder ist zeitweilig selbstmordgefährdet. Ludwig selbst, jüngstes der Wittgensteingeschwister, zieht immer wieder den Suizid in Erwägung, nach eigenem Geständnis bereits als Zehn-, Elfjähriger.

Das Leben ein Krieg. Diesen Eindruck gewinnt man oft genug, wenn man in seinen Aufzeichnungen liest oder Näheres über sein Leben erfährt. Daß er schließlich im tatsächlichen Krieg, dem Ersten Weltkrieg, sich freiwillig meldet, verwundert nicht, denn der militärische Kampfplatz ist ein willkommener Platz, um dem Tod zu begegnen: »Ich fürchte mich nicht davor, erschossen zu werden«, heißt es im Tagebuch. Und an anderer Stelle: »Wir sind in unmittelbarer Nähe des Feindes (…) Jetzt wäre mir die Gelegenheit gegeben, ein anständiger Mensch zu sein, denn ich stehe vor dem Tod Aug in Aug. Möge der Geist mich erleuchten.« Der Tod auf dem Feld wäre anständig, der Selbstmord ist, so er, »immer eine Schweinerei«.

Was wissen wir über einen Anderen? Über den Mitmenschen?

Die nächsten Familienangehörigen Ludwigs stehen öfters vor einem Rätsel. Warum handelt Ludwig so, wie er handelt? Warum verzichtet er auf sein Vermögen und begeht, gemäß den Worten des betreffenden Bankdirektors, »finanziellen Selbstmord«? Warum verdingt er sich – er, der Hochbegabte - , nachdem er aus Krieg und Kriegsgefangenschaft zurückgekehrt ist, als Volksschullehrer in niederösterreichischen Käffern? Muß das sein?

Seine Schwester Hermine berichtet darüber in ihren autobiographischen Notizen. Da heißt es:
»Seinen zweiten Entschluß, einen ganz unscheinbaren Beruf zu wählen und womöglich Volksschullehrer auf dem Lande zu werden, konnte ich selbst zuerst gar nicht verstehen, und da wir Geschwister uns sehr oft durch Vergleiche miteinander verständigen, sagte ich ihm damals anläßlich eines langen Gesprächs: Wenn ich mir ihn mit seinem philosophisch geschulten Verstand als Volksschullehrer vorstellte, so schiene es mir, als wollte jemand ein Präzisionsinstrument dazu benützen, um Kisten zu öffnen.«

Auf diese Vorhaltung der Schwester hin antwortet Ludwig:
»Du erinnerst mich an einen Menschen, der aus dem geschlossenen Fenster schaut und sich die sonderbaren Bewegungen eines Passanten nicht erklären kann; er weiß nicht, welcher Sturm draußen wütet und daß dieser Mensch sich vielleicht nur mit Mühe auf den Beinen hält.«

Diese Antwort trifft.

Wie oft urteilen wir und halten unser Urteil für hinreichend, ja selbst unfehlbar? Doch unser Urteil hat sich nie die Mühe gemacht, den »sonderbaren Bewegungen« desjenigen, den wir beurteilen, wirklich auf den Grund zu gehen. Wir sind irritiert, das Sonderbare oder Unverständliche stört uns, und wir reagieren als Gestörte, die es vorziehen, ein wohlfeiles Urteil abzugeben und so gleichsam uns selbst vor dem Mißliebigen zu imprägnieren, ohne darüber nachzudenken, daß wir im Sicheren sitzen, im Geschlossenen, in der warmen Stube, während der Andere sich gerade im offenen Sturm befindet. Und die schlimmsten Stürme sind nicht die winterlichen, sondern die seelischen.

Zu entgegnen: Mit dieser Argumentation wäre jedes Fehlverhalten eines Anderen entschuldbar, ist eine Erwiderung, die das Gemeinte verfehlt. Denn es geht hier nicht um Entschuldigungen, sondern um etwas, was jeder Begegnung zuvorliegt: Der Wille zum Wohlwollen.

Bin ich bereit, so viel an Wohlwollen aufzubringen, daß der Andere nicht zuallererst das Urteil erfährt, sondern die Annahme? Die prinzipielle Annahme. Erst dann, wenn diese Annahme gegeben ist, ist überhaupt Gespräch, Begegnung und auch Urteil möglich. Denn das Urteil steht nicht am Anfang, sondern – wenn es notwendig ist – im Danach.

Grafik: Ludwig Wittgenstein, 1929. wikimedia.org/public domain

Freitag, 21. Juni 2019

Die Welt von heute


Wenn eine Nation zerbricht, dann geschieht dies nicht von ungefähr. Das Zerbrechen hat seine Ursachen. Und die ersten Ursachen sind nicht die politischen oder ökonomischen, sondern die moralischen. Wenn eine Nation sittlich verlottert und also den Blick für das Wesentliche verliert, dann ist ihr Untergang nur mehr eine Frage der Zeit.

In seinem posthum erschienenen autobiographischen Werk Die Welt von gestern notiert Stefan Zweig (1881-1942):

»Suche ich mich redlich zu erinnern, so weiß ich kaum einen Kameraden meiner Jugendjahre, der nicht einmal blaß und verstörten Blicks gekommen wäre, der eine, weil er erkrankt war oder eine Erkrankung befürchtete (gemeint ist eine Geschlechtserkrankung, vor allem Syphilis), der zweite, weil er unter einer Erpressung wegen einer Abtreibung stand, der dritte, weil ihm das Geld fehlte, ohne Wissen seiner Familie eine Kur durchzumachen (auch hier ist auf die Geschlechtskrankheit angespielt), der vierte, weil er nicht wußte, wie die Alimente für ein von einer Kellnerin ihm zugeschobenes Kind zu bezahlen, der fünfte, weil ihm in einem Bordell die Brieftasche gestohlen worden war und er nicht wagte, die Anzeige zu machen.«

Zweigs Erinnerungsbuch widmet sich zumal Wien und der k. u. k. Zeit. Die Pseudomoral sieht er partout, zieht freilich aus dem Befund das fatale Fazit, als sei es im Grunde damit getan, das Pseudo zu streichen, um solcherart zur Genesung fortzuschreiten, so als wäre die Urgewalt des Eros mühelos zu bewältigen, wenn man ihn nur frei und ungezwungen, mit einem Wort humanistisch walten läßt.

Joseph Roth, Zeitgenosse Zweigs, kann einen eines Besseren belehren, gleich, ob man sich den Radetzkymarsch oder Die Kapuzinergruft zu Gemüte führt. Roths Helden sind allesamt humanistisch Gebildete. Aber was sagt das schon, wenn ihr Humanismus gleichsam leere Staffage ist, die – so am Ende des Radetzkymarsches – den jungen Trotta dahin bringt, daß er am Grab eines Gefallenen nicht einmal mehr das Vaterunser als letzte Zuwendung zuwege bringt?

Eine Zeit, die sich ihrer humanistischen Attitüde rühmt, ist kein Bollwerk gegen gleich welche Verführung, geschweige denn vermag sie der sittlichen Verwahrlosung zu wehren. Die Tage einer solchen Zeit sind gezählt und zu leicht befunden. Wenn Zweig, erwachsen geworden, im selben Erinnerungsbuch die jungen Menschen, die er nun erlebt, als »antikisch frei« verklärt, fern jeder Verklemmung, so als hätten diese jungen Menschen endlich die Bürde der Pseudomoral abgeschüttelt, dann ist dies bestenfalls eine Sottise.

Er hätte dazu nur die Geschichte einer österreichischen berühmten Familie studieren brauchen, um zu sehen, wie brüchig der hochgerühmte Humanismus und die ebenso hochgerühmte Kultur sind, wenn Allzumenschliches als Herausforderung auf einen zukommt.

In der Familie Wittgenstein, einer der reichen und angesehensten Familien der k. u. k. Zeit wie der darauffolgenden Jahrzehnte, geschieht 1931 und also bereits nach dem Zusammenbruch der Monarchie und ihrer von Zweig konstatierten Pseudomoral folgendes Hausdrama:

Der berühmte Pianist Paul Wittgenstein hat eine seiner Schülerinnen, die einundzwanzigjährige Bassia, geschwängert. Was tun? Das Normalste wäre, dazu zu stehen, zumal die finanziellen Mittel der überaus vermögenden Familie mehr als ausreichend sind, um die junge Frau zu unterstützen.

Aber es kommt anders. Die Schwester Pauls, Gretl, die berühmte Margaret Wittgenstein-Stonborough (von Klimt porträtiert), organisiert, gegen den Willen der jungen Mutter, die eigentlich das Kind behalten will, eine Abtreibung. Das Problem wird damit, wie man so sagt, aus der Welt geschafft. Später wird die junge Frau Gretl beschuldigen, sie zur Abtreibung gezwungen zu haben, und etwa ein Jahr nach der Abtreibung ist die junge Frau tot, gestorben an einem nach der verpfuschten Abtreibung aufgetretenen Krebs.

1931. Man weiß, wie es historisch weiterging. Ist es so erstaunlich, daß eine Nation, in der diejenigen, die kultiviert und bestens sozialisiert sind, die in der Gesellschaft Einfluß haben und als Leitbilder angesehen werden, gleichwohl rücksichtslos ein alltägliches Verbrechen begehen – denn das ist die Abtreibung – , daß eine solche Nation nicht bestehen kann, es sei denn, sie bekehrt sich?

Wir leben Jahrzehnte später, nicht mehr 1931. Doch wie steht es um das Heute?

Der Biograph der Familie Wittgenstein, Alexander Waugh, ebenfalls bestens ausgebildet, zudem Enkel des weltberühmten Schriftstellers Evelyn Waugh, schreibt ausführlich über dieses Abtreibungsgeschehen und die Folgen. Gretl, die Hauptakteurin der Tragödie, nennt er: »Gretl, mit ihrem großen Herzen (…).« Dazu erübrigt sich jedes weitere Wort.

Doch damit sind wir exakt im Heute, in unserer verwahrlosten Zeit, die sich nicht schämt, über besagte Gretl, eine Frau, die 1931 Horror in das Leben Etlicher gebracht hat, diesbezüglich zu notieren (so der Biograph): »Obwohl sie so viel getan hatte, um zu helfen (…).« Helfen? Ist das der Tiefpunkt der humanistischen Mimikry?

Grafik: Rainer Sturm / pixelio.de


Samstag, 15. Juni 2019

Helden



Daß die großen Tech-Firmen mehr und mehr zu Tech-Tyrannen werden, wird mehr und mehr offenbar. Gleich ob Google, youtube,Twitter oder Facebook – wer nicht in die Agenda der Globalisten paßt, wird gnadenlos zensiert und ausrangiert. Das ist keine Verschwörungstheorie, sondern nackte Wahrheit.

Jetzt das neueste Beispiel.

Ein junger Software-Ingenieur bei Pinterest, dem Social-Media-Giganten, der 300 Millionen Nutzer für sich verbucht, wurde Knall auf Fall die Kündigung unter die Nase gehalten. Denn Eric Cochran, so der Name des Helden in the brave new world, hatte Project Veritas, einem Privatunternehmen in den Staaten, welches die Machenschaften von Firmen aufdeckt, Unterlagen zugespielt, aus denen klar hervorgeht, wie Pinterest mißliebige Personen klammheimlich ausschaltet.

Getroffen hatte es Lila Rose und ihre Plattform Live Action. Rose ist seit Jahren eine der profilierten Lebensschützerinnen in den USA. Ihre Internetpräsenz gehört zu den meist frequentierten in der pro-life-Bewegung. Rose ist immer wieder Gast in Talkshows und versteht ihre Positionen bestens argumentativ zu vertreten.

Was machten nun die Macher von Pinterest?

Sie rubrizierten Live Action bewußt unter dem Label Pornographie, um es derart zu blockieren und für Nutzer unauffindbar zu machen. Cochran, der Whistleblower, belegt an den nun veröffentlichten Dokumenten, wie Pinterest, welches sich als tolerant und weltoffen präsentiert, tyrannisch diejenigen verbannt, die Inhalte vertreten, die christliche Prinzipien vertreten, etwa die unhintergehbaren Fundamente des Lebensschutzes. Und die anderen Tech-Tyrannen sekundieren: Youtube etwa sperrt das enthüllende Video von seiner Plattform, um Pinterest derart reinzuwaschen.

Cochran wörtlich in einem ersten Interview nach seiner Entlassung:

»Es geht um Abtreibung. (…) Sie (die Tech-Giganten) verteidigen zu 100% die Abtreibungslobby. Und die Lebensschützer, die es in den großen Tech-Firmen gibt – und es gibt sehr viele – sie müssen zu Project Veritas kommen und offenlegen, was passiert. Es ist notwendig, daß sie, so wie ich es gemacht habe, diese Tech-Konzerne dahin bringen, daß sie explizit öffentlich zugeben, daß sie auf Seiten der Abtreibungslobby stehen.«

Eric Cochran, Lila Rose: Mutig. Intelligent. Pro-life. Helden für heute.

Freitag, 7. Juni 2019

Die Wahl


»Man kann aus dreierlei Beweggründen handeln – als Affe, als heidnischer Philosoph oder als Christ. Wer sich mit den rein sinnlichen Dingen begnügt, ahmt das Wissen und Wirken des Affen nach, der allerdings neugieriger als jedes andere Tier ist und nachäfft, was er andere tun sieht.«

Sel. Niels Stensen
(Arzt, Wissenschaftler, Bischof, 1638 - 1686)


Grafik: Photo by Audronė Locaitytė on Unsplash

Freitag, 31. Mai 2019

Benedicere


Dann führte er sie hinaus in die Nähe von Betanien. Dort erhob er seine Hände und segnete sie.
Und während er sie segnete, verließ er sie und wurde zum Himmel emporgehoben; sie aber fielen vor ihm nieder. Dann kehrten sie in großer Freude nach Jerusalem zurück.
Und sie waren immer im Tempel und priesen Gott.
So beschließt der Evangelist Lukas seinen Bericht über die Himmelfahrt Jesu. Der Abschied Jesu von seinen Jüngern vollzieht sich segnend. Dieser Segen ist kein ephemeres Ereignis, sondern eines der Ewigkeit. In diesem Segen sind die Jünger des Herrn fortan geborgen. Er ist ihre Rüstung, ihre glorreiche Imprägnierung.

Und wie ist die Reaktion der Jünger?

Die Prostratio (als niederfallendes Anbeten des Herrschers des Weltalls), die Freude (als überragendes Erfülltwerden mit der göttlichen Verheißung) und der Lobpreis.

Das Lateinische, ebenso wie das Griechische, verwendet für die beiden Handlungen des Segnens und des Lobpreisens das identische Wort: benedicere beziehungsweise eulogein.

Das ist mehr als eine semantische Zufälligkeit. Hier kommt Wesentliches zur Sprache. Derjenige, der von Gott gesegnet wird, lobpreist. Es ist die naturgemäße Reaktion dessen, der den göttlichen Beistand empfängt und in diesem schützenden Mantel geborgen ist.

Anders gesagt: Derjenige, der sich ganz öffnet für die Gabe des himmlischen Segens, der wird in diesem Segen eingetaucht in das Licht des Schöpfungsmorgens. In diesem Licht leuchten die Verhältnisse und Dinge und Beziehungen in ihrem reinen, ursprünglich gemeinten Dasein. In diesem Licht gibt es nicht den Widerstand gegen die Allmacht des Schöpfers, sondern einfach die nicht zu fassende, dankbare Anerkennung der Tatsache, Kind eben dieses Schöpfers zu sein.

Und da jeder Dank sich ausdrücken will, weil nämlich der Mund davon sprechen will, wovon das Herz voll ist, beginnt der Jubel der Lippen – der Preisgesang auf den gütigen Gott. Und da der Leib mitfeiern will, stimmt er ein in das Benedicere und verneigt sich – tief, und tiefer, da er auch dies anerkennt: Daß er Staub ist, der begnadet ist vom Licht aus der Höhe.


Grafik: Schnorr von Carolsfeld, Himmelfahrt Christi. commons.wikimedia

Freitag, 24. Mai 2019

Matt. Teil IV


Der Sklave
 
Niemand kennt den Toten. Ein herbeigerufener Dominikanerpriester kniet bei dem Toten nieder und betet. Die Ambulanz, die endlich eintrifft, bringt den Toten ins Spital Mater Misericordiae (Mutter der Barmherzigkeit). Die diensthabende Schwester Ignatius bereitet den Verstorbenen für das Begräbnis vor. Wer ist er? Ein armer Bettler? Einer, der herumzieht? Ein unbekannter armer Schlucker?

Als sie den Toten entkleidet, wird sie der Ketten an Matts Leib gewahr, die er offensichtlich bei früheren Aufenthalten, um im Verborgenen zu bleiben, abgelegt hatte.

In den Akten zum Seligsprechungsprozeß steht als Zeugenaussage:

„Mitten um seinen Bauch herum gab es zwei Ketten und einen verknoteten Strick. Die ein Kette hielten wir für eine Kette, wie man sie gewöhnlich als Pferdestrang benutzt, die andere war etwas dünner. Beide waren durch einen verknoteten Strick miteinander verflochten, und mittels Schnüren waren Medaillen an der Kette befestigt. Beide waren verrostet und tief in das Fleisch eingegraben. Am linken Arm wurde gleichfalls eine dünne Kette gefunden, die straff oberhalb des Ellbogens gewunden war, und am rechten Arm war oberhalb des Ellbogens eine verknotete Schnur. An seinem linken Bein war unterhalb des Knies rundherum eine Kette mit einer Schnur gewickelt, und am rechten Bein gab es, in der gleichen Position, einen schwer verknoteten Strick. Um seinen Hals gab es einen sehr schweren Rosenkranz; daran waren große und viele religiöse Medaillen angebracht. Einige der Medaillen hatten die Größe einer halben Crown-Münze, andere waren gewöhnliche Medaillen der Sodalitäten.“

Torheit? Ja, Torheit. Die Torheit des Kreuzes. Die Torheit dessen, der sich gebunden und ausgeliefert weiß an die Unbegreiflichkeit Gottes und dies durch die Hände der Muttergottes. Die Torheit dessen, der Sklave der Liebe sein will.

Denn was heißt Sklave? Es heißt, daß das eigene Leben nicht mehr einem selbst gehört, sondern einem anderen. Man selbst ist enteignet, der Andere hat das Verfügungsrecht auf all das Meine. Doch anders als bei dem traditionellen Begriff von Sklave, der etwa an gewalttätige Verschleppungen von Sklaven des afrikanischen Kontinents denken läßt, ist der geistliche Sklave ein freiwilliger Sklave. Und das ist entscheidend. Man nimmt ihm nicht das Leben, sondern er gibt es freiwillig hin, aus Liebe, und darin seinen göttlichen Meister nachahmend.

Der heilige Ludwig Maria Grignion de Montfort (gestorben 1716) hat die Bedeutung der spirituellen Sklavenschaft neu zum Leben erweckt, dabei den Schwerpunkt darauf legend, daß die Sklavenschaft mit Maria gelebt wird.

Grignions Intuition ist kein Spleen, keine spirituelle Überzogenheit, sondern fußt geradewegs in der Heiligen Schrift. Im berühmten Christushymnus des Philipperbriefes, einem der frühesten christlichen Bekenntnistexte zum Erlösungsgeschehen, in dem die Gesinnung Jesu Christi in knappen Schlüsselsätzen zusammengefaßt wird, schreibt der Apostel Paulus: Seid untereinander so gesinnt, wie es dem Leben in Christus Jesus entspricht: Er war Gott gleich, hielt aber nicht daran fest, wie Gott zu sein, sondern er entäußerte sich und wurde wie ein Sklave und den Menschen gleich (Phil 2,5f)

Hier fällt das Wort: doulos, Sklave. Unabgeschwächt, in aller Nacktheit und Deutlichkeit. Und der heilige Grignion de Montfort nimmt dieses Wort und seinen Inhalt in eben solchem Ernst an und macht es neu fruchtbar. In einem seiner Gebete an Christus, die Ewige Weisheit, schreibt er:

»Ewige Weisheit... ich bete dich an... in der Ewigkeit im Schoße deines Vaters und zur Zeit deiner Menschwerdung im Schoß deiner lobwürdigen Mutter Maria... Ich danke dir dafür, daß du dich selbst verleugnet und die Gestalt eines Sklaven angenommen hast, um mich aus der Sklaverei des Teufels zu befreien. Ich lobe und preise dich, daß du deiner heiligen Mutter Maria in allem untertan sein wolltest, um mich durch sie zu deinem treuen Sklaven zu machen. Aber ich habe das Gelübde und die Versprechen meiner Taufe nicht gehalten...«

Die von Grignion gewünschte Weihe an die Heiligste Dreifaltigkeit durch die Hände der Muttergottes – kurz Marienweihe genannt – ist die Umsetzung dieses Gebetes: Der sich Maria Weihende will endlich sein Taufversprechen leben und durch diesen Akt der Hingabe auf sanfte, kurze, vollkommene und sichere Weise der Gesinnung Christi gleichförmig werden, denn wer könnte ihn besser zur Christusförmigkeit erziehen als Maria, die Mutter Jesu, die vom Erlöser selbst gewürdigt worden ist, Gefäß seiner Menschwerdung zu sein?

Die Spiritualitätsgeschichte nach Montfort ist ohne Montfort nicht zu denken. Etliche religiöse Gemeinschaften – von unzähligen Privatgelübden und Privatinitiativen zu schweigen – verdanken ihren mächtigen Entstehungsimpuls der geistgewirkten Eingebung des Heiligen aus Rennes. Die Weihe an die Heiligste Dreifaltigkeit durch die Hände der Muttergottes wird ein Markstein in der Geschichte des geistlichen Lebens zumal im zwanzigsten Jahrhundert. Um nur einige Bewegungen zu nennen, deren Entstehung wie Spiritualität ohne die Marienweihe nicht denkbar wäre: Legio Mariae, Madonna House, Foyer de Charité.

Und es ist aus den Erinnerungen des heiligen Papstes Johannes Pauls II. bekannt, wie sehr Grignion die Frömmigkeit und den Lebensweg des Papstes prägte, bis dahin, daß sein päpstliches Wappen mit dem Leitspruch Totus tuus  (Ganz der Deine) direktes Kürzel der Marienweihe ist.

Matt seinerseits ist ein leuchtender Zeuge in dieser Überlieferungskette. Vermutlich  um das Jahr 1913 liest er Grignions Werk der Vollkommenen  Hingabe an Maria. Darin empfiehlt der Heilige im Kapitel Die besonderen Übungen der Ganzhingabe als ein geistliches Exerzitium unter anderen, welches die Abhängigkeit von der Muttergottes sowie die Nachfolge des Gekreuzigten sichtbar machen soll, das Tragen eiserner Kettchen. Matt, der nicht für halbe Sachen zu haben ist, setzt, mit Zustimmung seines geistlichen Begleiters, diese Praxis in die Tat um, und dies in direkter, leidenschaftlicher Weise, indem er die ursprüngliche Intuition des heiligen Grignion de Montfort ungeschmälert, unmittelbar, ohne jede geschmäcklerische Interpretation oder Verkürzung lebt.

»Warum zögern wir, das Wort Sklave zu benutzen? Wir haben nicht gezögert, Sklaven der Sünde zu werden«, gibt Catherine de Hueck-Doherty, die Gründerin der geistlichen Gemeinschaft Madonna House einmal zu bedenken.

Matt gibt dem Wort seine Dignität zurück, indem er mit den Augen der Immaculata den Sklaven Jesus Christus betrachtet. Und diesem Sklaven, der arm wird unsretwegen, der Seine Herrlichkeit verläßt um unseres Heiles willen, ja dessen ganzes Leben Sklavendienst ist pro nobis – diesem Sklaven will Matt ähnlich werden. Und die Ketten um Matts Leib sind sichtbarer Ausdruck seines Lehnsverhältnisses, die ihn täglich gemahnen an das Wesentliche: Daß sein Leben nicht ihm gehört, sondern seinem Herrn, und daß er folglich sein Leben für seinen Herrn hingeben will und für die Mitmenschen, die ihm der Herr anvertraut.

Und damit drücken die Ketten Matts wie selbstverständlich auch dies aus: Matt geht den Weg nicht allein, sondern strikt mit Maria, denn auch der Herr hat den Weg über seine Magd Maria genommen (für welchen Titel – Magd – im übrigen der griechische Text des Neuen Testaments gleichfalls das Nomen doule wählt).

Die moderne Ikone, die das Geheimnis Matts widerzuspiegeln versucht, drückt dieses Wesen der vollkommenen Dienerschaft oder – um mit Grignion zu sprechen – der esclavage d'amour et de volonté (Sklavenschaft der Liebe und des Willens) – sehr gut aus.

Man sieht den ehrwürdigen Diener Gottes Matt kniend, rosenkranzbetend, vor einem Bild der Muttergottes mit Kind. Um den Leib Matts windet sich eine Kette, die ihren Ausgang nimmt am Muttergottesbild. Matt hat sich freiwillig  wortwörtlich an Maria und ihren Sohn gebunden. Die Rosenkranzkette in seinen Händen ist die geistliche Schnur, welche die vollkommene Hingabe Matts noch einmal im Zeichen des Gebets versinnbildet. Und genau so, als Angeketteter, der sich ohne jeglichen Vorbehalt restlos in den Dienst der Muttergottes und Jesu Christi stellt, wird Matt der wahrhaft Freie. Denn die zerstörerische Kette, die ihn jahrelang fesselte und niederdrückte, die Kette der Sucht, liegt zerbrochen vor Matts Füßen. Die Alkoholflasche hat keine Gewalt mehr über Matt, dessen Leben nun seinem Meister Jesus gehört.

Und es mag ein Hinweis darauf sein, daß die  Haltung der Ganzhingabe, der freiwilligen Abhängigkeit von Maria und ihrem Sohn, durchaus schriftgemäß ist, wenn auf der Ikone neben dem knienden Matt die Heilige Schrift zu sehen ist, quasi als verbriefte autoritative Besiegelung seines geistlichen Weges.

Wie oft und in wie vielen heiligen Messen hat der Katholik das Herrenwort gehört: Getrennt von Mir könnt ihr nichts tun (Joh 15,5), oder jenes des heiligen Paulus: Obgleich ich frei von allen bin, habe ich mich für alle zum Sklaven gemacht, um möglichst viele zu gewinnen (1 Kor 9,19).  Hier ist einer, der diese Worte hört und nie mehr vergißt. Der sein Leben jeden Tag mehr umgestalten läßt in das heilige Wort hinein, bis schließlich am Ende seines Lebens die Ketten, die er trägt, mit seinem Fleisch verwachsen sind.

Für Grignion war es selbstverständlich, daß die Marienweihe ein Akt ist, der eine Seele voraussetzt, welcher Gott in besonderer Weise dieses Geheimnis der Weihe anvertrauen will. Darum spricht Grignion diese Seele bevorzugt mit den Worten an: Ame prédestinée – Du auserwählte Seele. Es ist die Seele mit dem einfachen, reinen Blick, die bescheidene, demütige Seele. Denn das Wunder der Umgestaltung in Christus, auch dies läßt sich an Matts Leben ablesen,  geschieht in gänzlicher Bescheidenheit.

Als Matt auf der Straße zusammenbricht, weiß niemand der Herbeieilenden, wer da auf dem Erdboden liegt. Es sagt mehr als tausend Worte, daß erst die Entkleidung, nach Matts Tod, Matts Geheimnis aufstrahlen läßt.

Und noch einmal mehr als viele Worte sagt die Tatsache, daß nur ein Foto von Matt auf die Nachwelt gekommen ist, ein Foto zudem, welches zugleich enthüllt und verbirgt. Denn Matt scheut das Spektakuläre. Auch darum ist er der Heilige für uns, die wir heute in der Flut der Sensationen und Spektakel und Nichtigkeiten unterzugehen drohen. Da ist es gut, Matt in seine stille Kammer zu folgen, ihn niederknien zu sehen und gemeinsam mit ihm ein Armer zu werden.

Papst Paul VI. hat Matt am 3. Oktober 1975 zum Ehrwürdigen Diener Gottes ernannt.


Wer mehr wissen will
Morgan Costelloe, Matt Talbot. Hope for Addicts, Dublin 2005.
Eddie Doherty, Matt Talbot, Combermere, Canada 2011 (Madonna House Publications).
Maria-Viola Wildenhain, Ein Mann aus Dublin, Leipzig 1980.
Homepage der Diözese Dublin zu Matt Talbot: http://www.matttalbot.ie/

Donnerstag, 16. Mai 2019

Matt. Teil III


Der Beter

Nach unzähligen durchzechten Sonnabenden ist es ein Sonnabend – der Tag, der im liturgischen Leben der katholischen Kirche seit je als Tag der Muttergottes begangen wird - , an dem die Wende in Matts Leben eintritt. Die voraufgegangene Woche ist er, wiewohl er ansonsten ein zuverlässiger Arbeiter ist, bei seiner Arbeitsstelle nicht angetreten. Er trinkt und trinkt. Der Tiefpunkt ist erreicht. Am Sonnabend stellt er sich, zusammen mit seinem Bruder Philipp, an einer Straßenecke auf, wo auf jeden Fall seine Arbeitskollegen mit dem soeben ausgezahlten Lohn vorbeikommen müssen. Matt, der kein Knauser ist und dessen Großzügigkeit man kennt, hofft, daß die Kollegen heute ihn und den Bruder zum Stammtisch einladen werden, da sie beide zurzeit mittellos sind. Aber es kommt anders. Ganz anders.

Die Kollegen grüßen zwar kurz, gehen aber dann an Matt und seinem Bruder vorbei, ohne ein Wort der Einladung auszusprechen. Das trifft. Als er sich schließlich abwendet und nach Haue geht, ist er nicht mehr derselbe. Am selben Sonnabend, wenige Stunden später, sagt er seiner Mutter, die sich wundert, daß ihr Sohn heute früher als sonst nachhause gekommen und zudem nüchtern ist: „Ich mache das Versprechen.“

Elizabeth weiß sogleich, was damit gemeint ist. Denn das Versprechen ist ein Begriff, den man in Dublin kennt. Begründet durch den Kapuzinerpater Father Matthew, ist das Versprechen ein Nüchternheitsgelübde und meint die Tatsache, daß ein Alkoholkranker vor Gott verspricht, zukünftig sich des Alkohols zu enthalten. Eben dazu ist Matt nun bereit. Er macht sich auf den Weg zum Erzbischöflichen Priesterseminar, legt dort bei einem Priester die Beichte ab und gibt das Versprechen der Enthaltsamkeit für zunächst drei Monate. Am nächsten Tag, dem Sonntag, empfängt er nach einer furchtbaren Nacht zum erstenmal wieder nach langer Zeit den Leib des Herrn.

Die nächsten Wochen, Monate und wahrscheinlich auch Jahre sind Zeiten des Kampfes, der Versuchungen, der Entzugserscheinungen. Wenn die Versuchung ihn zu überwältigen droht, sagt er sich, daß er ja nach drei Monaten wieder zu trinken beginnen könne. Tatsächlich aber legt er nach Ablauf der drei Monate neuerlich das Versprechen ab und zwar wiederum für drei Monate; nach dieser Frist erneuert er das Versprechen bis zum Ende des Jahres und schließlich auf immer.

Einmal hält er es nicht mehr aus und geht in ein Gasthaus. Er will wieder trinken. Aber merkwürdigerweise kommt in dem geschäftigen Betrieb niemand zu ihm, um seine Bestellung aufzunehmen, so daß er schließlich aufsteht und das Lokal verläßt. Aufgrund der überwundenen Versuchung faßt er den Entschluß, fortan kein Geld mehr in der Tasche mitzunehmen.

Ungezählte andere Male hält er sich bis spätnachts in den Kirchen Dublins auf, um dort, im schützenden Raum des Heiligen, vor jeder Anfechtung beschützt zu sein. Und Gott kämpft für Matt.

So an dem Tag, als der Dämon ihn schrecklich quält. Er will zur heiligen Kommunion gehen, aber eine unbezwingbare Macht hält ihn an den Boden gefesselt, so daß er wie gelähmt ist, während ihm die verführerische Stimme einflüstert, er werde mit dem Trinken nie aufhören, es sei umsonst. In der zweiten Kirche, die er aufsucht, wiederholt sich diese schreckliche Trostlosigkeit. Und ebenso in der dritten Kirche. Auf den Stufen der Dubliner Pro-Kathedrale fällt er schließlich auf die Knie und betet mit ausgebreiteten Armen: Jesus, hab' Erbarmen, Maria, hilf, Jesus, hab' Erbarmen, Maria, hilf. Und es wird ihm geholfen.

Denn Matt hört nicht auf zu beten. Er weiß aus Erfahrung, daß er die Kraft zum Durchhalten nur im Gebet findet. Aus Matt wird in den nächsten Jahren und Jahrzehnten der große, sehr große Beter und Büßer. Der Bußpsalm Misere gehört zu seinen bevorzugten Gebeten. Täglich betet er den Rosenkranz, seine Liebe zur Muttergottes ist kindlich-überschwänglich. Die verlorenen Jahre der Sucht und des Eigennutzes bereut er und wandelt sie gleichsam zu Gold in dem neuen Leben asketischer Einfachheit und Strenge.

Die Mutter, die er nach dem Tode des Vaters zu sich in sein bescheidenes Zimmer nimmt, sieht, in der Nacht aufwachend, wie ihr Sohn aufrecht kniend im Gebet versunken ist. Matt selbst ist alles Zurschaustellen zuwider. Er ist der Arbeiter, der seiner Arbeit nachgeht und im Stillen unauffällig weiterbetet, auch, wenn möglich, in den Pausen während der Arbeit, wo er sich bescheiden in einem unbemerkten Winkel zurückzieht.

Drei Stunden Schlaf genügen ihm. Um fünf Uhr früh geht er zur heiligen Messe. Danach nimmt er ein karges Frühstück zu sich und geht zur Baustelle, wo er um sechs Uhr mit der Arbeit beginnt. Als die Frühmesse eines Tages auf ein Viertel nach sechs Uhr verlegt wird, kündigt Matt seine Stelle und tritt in einen Holzhandel ein, da ihm nur durch diesen Arbeitswechsel gewährleistet ist, weiterhin vor Arbeitsbeginn am heiligen Meßopfer teilzunehmen. Denn das Zentrum seines Lebens ist die Heilige Messe und der Empfang der heiligen Kommunion.

An Sonntagen besucht er gleich mehrere heilige Messen. Zeugen, die ihn bei der heiligen Feier wahrgenommen haben, sprechen von seiner wunderbaren Andacht und dem ehrfürchtigen Hingerissensein in das Geheimnis. Man sieht ihn stets kniend, aufrecht, ohne sich abzustützen. Er setzt sich nie in der heiligen Messe. Wenn das Kirchentor noch geschlossen ist, kann es sein, daß der Mesner, wenn er das Tor aufsperrt, Matt bereits betend auf den Kirchenstufen antrifft. Andere sehen ihn vor dem Beginn der heiligen  Messe immer wieder betend vor der Statue Unserer Lieben Frau am Marienaltar oder sie sehen ihn versunken vor dem Kreuz.

Zum Gebet kommt das Fasten und kommt das Almosengeben. Er ißt wenig. Seine Bedürfnisse schränkt er auf das Lebensnotwendige ein. Zwei Anzüge genügen ihm, einer zum Arbeiten und der andere zum Gang in die Kirche, denn wenn man den Herrn besucht, zieht man sich festlich an. Sein Bettpolster ist ein Holzbrett. Von dem schwer verdienten Lohn gibt er das, was ihm übrigbleibt, weg – für arme Familien, für die Priesterausbildung, für die Mission. In dem einzig erhaltenen Brief von seiner Hand, beigelegt einer Spende und verfaßt am 31. Dezember 1924, einem halben Jahr vor seinem Tod, stehen die rührenden Zeilen: „Matt Talbot hat die letzten 18 Monate nicht gearbeitet. Ich war krank, und der Priester und der Arzt hatten mich schon aufgegeben. Ich denke, ich kann nie wieder arbeiten. Hier haben Sie ein Pfund von mir und zehn Schillinge von meiner Schwester.“

Das ist Matt. Der auferstandene Matt. Zwei Stecknadeln, angebracht in Kreuzesform am Ärmelaufschlag erinnern ihn unauffällig an die Botschaft der Liebe, die ihn trägt und verwandelt und antreibt. Die Kollegen erleben ihn stets freundlich und geradlinig. Sie merken, daß Barney, wie sie ihn nennen, ein anderer geworden ist, auch wenn ihnen entgeht, wie tief die Wandlung ist, die Matt ergriffen hat. Matt ist nicht länger der Mann, der seine Abende in Wirtshäusern vergeudet, aber das heißt nicht, daß er auf seine Kollegen herabschaut. Er betet auch für sie und hilft, wo er zu helfen vermag. Und er ist Mitglied der Gewerkschaft, weil ihm das bedrückende Los der Arbeiter zu Herzen geht.

Dublin verläßt Matt nie. Seine Welt ist hier, sein Wirkungskreis ist hier: verborgen, unaufdringlich, in treuer, alltäglicher Beharrlichkeit. Er bleibt unverheiratet, wiewohl es die Aussicht auf eine Heirat gibt. Doch nachdem er eine Novene gebetet hat, weiß er, daß der Herr von ihm will, unverheiratet zu bleiben. Stattdessen ist er Mitglied frommer Gemeinschaften und Mitglied des Dritten Ordens der Franziskaner. Am 4. Mai 1890 unterschreibt er seine Mitgliedschaft im Herz-Jesu-Bund, wo er die lebenslange Abstinenz verspricht sowie die Sühne für die Sünden der vergangenen Sucht.

Und die Heiligen werden seine Freunde. Die frühen irischen Mönche in ihrer Entschiedenheit, ihrer Unbedingtheit und ihrem Feuer haben es ihm angetan. Matts Bußpraxis gemahnt an deren Eifer. Aber auch die Heiligen, die in ihrer Jugend gesündigt haben, ziehen ihn an. Er liest die Bekenntnisse des heiligen Augustinus und er liest über Margarete von Cortona. Und dann all die anderen heiligen Freunde, die ihm Vertraute werden: Der heilige Ignatius von Loyola, die große und die kleine Theresia, die heilige Caterina von Siena, der heilige Franz von Sales, Kardinal Newman und naturgemäß Franziskus, dessen Braut Armut in Matts Herz das offene, willfährige Echo findet.

Denn Matt bleibt der arme Matt, er gehört den Kleinen an, die der Herr im Evangelium seligpreist. Doch dieser Kleine, der gerade mal zwei Jahre Schulbildung absolviert hat, ist kein tumber Tor, sondern ein eifriger Leser, der Nahrung findet im geliebten göttlichen Wort der Bibel, welches er tagein tagaus aufnimmt, in den Heiligenviten, in den Schriften der geistlichen Lehrmeister und in den Lehren der Kirche. Und wenn Matt auf Stellen trifft, die er nicht auf Anhieb versteht, dann bittet er seine Priesterfreunde, die ihm bereitwillig weiterhelfen auf seinem Weg der Heiligkeit, um Aufklärung.

Denn auch dies zeigt Matts Leben: Wer die Kirche liebt, der wird von der Kirche herrlich geführt. Wunderbare Priester stellt die Vorsehung an Matts Seite. Nachdem ihn jahrelang der Dominikanerpriester Father James Walsh geistlich begleitet und in die Reichtümer der spirituellen Überlieferung eingeführt hat, findet er nach dessen Tod 1915 in dem fünfzehn Jahre jüngeren Monsignore Michael Hickey, einem heiligmäßigen Priester und Beichtvater, den neuen geistlichen Seelenfreund, der ihn unterstützt, führt und oftmals in seinem bescheidenen Zimmer besucht, wenn nötig auch, um seinen Schützling um dessen fürsprechendes Gebet zu bitten.

Matt, der robuste, zuverlässige Arbeiter, der die letzten Jahrzehnte eigentlich nie ernsthaft krank gewesen ist, ist bereits in seinen Sechzigern, als er in einem Dubliner Spital stationär aufgenommen werden muß. Er ist herzleidend. Die Arbeit am Holzplatz fällt ihm zusehends schwerer. Aber er liebt seine Arbeit, und die vier Wochen im Spital, fern von seiner geliebten Beschäftigung, müssen ihm wie eine Art Zeitverschwendung vorgekommen sein. Wenn es irgend geht, ist er in der Kapelle des Spitals und kniet vor dem Tabernakel. Als er schließlich entlassen wird, freut er sich darauf, bald wieder arbeiten gehen zu können. Tatsächlich aber ist die Zeit, die ihm noch verbleibt, eine Frist, die gekennzeichnet ist durch Abbau der Kräfte, Krankheit, Spitalsaufenthalte und Vorbereitung auf den Tod.

Dabei bleibt Matt der anspruchslose Patient, der nichts begehrt, nichts fordert. Als man ihn eines Tages auf seinem Zimmer vermißt und überall nach ihm sucht, findet ihn die zuständige Schwester schließlich dort, wo Matts Zuhause ist: In der Kapelle, beim Herrn. Und als sie ihm leise Vorhaltungen macht, entgegnet Matt mit seinem üblichen ruhigen Lächeln: „Ich habe den Schwestern und den Doktoren gedankt, und ich dachte, es ist nur richtig, dem Großen Heiler Dank zu sagen.“

Der Große Heiler kommt zu Matt am 7. Juni 1925. Es ist der Dreifaltigkeitssonntag. In der Frühe hat Matt die heilige Messe in der St. Franz Xaver Kirche besucht. Danach geht er wie gewohnt nach Hause zu seinem spärlichen Frühstück. Da er sich schwach fühlt, ruht er ein wenig aus, um sodann aufzubrechen und – wie an so vielen Sonntagen in den letzten Jahren und Jahrzehnten – eine zweite Sonntagsmesse zu besuchen. Er macht sich auf den Weg zur Zehnuhrmesse in der Erlöserkirche. Es ist ein sommerlicher Tag. Als er auf der Straße zusammenbricht, kommt eine Frau, die den Sturz gesehen hat, mit ihrem Sohn hinüber zu dem auf den Boden Liegenden. Sie tragen ihn über die Straße, wollen ihn ins Haus bringen, legen ihn aber zu guter Letzt nieder. Es ist gegen neun Uhr vierzig. Und vielleicht hört Matt, als er hier, am Boden liegend, schließlich seine Seele dem Schöpfer zurückgibt, noch einmal die Glocken der Erlöserkirche, die sonntäglich zum Heiligen Meßopfer läuten. 

Freitag, 10. Mai 2019

Matt. Teil II

 
 
Das Dublin, in dem Mathew Talbot am 2. Mai 1856 geboren wird, ist nicht die glitzernde Weltstadt des 3. Jahrtausends. Nicht einmal zehn Jahre vor Matts Geburt wird Irland von einer schrecklichen Hungersnot heimgesucht, der etwa eine Million Menschen zum Opfer fallen. Dublin, die spätere Hauptstadt der grünen Insel, beherbergt in seinen Fabriken und in seinen Docks am Hafen eine Vielzahl von Arbeitern, die mühsam ihr Leben fristen. In großen, eintönigen Mietskasernen in den Vorstädten leben oft vielköpfige Arbeiterfamilien auf engstem Raum beisammen; so auch die Familie Talbot.

Zwölf Kinder sind sie, neun Söhne und drei Töchter. Matt ist der Zweitälteste. Zwei Brüder sterben noch im Kindesalter. Vier weitere Brüder sterben als junge Männer, offensichtlich vom Alkohol verbraucht. Charles, der Vater, ist gleichfalls Trinker, wie überhaupt die Trinksucht unter den Arbeitern das grassierende Übel ist.

Elizabeth Talbot, Charles Frau, versucht ihr Bestes, um den alltäglichen Belastungen und dem drohenden Ruin gegenzusteuern. Elfmal muß die Familie übersiedeln. Die Trunksucht droht die Familie zu zerstören. Doch Elizabeth bleibt der stille Halt in der Familie, die unermüdlich Betende, die sich am Rosenkranz festhält und die Hoffnung nicht aufgibt. Ihrem Gebet und ihren Bitten ist es zu verdanken, daß schließlich der Vater mit der Wirtshausgeherei aufhört und seinen Lohn nicht länger vertrinkt.

Der Trinker

Mathew, kurz Matt genannt, absolviert, für arme Arbeitersöhne durchaus nicht unüblich, nur zwei Jahre Schule und tritt sodann mit erst zwölf Jahren ins Arbeitsleben ein - er wird Laufbursche in einer Weinhandlung. Das Arbeitsleben sagt ihm zu, zumal er kein Freund von langem Schulbanksitzen ist. Aber in der neuen Umgebung lernt er bald das, was ihn die nächsten Jahre verheerend niederdrückt. Ebenso wie eine Vielzahl seiner Arbeitskollegen nimmt er seinen an den Wochenenden ausgezahlten kärglichen Lohn, um ihn abends mit anderen Zechkumpanen in einer Kneipe zu vertrinken. Man kann ihm nicht nachsagen, er sei das Muttersöhnchen oder gar der Grünschnabel, der noch der Milch bedarf. Matt, obgleich erst zwölf, dreizehn, vierzehn Jahre alt, hält mit den Großen mit, und wenn er abends nach Hause kommt, legt er sich nieder, um seinen Rausch auszuschlafen.

Matts Vater, inzwischen trocken, sieht das Verhängnis und versucht, sei es durch Worte, sei es durch gelegentliche Prügel, den Sohn zu ändern. Aber keine Maßnahme fruchtet. Matt spürt zwar bisweilen die Scham des Säufers angesichts des Elends, welches er anrichtet, aber dies ändert nicht sein Verhalten. Die Sucht ist bereits dermaßen stark, daß Matt zum Gewohnheitstrinker geworden ist, der vom Trinken, trotz mancher gutgemeinter Vorsätze, nicht mehr lassen kann.

Der Vater, der im Hafen arbeitet, beschafft seinem Sohn dort eine neue Stelle, in der Hoffnung, daß dieser Arbeitswechsel und die Nähe des Vaters Matt zur Raison bringen. Aber auch diese Maßnahme erweist sich als vergeblich. Der Whisky ist fortan Matts bevorzugtes Getränk. Das Groteske dabei: Etliches, was an Whiskyflaschen durch die Hände der Zechbrüder geht, stammt aus den Lagerräumen, über die Matts Vater die Aufsicht führt. Diese empörende Entdeckung geht an Matt nicht spurlos vorüber. Zwar ist er bereits zu sehr dem Alkohol verfallen, um mit dem Trinken zu brechen, gleichwohl nagen die bedrückenden Zustände derart an ihm, daß er schließlich nach zwei Jahren die Arbeit kündigt. Bevor er eine neue Stelle ausfindig gemacht hat, vermittelt ihn sein Vater als Hilfsmaurer in eine neue Firma.

Matt ist jetzt achtzehn Jahre alt. Das Elend seiner Trinksucht wird noch weitere zehn Jahre andauern. Jahre, in denen er zugleich erlebt, wie, bis auf den ältesten Bruder John, alle anderen seiner Brüder unter dem Einfluß des Alkohols zusehends verfallen.

Die Wochentagslöhne verschwinden in den Kneipen. Zuhause gibt Matt seiner Mutter bisweilen einen minimalen Beitrag als Kostgeld, während Elizabeth weiterhin betet, verzeiht, ermahnt, hofft. Und ist die Scham, die trotz aller Verdunkelung in Matts Leben schwach glimmt, nicht auch Frucht der mütterlichen Tränen und Gebete? 

Eines Sonnabends, an dem Matt wie gewohnt in der Stammkneipe sitzt und mit den Zechkumpanen eine Sauftour abhält, kommt ein Fremder ins Gasthaus, der eine Geige unter dem Arm trägt. Der Unbekannte wird zum Mittrinken eingeladen. Der Whisky fließt reichlich. Als man merkt, daß die Rechnung heute höher ausfallen wird, entwendet Matt zusammen mit einem Kumpel klammheimlich das Instrument des Fremden und versetzt es gegen Bares in einem benachbarten Lokal. Darauf geht es zurück in die Stammkneipe. Als man spätnachts aufbricht, bemerkt der Fremde, daß seine Geige verschwunden ist. Er versteht die Welt nicht mehr, er versteht nicht, was man ihm angetan hat. Seine Klage, die unbeantwortet bleibt, wird Matt in seinem späteren Leben als peinigenden Stachel der Erinnerung immer wieder spüren. Und er wird in Wirtshäusern und Armenunterkünften nach diesem Fremden suchen, um wiedergutzumachen, was er dem Geigenspieler angetan hat. Und da er ihn nicht findet, wird er das Geld, das er damals für die versetzte Geige einstrich, in den Opferstock einer Kirche einzahlen, um heilige Messen für den Fremden lesen zu lassen und so seine Schuld zu begleichen.


Grafik: Statue von Matt in Dublin. wiki commons by Keresaspa - Own work, CC BY 3.0.

Freitag, 3. Mai 2019

Matt. Teil I


Sofort. So lautet das Schlagwort heute. Die Geduld gehört nicht zu den Tugenden des modernen Menschen, denn die Geduld gilt ihm als Methode der Vertröstung, des Aufschubs und also als Widerpart zur Mentalität des Sofort.

Wo allerdings das Sofort regiert, da ist die Sucht auf dem Sprung. Denn die Sucht verspricht den sofortigen Eintritt in die verlockenden virtuellen Paradiese. Dementsprechend breiten sich die Süchte heute epidemisch aus. Internetsucht, Alkoholsucht, Drogensucht, Pornographiesucht, Spielsucht... Hauptsache die schnelle Flucht aus der Realität findet statt.

Ein im deutschsprachigen Raum nahezu unbekannter Ire hat hundertfünfzig Jahre vor dem Flächenbrand der süchtigen Moderne die Sucht am eigenen Leib erfahren, und dies in sehr jungen Jahren. Man hätte ihn für verloren halten können. Ein Trinker, der noch ein Teenager ist, täglich dem Suff verfallen – wer würde für einen solchen ausweglosen Fall auch nur einen Deut geben?

Und doch, Matt Talbot, so der Name des scheinbar Verlorenen, geht nicht unter. Kraft der Gnade findet er zum wahren Leben.

Exakt darum ist Matt der passende Patron für unsere Zeit. Ihn sollten die Süchtigen anrufen. Denn Matt weiß, wie Befreiung geschieht, und er, Matt, wird den Verzweifelten beistehen, damit sie aus dem Gefängnis der Sucht herauskommen.

»Sei nie zu hart einem Mann gegenüber, der das Trinken nicht aufgeben kann«, so Matt. »Das Trinken aufzugeben (und man könnte ebenso gut sagen: Die Pornographie aufzugeben oder die Drogen oder eine andere Sucht) ist ebenso hart, wie den Toten wieder zum Leben zu erwecken. Aber beides ist möglich und sogar leicht für unseren Herrn. Wir brauchen nur abhängig zu sein von Ihm.«

Matts Geschichte: Die Geschichte einer Auferstehung.

Freitag, 26. April 2019

Der Held


Versteht man das?

Der Herr ist von den Toten auferstanden. Die Kirche besingt dieses Ereignis und diesen Tag mit der Antiphon, die sie nicht müde wird, immer wieder neu anzustimmen: Dies ist der Tag, den der Herr gemacht hat, laßt uns jubeln und seiner uns freuen - 


 
Denn dieser Tag ist der Tag aller Tage. Der Tag, der jedem Tag erst das Gepräge gibt, indem er das ewige Wasserzeichen der Auferstehung der Schöpfung einprägt.

Und der Held dieses Tages ist Jesus Christus.

Nur, was macht dieser Held?

Sagen wir zunächst, was Er nicht macht.

Er stellt sich nicht auf den Tempelvorplatz und ruft: Schaut her! Er stellt sich auch nicht auf den Marktplatz in Jerusalem und macht die große, beeindruckende Demonstration. Er trommelt nicht und schreit nicht.

Nein, der Held des Tages geht zwei verlorenen Seelen nach. Kleopas, so heißt der eine der Beiden, befindet sich mit seinem Gefährten auf dem Weg nach Emmaus. Und beide sind niedergeschlagen, enttäuscht, entmutigt. Ein heutiger Berichterstatter würde vermutlich von Depression sprechen.

Und eben diesen zwei Depressiven geht der Auferstandene nach. Sie sind Ihm wichtig, derart, daß er lange mit ihnen spricht, sie belehrt, sie tröstet, sie nährt.

In seinem irdischen Leben hat sich Jesus als der Gute Hirte bezeichnet (Johannes-Evangelium 10,11). Hier, in der lukanischen Emmauserzählung, strahlt wunderbar einfach auf, was es heißt, der Gute Hirte zu sein. Dem Guten Hirten ist jede einzelne Seele kostbar. Der Gute Hirte ist zwar der Held, aber er schielt nicht nach Art eines Überwältigers nach Applaus und Sensation und großer Show, sondern er ist der Gärtner, der das kleine Samenkorn sieht und hegt und hütet, denn jede Seele ist Ihm unendlich kostbar.

Kleopas heißt der Eine. Und der Andere?

Dienstag, 16. April 2019

Karwoche 2019. Das Menetekel


Kathedrale Notre-Dame de Paris, in Flammen.

Stat crux dum volvitur orbis.
Das Kreuz steht, während der Erdkreis sich dreht.


Grafik: via @princess_redd / Twitter

Freitag, 12. April 2019

et factum est


Wo der deutschsprachige Leser des Evangeliums sich gewohnt hat an Formulierungen wie: Und es geschah…, da stehen im Lateinischen die Worte: Et factum est oder auch: et facta sunt (man lese nur mal etwa das erste Kapitel des Lukas-Evangeliums).

Als Lehnwörter sind diese Begriffe bekannt. Das Faktum benennt eine Tatsache, eine unumstößliche Wirklichkeit. Fakten sind gegeben, Fakten sind da.

Exakt dies will das Neue Testament betonen, wenn es von Jesus berichtet. Die Evangelisten, die Apostel, die Verkünder sind gestandene Augenzeugen, sie berichten nicht über Erfundenes oder über abstruse, verquere Hirngespinste, sondern über felsenfeste Fakten, die überprüfbar sind, die wortwörtlich begreifbar sind, über Tatsachen, an denen nicht zu rütteln ist, da sie nun mal Tatsachen sind. Punkt.

Vor allem der Evangelist Johannes wird nicht müde, seinen Zuhörern dieses Grundlegende immer wieder vor Augen zu führen. Z.B. im ersten seiner Briefe:

»Was von Anfang an war, was wir gehört haben, was wir mit unseren Augen gesehen, was wir geschaut und was unsere Hände angefaßt haben, das verkünden wir: das Wort des Lebens. Denn das Leben wurde offenbart; wir haben gesehen und bezeugen und verkünden euch das ewige Leben, das beim Vater war und  uns offenbart wurde. Was wir gesehen und gehört haben, das verkünden wir auch euch, damit auch ihr Gemeinschaft mit uns habt.» (1ff)

Und derselbe Evangelist prägt den Fundamentalsatz der Christologie, die Tatsache aller Tatsachen: Et verbum caro factum est – Und das Wort ist Fleisch geworden.

Es hängt nicht zuletzt mit der Insistenz des Christentums auf den Fakten zusammen, daß das Christentum durch die Jahrhunderte hin zur wohlfeilen Zielscheibe wurde. Wer Fakten benennt, zieht nämlich die klare Trennungslinie zwischen Tatsachen und Nicht-Tatsachen, zwischen Fakten und Fiktionen. Dies ist aber, gerade in der gegenwärtigen Zeit, Stein des Anstoßes schlechthin. Denn die Moderne oder Postmoderne oder Postpostmoderne rühmt sich, endlich jenseits der Fakten angekommen zu sein, im schieren Konstruktivismus – anything goes.

Zwei markante Beispiele unter multiplen anderen: Die Abtreibung und der Genderaberwitz.

Mit der aggressiven Durchsetzung der Abtreibung wurde in den sechziger Jahren die Wirklichkeit zum Nonsens herabgestuft. Gegen jede wissenschaftliche Evidenz und jeden bis dato unangefochtenen Konsens, daß nämlich der Zeitpunkt der Konzeption der Beginn der Schwangerschaft und also der Beginn des menschlichen Lebens ist, wurde nun plötzlich das ungeborene Kind zum bloßen Zellhaufen degradiert. Nicht das Faktum des Lebens in seinem frühesten Stadium zählte, sondern die Ideologie der Machbarkeit und deren faktenresistente Sicht der Dinge.

Fünfzig Jahre später treibt die Verweigerung der Fakten ihre dekadenten späten Blüten. Der Biologie an sich, den nackten organischen Tatsachen, wird nun der Garaus gemacht. Mannsein und Frausein, mit anderen Worten die Grunddaten menschlicher Existenz, sind neuerdings lediglich Konstrukte und folglich Modelliermasse nach Belieben. Chromosomen - beliebig. Neurologische Befunde - irrelevant. Zellulare Eindeutigkeiten - belanglos. Ein Irrsinn, zweifelsohne, aber dieser Irrsinn hat Methode und bringt es mittlerweile landauf landab zu hochdotierten und subventionierten Lehrstühlen.

Da ist es reine, kristallklare Luft, in die Welt der Evangelien und der neutestamentlichen Schriften insgesamt einzutreten. Es ist der Sauerstoff der taghellen Tatsachen. Und dieses Elixier ist dringender denn je benötigt – um widerständig zu sein, wenn die Welt ringsum den Nebel und das Närrische als die alleinseligmachende Droge verkauft.

Wie herrlich, wie einfach, wie wirklich:

»Denn wir sind nicht klug ausgedachten Geschichten gefolgt, als wir euch die machtvolle Ankunft unseres Herrn Jesus Christus kundtaten, sondern wir waren Augenzeugen Seiner Macht und Größe.« (2. Petrusbrief 1, 16)

Grafik: Photo by Robert Nyman on Unsplash