Dienstag, 3. August 2021

Hl. Giuseppe Moscati IV

Die Liebe

Bereits während seines Studiums hatte er die unsäglichen Reduktionen einer Wissenschaft erlebt, die sich dünkte, das neue, allumfassende Erklärungsmodell der Welt zu sein. Häckels antihumanes biogenetisches Grundgesetz war in aller Munde. Feuerbachs vernichtende Kritik am Christentum erreichte die Hörsäle. Darwins Abstammungslehre mutierte zur neuen Religion. Wissenschaft, so das mehr und mehr um sich greifende Dogma, hatte positivistisch zu sein, naturalistisch, materialistisch – so oder so ähnlich hießen die Schlagwörter. Davon hatte sich Moscati nie beeindrucken, geschweige denn anstecken lassen. Sein Glaube war der Glaube seiner Väter: Stark, erdverbunden, fest verwurzelt, demütig-einfach. Und dieser Glaube war kein Widerspruch zu seiner eifrig betriebenen Forschung, sondern erhellte und überwölbte das wissenschaftliche Erkannte, so daß es ein intelligentes Ganzes wurde. Nicht die pompöse Parole war Moscatis Motto, sondern die unauffällige Mystik der alltäglichen, treuen Tat, die die Hierarchie der Werte kennt:  »Nicht die Wissenschaft, sondern die Liebe hat die Welt verändert«, schrieb er einem seiner Studenten, und diese Liebe vermöge jeder zu leben.

Zu dieser gelebten Mystik gehört gleichfalls das geduldige Ertragen von Kollegenneid, von Verunglimpfungen und Verleumdungen. Er ist bekannt dafür, daß er unfaire Stellenbesetzungen freimütig ablehnt, ebenso die Postenschieberei gemäß Beziehungen und gesellschaftlichem Einfluß. 

Mit 42 Jahren, im Oktober 1922, als ihn körperliche Schmerzen und die Opposition eines Kollegen, den er unterstützt hatte, besonders heimsuchen, gibt er sich selbst die Weisung: »Liebe die Wahrheit; zeige dich, wie du bist, ohne Verstellung, ohne Angst und ohne Rücksicht. Und wenn dich die Wahrheit Verfolgung kostet, so nimm sie an; und wenn es eine Qual ist, ertrag sie! Und wenn du für die Wahrheit dich selbst und dein Leben opfern müßtest, sei stark im Leid.«

Mit dieser Haltung des aufrechten Ganges geht Hand in Hand der gerade, weite Blick. Kunst interessiert ihn, ebenso Architektur und die klassische Antike. 1923, während der Sommerzeit, reist er nach Paris und London. In der englischen Hauptstadt besucht er die National Gallery und ist, wie er später notieren wird, begeistert von den großen italienischen und flämischen Malern - da Vinci, Rubens, van Dyck. Aber auch ein Zeitgenosse, der große amerikanische Portraitist John Singer Sargent, findet seine Bewunderung.

In den, nach Moscatis Tod, gesammelten Berichten und Zeugnissen fällt eines auf: Gleich ob Patient, Professor, Kollege, Student, Freund, sämtliche Gefährten auf dem Wege sind berührt von der ausstrahlenden Güte des bescheidenen Arztes. Diese ist offensichtlich keine aufgesetzte Pose, sondern der Habitus desjenigen, der in seinem Tagebuch festhält: »Deine Liebe, Herr, lenkt mich hin zu den Menschen und zur Schönheit alles Geschaffenen, zu Deinem Abbild und Gleichnis.« 

Grafik: Kapelle zu Ehren des Heiligen in Neapel. Mit Dank an: sacerdos-viennensis.blogspot.com

Samstag, 17. Juli 2021

Hl. Giuseppe Moscati III

Der Dienst

Es mag erstaunen, wenn man in einem Tagebucheintrag Moscatis, adressiert an die »Jungfrau Maria«, liest: »Das Leben ist jetzt für mich eine Pflicht. Du vereinst meine wenigen Kräfte, um sie für meine Mission umzuwandeln. Allzu sehr hat mich die Nichtigkeit der Dinge, vielleicht der Ehrgeiz, stärker an Wissen und Geist erscheinen lassen, als ich wirklich bin.«

 

Es ist das Geheimnis des Dienstes. Seine Überlegung, bei den Jesuiten einzutreten, scheitert. Man rät ihm, seine Aufgaben in der Welt fortzusetzen. Und er versteht mehr und mehr seine Sendung. Nicht er, Moscati, ist der große Arbeiter, sondern der Herr, der sich seiner bedient, um zu den Menschen, zumal den Leidenden, zu kommen. 

Moscati bezieht seine Kraft vor dem Tabernakel, im Knien. Bevor er seine Patienten untersucht, macht er sich der Gegenwart Gottes bewußt. Kranke, zumal solche, denen eine Operation bevorsteht, ermutigt er, die Sakramente zu empfangen. Manche Kranke vermag er wundersam zu diagnostizieren und zu kurieren, ohne sie auch nur von Auge zu Auge gesehen zu haben.

Sein Beichtvater ist P. Pio, der stigmatisierte Kapuzinerpater, der Jahre später mehr und mehr berühmt werden wird. Wenn es die Umstände erlauben, ministriert Moscati beim heiligen Meßopfer. Seine Liebe zur Muttergottes ist bleibend, sie beginnt in früher Kindheit. Es ist das Hochfest der Muttergottes, der 8. Dezember, Tag der ohne Erbsünde empfangenen Gottesmutter Maria, an dem er die Erste Heilige Kommunion empfängt. Der Rosenkranz ist sein ständiger Begleiter, in einer Kirche, vor dem Bild der Muttergottes, legt er in jungen Jahren sein Keuschheitsgelübde ab, das Angelusgebet strukturiert wie selbstverständlich seinen Tagesablauf, der schließlich rund um die Uhr ein ausgefüllter ist. 

Visiten (in Notfällen auch nachts), Operationen, Untersuchungen, Besprechungen, Vorlesungen, Forschungsarbeit, wissenschaftliche Publikationstätigkeit, Erledigung von Verwaltungsaufgaben, zudem die Patientenbetreuung in der Privatpraxis zuhause. Oft genug geschieht es, daß er die mittellosen Patienten ohne Honorar behandelt. Oder es kommt vor, daß er einen Patienten mit einem Kuvert nach Hause schickt, und in dem Umschlag ist das Rezept und ein 50-Lire-Geldschein, um das Rezept einzulösen.

Er ist der Arzt, der sich hingibt, ohne zu murren, ohne sich wichtig zu machen. Denn er liebt seinen Beruf, er weiß um das hohe Ethos des Arztes, er wird nicht müde, seinen Studenten die Schönheit der medizinischen Mission zu vermitteln und sie anzuspornen, Ärzte zu sein, die ihrer großen Verantwortung bewußt sind. Er ist Mitglied der Königlichen Akademie der Chirurgischen Medizin und Leiter mehrerer Hospitäler. In seinem Laboratorium forscht er unermüdlich, er gehört zu den Pionieren der Insulin-Forschung und der modernen Biochemie. Aber er weiß zugleich um die Begrenztheit jeder menschlichen Kenntnis und daß es eitel ist, der Wissenschaft einen unfehlbaren, absoluten Rang zu geben, der ihr per definitionem nicht zusteht.

In einem Brief vom 4. September 1921 heißt es: »Bedenken Sie, daß Sie mit dem Beruf des Arztes eine große Sendung auf sich genommen haben. Harren Sie darin aus, mit Gott im Herzen, mit den Lehren Ihres Vaters und Ihrer Mutter vor Augen, mit Liebe und Mitgefühl für die Verlassenen, mit Glaube und Begeisterung, taub für Lobsprüche, unbeugsam gegenüber dem Neid, zum Guten bereit.«

Zwei Jahre später schreibt er demselben Adressaten: »Ja, was können wir Ärzte denn eigentlich? Sehr wenig! Und darum wollen wir der Seele helfen, wenn wir dem Körper nicht helfen können.«


Grafik: Die Reliefs zeigen die dreifache Tätigkeit Moscatis, links der Professor mit den Studenten, rechts als Arzt im Spital und in der Mitte der Heilige, erleuchtet durch die hl. Eucharistie. sacerdos-viennensis.blogspot.com


Samstag, 3. Juli 2021

Hl. Giuseppe Moscati II

Die Medizin

Wie es überhaupt dazu kommt, daß Moscati, der als siebtes von neun Kindern aus einer angesehenen Juristenfamilie stammt, nicht gleichfalls die juristische Laufbahn einschlägt, sondern die Medizin als sein Fach wählt, entzieht sich genauer Kenntnis. Einer seiner Biographen verzeichnet eine frühe Reminiszenz Moscatis; da heißt es: »Als Knabe schaute ich mit Interesse auf das Krankenhaus der Unheilbaren, auf das mein Vater mich von der Terrasse unseres Hauses hingewiesen hatte. Der Anblick gab mir Empfindungen des Mitleids ein mit dem namenlosen Leid, das in jenen Mauern gelindert wurde. Eine heilsame Verwirrung erfaßte mich, und ich fing an, an die Hinfälligkeit aller Dinge zu denken, und die Illusionen vergingen, so wie die Blüten von den Orangenbäumen fallen.«

Und die Illusionen vergingen … Moscati ist dreizehn, vierzehn Jahre alt, Gymnasiast in Neapel, als ihm die Hinfälligkeit der Dinge in der eigenen Familie drastisch vor Augen geführt wird.

Einer seiner Brüder, Alberto, der, zehn Jahre älter als Giuseppe, neunzehnjährig zum Artillerieleutnant in der Militärakademie zu Turin avanciert ist, kehrt 1893 zu seiner Familie nach Neapel zurück. Er ist schwerkrank. Was ist passiert? Bei einer Militärparade stürzt der versierte Reiter Alberto von seinem Pferd und schlägt mit dem Kopf auf dem Boden auf. Danach ist er für immer gezeichnet. Der Sturz hat schwere Hirntraumata ausgelöst, die trotz etlicher Kuren und Therapien nicht heilen. Alberto, der ein Jahr lang seinen Zustand vor der Familie geheim hält und auf Heilung hofft, muß schließlich 1893 krankheitsbedingt seinen Militärdienst aufgeben und nach Hause zurückkehren. Er ist Invalide, schwere, epileptische Anfälle und Krämpfe beeinträchtigen ihn sein Leben lang.

Giuseppe, der jüngere Bruder, sitzt oft bei Alberto, nimmt wahr, wie viel Pflege der Kranke braucht, erkennt die körperlichen und seelischen Bedürfnisse seines Bruders. 

Vier Jahre später, 1897, immatrikuliert er sich an der Fakultät in Neapel im Fach Medizin. Nur zwei Monate später, im Dezember desselben Jahres, stirbt plötzlich sein Vater im Alter von 61 Jahren. Der Tod des Familienoberhauptes, der noch die Sterbesakramente empfangen kann, ist für alle ein Schlag. Giuseppe, dies geht aus seinen Aufzeichnungen hervor, hat seinen Vater sehr verehrt. Oftmals begleitet er den angesehenen Juristen zur heiligen Messe. Das väterliche Vorbild ist für das Leben des Sohnes prägend. Der Vater strahlt aus in der Familie - durch seine Güte, seine Autorität, seine durch und durch unprätentiöse, starke, gefestigte Frömmigkeit. Und Giuseppe eifert diesem Vorbild nach.

1903 wird er zum Doktor med. promoviert. Seine Leistungen sind hervorragend, und dies wird so bleiben. In den etwas mehr als zwanzig verbleibenden Jahren bis zu seinem Tod wird er in der wissenschaftlichen Welt als medizinischer Experte bekannt und anerkannt. 1911 erhält er den Doktortitel in physiologischer Chemie. Etliche Publikationen tragen seinen Namen, »seine Forschungen über Art und Wirkung des Glykogens«, so einer seiner Biographen, »erregten Aufsehen in der Fachwelt.« 

Doch trotz seiner fachärztlichen Reputation und seiner späteren Professoren- und Dozententätigkeit, die eine lukrative Karriere, Ruhm und Prestige geradezu nahelegen, wählt Moscati den Weg der Einfachheit und des unauffälligen Dienstes bei den Kranken. Er bleibt exakt dort, wohin sein früher, kindlicher Blick einst gerichtet war: In Santa Maria del Popolo, im Spital der Unheilbaren.

Und er ist von Anfang an der Arzt, der im leidenden Patienten mehr wahrnimmt als den Bettlägerigen, den Kranken, den nicht mehr Funktionierenden. Da Moscati, bevor er seinen Dienst aufnimmt, sich angewöhnt, die Morgenmesse zu besuchen und die heilige Kommunion zu empfangen, ist die Arbeit im Spital eine verwandelte. Im Patienten begegnet ihm das Antlitz des leidenden Christus, und dies nicht als fromme Phrase dahergesagt, sondern als tatsächliche nackte Erfahrung. Es ist das, was Mutter Teresa, Jahrzehnte später, immer wieder betonen wird: Daß das Brot des Lebens, welches der Gläubige in der heiligen Kommunion empfängt, derselbe Leib ist, den man berührt, wenn man den Leib des Kranken, des Aussätzigen, des Armen berührt.

Und Giuseppe Moscati berührt die Armen, auch unter Lebensgefahr. Als im April 1906 der Vesuv ausbricht und die Dorfbevölkerung an den Abhängen des Berges akut gefährdet sind, begibt sich Moscati freiwillig in die Gefahrenzone, um der heimgesuchten Bevölkerung beizustehen. Er ist es, der unter Einsatz des eigenen Lebens dafür sorgt, daß in der Kleinstadt Torre del Greco, die nur wenige Kilometer entfernt vom Krater liegt, Alte und Kranke aus dem städtischen Hospital evakuiert werden. Es gelingt ihm, alle Patienten ins rettende Freie zu bringen; danach stürzt das Spitalsgebäude unter dem Aschenregen und dem Lavagestein ein. Als er zwei Tage danach den Generaldirektor des Spitalswesens in einem Brief ersucht, den ehrenamtlichen Helfern eine Belohnung zukommen zu lassen, bittet er im selben Brief: „Ich bitte Sie, erwähnen Sie meinen Namen nicht.“

Fünf Jahre später, als in Neapel eine furchtbare Choleraepidemie ausbricht, ist Moscati wiederum zur Stelle und schont sich nicht. Er geht in die Elendsquartiere, hilft selbstlos Tag und Nacht, ordnet sanitäre Rettungsmaßnahmen an, koordiniert die Hilfetrupps. 

Im Ersten Weltkrieg meldet er sich zum Einsatz, wird aber abgelehnt. Dies veranlaßt ihn, ein Spital für die Verwundeten des Krieges zu eröffnen, in dem er schätzungsweise 3000 Soldaten betreut. Dies alles in einer unspektakulären Weise, der es nicht um Sensationen und Rampenlicht geht, sondern um das Notwendige, das es zu tun gilt.

Grafik: Arbeitszimmer Moscatis. Sacerdos-viennensis.blogspot.com

Freitag, 25. Juni 2021

Hl. Giuseppe Moscati

Teil I

Es ist der 14. Februar 1927. 

In Neapel findet in der medizinisch-chirurgischen Akademie eine Konferenz statt, auf welcher der bekannte Psychiatrieprofessor, Gehirnforscher und ehemalige Bildungsminister Leonardo Bianchi spricht. Bianchi gehört zu den Wissenschaftlern, die streng positivistisch vorgehen. Sein Hauptwerk ist die Meccanica del cervello (Die Mechanik des Gehirns). Der Mensch gilt gleichsam als eine Art Maschine, die analysiert und erforscht wird. Die Frage nach der Geschöpflichkeit des Menschen, gar die Frage danach, ob der Mensch als das der Transzendenz fähige Wesen (Augustinus sprach davon, daß der Mensch capax Dei sei und also gottfähig) nicht mehr ist als seine biologisch meßbaren Funktionen, diese Frage wird bewußt ausgeklammert.

Als der berühmte Redner, der umgeben ist von Professoren, Ärzten, Studenten, schließlich aufsteht, passiert das Unvorhergesehene: Professor Bianchi bricht zusammen.

Und ein weiteres Unvorhergesehenes geschieht. Es ist offensichtlich, daß die Augen des Sterbenden jemanden aus dem Auditorium suchen. Dieser Jemand ist der Arzt Giuseppe Moscati, der den stummen, flehentlichen Anruf des Sterbenden schlagartig erfaßt. Er geht zu dem tödlich Getroffenen und kniet an dessen Seite nieder. Bianchi umklammert die Hand Moscatis. Es ist sehr still im Raum, als Moscati die Order erteilt: »Ruft einen Priester!«

Und dann betet Moscati im Angesicht des Sterbenden laut die katholischen Reuegebete, die der am Boden Liegende stammelnd nachspricht.

Moscati, der nur knapp zwei Monate später selbst an seinem letzten Tag ankommen wird, schreibt wenige Tage nach dem Tod Bianchis an dessen Nichte, eine Ordensschwester, einen Kondolenzbrief. Darin heißt es: »An Ihrem Onkel hat sich bewahrheitet, was die Parabel des Evangeliums sagt: Die zur elften Stunde kommen, werden den gleichen Lohn empfangen, wie die zur ersten Stunde Gerufenen. Ich spüre noch immer den Blick, der mich dort unter den vielen Menschen suchte. Leonardo Bianchi wußte um meine religiöse Einstellung, denn er kannte mich seit meiner Studentenzeit. Ich ging zu ihm hin und betete ihm die Worte der vertrauenden Reue vor, während er meine Hand hielt, kaum noch fähig zu sprechen.«

Diese Zeilen Moscatis sind um so erstaunlicher, wenn man bedenkt, was der Briefschreiber zusätzlich notiert: »Ich wollte nicht zu jener Konferenz gehen, da ich mich schon eine Zeitlang von der Universität ferngehalten hatte. Aber an jenem Tag drängte mich eine übernatürliche Macht dorthin, der ich nicht zu widerstehen vermochte.«

In dieser kurzen Episode aus dem Leben des heiligen Arztes Giuseppe Moscati läßt sich wie in einem Brennpunkt bündeln, was Moscati auszeichnet. Hier ist ein Mensch, der als Arzt sich zeit seines Lebens um das leibliche Wohl seiner Patienten sorgt, der aber darüber nie vergißt, daß die Seele derselben Patienten gleichfalls ihre Rechte beansprucht, denn diese Seele ist kein Konstrukt obsoleter Theologen, sondern Realität, ja die Wirkmacht, die den Leib, den gesunden wie den kranken, formt und zusammenhält.

Darum wird Moscati nicht müde, seinen Studenten oder seinen Kollegen das Wesentliche in stets neuen Anläufen zu vermitteln. Er spielt nicht den medizinischen Beruf gegen die Seelsorge aus. Was er tut, ist, die Gewichte recht zu justieren: »Wir Ärzte, die wir oftmals nicht in der Lage sind, die Krankheit zu beheben, sind gesegnet; wir sind gesegnet, wenn wir uns in Erinnerung rufen, daß wir in der Gegenwart kranker Menschen nicht bloß Leiber kurieren, sondern ebenso göttliche und ewige Seelen, und wir müssen sie lieben wie uns selbst.«

Grafik: wikicommons

Montag, 21. Juni 2021

»Denn die Schöpfung…


 … wartet sehnsüchtig auf das Offenbarwerden der Söhne Gottes.« 
(Römerbrief 8,19)
 
 
Grafik: Twitter, Dominikus J. Kraschl OFM

Samstag, 12. Juni 2021

2 Sekunden

Wie stellt man in der Gebärdensprache die Abtreibung dar?


 

2 Sekunden, um die Tötung eines ungeborenen Kindes darzustellen. Da erübrigt sich jeder Kommentar.


Quelle: https://www.youtube.com/watch?v=gTOpXthCf4k

Samstag, 5. Juni 2021

Mon Dieu !

(für Sr. M. E.)

       »Wenn Sie einer Frau mitteilen, daß etwas getan werden sollte, besteht immer die schreckliche Gefahr, daß sie es plötzlich tut.«

Gilbert Keith Chesterton

Montag, 31. Mai 2021

Neue Schöpfung

Gibt es das? Neue Schöpfung? Genauer: Neue Schöpfung nach einem ruinierten Leben?

Für den Apostel Paulus ist das keine Frage, sondern eine Gewißheit, wenn er schreibt: »Wenn also jemand in Christus ist, dann ist er eine neue Schöpfung: Das Alte ist vergangen, Neues ist geworden.«

Paulus benennt hier, was die Taufe tatsächlich ist: Hineingeboren werden in Christus und damit der Beginn des neuen Lebens, des christlichen Lebens.

Ist diese paulinische Theologie nicht zu schön, um wahr zu sein?

Reden wir mal über Torsten Hartung.

Hartung ist ein verurteilter Mörder. Sein Leben: Von früh auf eine Katastrophe. Ein kalter, gewalttätiger Vater. Eine kalte, lieblose Mutter. Der geprügelte, getretene, verstoßene Junge – das ist die tägliche Erfahrung. Auch in der Schule.

Doch das geschlagene Kind schlägt irgendwann zurück. Um zu überleben in einer Welt des Brutalen, trainiert sich Hartung die Härte an. Und das funktioniert. Als Jugendlicher und junger Mann ist er bald der Schläger und der Unbesiegte.

Und so geht es weiter. Erste Gefängnisaufenthalte folgen. Die Spirale von Gewalt, Kriminalität, Haß und Mißbrauch nimmt ihren Lauf. Menschen sind dazu da, gebraucht und ausgenutzt zu werden. Liebe? Ein Fremdwort. Hartung beweist, »wie böse ich bin«.

Und dann eines Tages der Mord. Ein Komplize der Autoschieberbande, deren Boß Hartung ist, hintergeht ihn. Hartung macht, als er es erfährt, kurzen Prozeß mit Dieter. Er bringt den Anderen um. Kaltblütig.

Wenig später fliegt die Verbrecherbande auf. Hartung wird, ebenso wie seine Komplizen, verhaftet und verurteilt. Hartung bekommt fürs erste fünf Jahre Einzelhaft.

Und jetzt, in der Einsamkeit und Ausgesetztheit der Zelle, allein mit dem Tagebuch, in welches er seine verzweifelten, auf ihn einstürzenden Gedanken aufzuschreiben beginnt, fängt ein anderer Prozeß an: Die Frage Hartungs nach seiner Schuld. Und die Frage, wie mit dieser Schuld umzugehen ist? Es ist ein Prozeß, in dem der Täter mehr und mehr erkennt, wer er wirklich ist und wie er zu dem geworden ist, der er ist.

Und: Hartung findet in der Ehrlichkeit der Selbstentblößung zum Glauben. Wer will, kann das nachlesen in seinem ergreifenden Rechenschaftsbericht, den er nach Abbüßung seiner fünfzehnjährigen Haftstrafe schließlich veröffentlicht.

Was hier interessiert, ist dies: Hartungs Bekehrungsweg führt ihn schließlich in die katholische Kirche. Am 20. Juni 2000 läßt er sich, nach einer intensiven Zeit der betenden und fastenden Vorbereitung, in der Kapelle der Justizvollzugsanstalt Berlin-Tegel vom Gefängnispfarrer taufen.

Neue Schöpfung? 

»Erst später«, so der kurze Satz in Hartungs Rechenschaftsbericht Du mußt dran glauben, »wird ihm bewußt, daß die Taufe auf den Tag genau acht Jahre nach dem Mord an Dieter stattfindet.«