Samstag, 19. September 2020

Wagner, Proust und der dritte Mann

Proust verfaßt sein Werk in einem korkisolierten Zimmer. Das ist mehr als eine biographische Anekdote. Es zeigt den Künstler als kranken Magier, abgeschottet in seiner isolierten Kammer, in der der Zaubertrank gegoren wird, die kreisende Syntax, die den Leser hypnotisiert.

Prousts Zimmer ist bei Wagner längst zum Tempel mutiert. Bayreuth: Das große Musenkorkzimmer. Esoterisch. Megaloman. Abgehoben.
       
Es hängt mit der zeremoniellen Geste des Eingeweihten zusammen, daß man Tragisches bei Wagner und Proust vergebens sucht. Das Tragische setzt voraus, daß die leidende Person von dieser Welt ist und in dieser alltäglichen Welt den Konflikt widerstreitender Kräfte erfährt. Was aber nun, wenn die Personen in einer durch und durch artifiziellen Welt sich bewegen? Dann sind die Zusammenballungen weder tragisch noch erschütternd noch kathartisch, sondern konstruiert. Und das Konstruierte erschüttert nicht, sondern läßt genießen. Der Leser/Hörer wird zum Gourmet, entzückt ob des Raffinements der Konstruktion.

Siegmund und Sieglinde in der Walküre schwören sich die ewige Liebe und schmachten dementsprechend. Doch bei aller Inbrunst und der berauschenden Wagnerschen Musik (und so süß die Sinne mir zwingt) sollte der Hörer nicht vergessen, wer hier in der Brunst ist: Zwei Geschwister. Mit anderen Worten ein inzestuöses Paar, welches nicht dadurch seine Weihe erfährt, daß es Wagner zu Wälsungen stilisiert. Inzest bleibt Inzest. Und das konstruierte Liebesverhältnis ist, was es ist, ein anrüchiges, krampfhaft konstruiertes.

Proust seinerseits treibt die Konstruktion auf die Spitze, und dies in weitreichendem Maße. Je weiter die Recherche voranschreitet, desto mehr Akteure werden als invers demaskiert, so als sei der Proustsche Kosmos insgesamt ein invertierter. Doch auch dies ist kein objektiver Befund, sondern Konstrukt der sehr spezifischen Proustschen Phantasie.

Was sie beide können: Mit überfeinerten, brillanten Mitteln, ihr künstliches Panorama derart zu präsentieren, daß dem Leser und Hörer die Sinne schwinden. Prousts mäandrierende Syntax ist einem Malstrom nicht unähnlich, in dessen Verwirbelungen der Leser mogligleich dem Schlangenbeschwörer Proust verfällt. Und Wagners sirrender Sound, den Harnoncourt, Tristan betreffend, »die komponierte Unmoral« nannte, narkotisiert, bis der Hörer den Pomp an weiblichen Brustharnischen und allerlei anderem Popanz vergißt, denn die Klänge berauschen halt so schön, und der Ritter ist ein schmucker Schwanenritter, und die holde Isolde singt sich ohrenbetäubend zu Tode…

Überhaupt, die Narkose. Ihr geht es letztlich nicht um die Darstellung des Faktischen, sondern um das Schwelgen im subjektiven Extrem. Daß Wagner seine Libretti selbst verfaßt, liegt nicht daran, daß er ein so begnadeter Wortkünstler gewesen wäre. Vielmehr will er auch die Sprache so lange kneten, bis sie beiträgt zum babylonischen Turm, der perfekten Kunstblase. Also wird die arme Sprache gestriezt bis zum Gehtnichtmehr, maßlose Alliterationen werfen ihr Netz der Unsäglichkeit aus, bis in den wabernden Wogen des Weialaweia der wissende Wille erliegt. Und Prousts besessener Umgang mit den Details ist nicht der Suche nach Faktizität geschuldet, sondern dem Ehrgeiz des Egomanen, der jede kleinste Befindlichkeit benutzt, um die subjektive laterna magica in bengalischem Licht glitzern zu lassen.

Man kann es auch so nennen: Beiden, Wagner wie Proust, geht es um Verführung, um Verführung zum Subjektiven. In Prousts Sätzen geht man unter, denn das Proustsche Ich bläht sich bei zunehmender Lektüre auf die Weise auf, daß der Andere nur mehr Requisit ist in der Umlaufbahn Marcels. Und es soll Wagnerhörer geben (nicht nur Nietzsche), die irgendwann sagten: »Es reicht« und nie mehr Wagner hörten. Sie hatten genug von der sirenenhaften Verführungsmacht, die sie auszulöschen drohte. Von Verdihörern ist mir solche Askese nicht bekannt.

Ein Letztes: Beider quasi religiöser Anspruch. Bayreuth ist nicht nur ein Theater unter anderen, und Parsifal nicht nur eine Oper unter anderen. Weit gefehlt. Bayreuth ist der Musentempel, in dem die Bühnenweihfestspiele aufgeführt werden. Gott ist zwar tot, doch Pilger gibt es allemal. Nur wallen die neuen Pilger nicht länger in die Kirche, sondern auf den grünen Hügel. Und dort erwartet sie nicht das Sakrale, sondern das Surrogat, das sogenannte Gesamtkunstwerk.

Und Proust? Man weiß, daß die mittelalterliche Kathedralenarchitektur Proust Bewunderung abnötigte. Das Licht der Kathedrale. Die große Rosette. Das Maßwerk. Die Symphonie der Steine. Das vollendete Chartres. Also will die ehrgeizige Recherche gleichfalls Kathedrale sein. Eine Kathedrale aus Sätzen. Aber auch hier: Die Kathedrale bleibt innerlich leer. Es ist die säkularisierte Kathedrale, in der Gott abwesend ist. Das perfekte mondäne Museum.

Wer auf der Suche nach einem Zeitgenossen ist, der das exzentrische Tandem komplettiert, der wird in Österreich fündig. Thomas Bernhard heißt der dritte Mann.

Grafik: Pieter Bruegel der Ältere, Turmbau zu Babel (KHM, Wien). wikicommons


Freitag, 11. September 2020

Ich weiß, wie es riecht

Sie arbeitete acht Jahre lang für das berüchtigte Abtreibungsnetzwerk Planned Parenthood. Zuletzt war sie Chefin einer der Abtreibungsstätten. Und dann passierte es…


Abby Johnson – auch sie hielt beim heurigen Parteitag der Republikaner eine fulminante Rede, in der sie die menschenverachtende Agenda von Planned Parenthood, die sich vorzugsweise hinter blumigen Floskeln versteckt, schonungslos demaskierte. Eine Rede, nach der etliche Zuhörer sagten: Jetzt weiß ich, was Abtreibung ist.


Hier, in Übersetzung, die Kernaussagen der Rede.

Als ich auf dem College war, sprach mich Planned Parenthood auf einer Werbeveranstaltung für freiwillige Mitarbeiter an. Sie redeten davon, Frauen in Krisensituationen zu helfen und über ihr Engagement für eine »sichere, legale und seltene« Abtreibung.

Ich wurde überzeugt, mich zu bewerben, und später bot man mir eine Vollzeitstelle als medizinische Assistentin an, bevor ich zum Direktor der Klinik befördert wurde. Ich glaubte wirklich, daß ich Frauen helfen würde.

Aber 2009 änderten sich die Dinge dramatisch.
Im April wurde ich als Mitarbeiterin des Jahres von Planned Parenthood ausgezeichnet und zu ihrer jährlichen Gala eingeladen, wo sie den Margaret-Sanger-Preis überreichen, der nach ihrer Gründerin benannt ist.

Margaret Sanger war eine Rassistin, die an Eugenik glaubte. Ihr Ziel bei der Gründung von Planned Parenthood war die Ausrottung der Minderheitenbevölkerung.

Heute befinden sich fast 80% der Abtreibungseinrichtungen von Planned Parenthood strategisch geschickt in Minderheitenvierteln; und jedes Jahr feiert Planned Parenthood ihre rassistischen Wurzeln mit der Verleihung des Margaret-Sanger-Preises.

Später, im August, wies mir meine Vorgesetzte eine neue Quote zu. Eine Abtreibungsquote. Man erwartete von mir, daß ich doppelt so viele Abtreibungen verkaufe wie im Vorjahr.

Als ich dagegen hielt und das öffentlich propagierte Ziel von Planned Parenthood unterstrich, nämlich die Zahl der Abtreibungen zu senken, wurde ich zurechtgewiesen und mir wurde gesagt: »Mit Abtreibungen machen wir unser Geld.«
Aber der Wendepunkt kam einen Monat später, als ein Arzt mich bat, bei einer ultraschallgesteuerten Abtreibung zu assistieren.

Nichts bereitete mich auf das vor, was ich auf dem Bildschirm sah - ein ungeborenes Baby, das sich wehrte und verzweifelt versuchte, der Absaugung zu entkommen. Und ich werde nie vergessen, was der Arzt als nächstes sagte: »Beam mich hoch, Scotty.«

Das Letzte, was ich sah, war eine Wirbelsäule, die sich im Mutterleib drehte, bevor sie der Kraft des Abtreibungssogs erlag.

Am 6. Oktober verließ ich die Klinik. Und wenn ich zurückschaue, dann nur, um mich daran zu erinnern, warum ich jetzt so leidenschaftlich für das Leben eintrete.

Ich gründete und leite derzeit And Then There Were None, eine Non-Profit-Organisation, die fast 600 Angestellten beim Ausstieg aus der Abtreibungsindustrie geholfen hat.

Für die meisten Menschen, die sich für das Leben einsetzen, ist Abtreibung abstrakt. Sie können sich die Barbarei nicht einmal vorstellen.

Sie wissen nichts über den Raum Products of Conception (Produkte der Empfängnis) in Abtreibungskliniken, wo Kinderleichen wieder zusammengesetzt werden, um sicherzustellen, daß nichts im Mutterleib zurückbleibt; oder daß wir Witze gemacht und diesen Raum Pieces of Children (Stücke von Kindern) genannt haben.

Sehen Sie, für mich ist die Abtreibung real.

Ich weiß, wie das klingt. Ich weiß, wie es riecht. Wußten Sie, daß Abtreibung überhaupt einen Geruch hat? Ich war der Täter - diesen Babys gegenüber - diesen Frauen gegenüber.

Und jetzt unterstütze ich Präsident Trump, denn er hat mehr für die ungeborenen Kinder getan als jeder andere Präsident (...)

 

Freitag, 4. September 2020

Pro eternal life

Auf dem heurigen Parteitag der Republikaner in den Vereinigten Staaten, am 26. August,  hielt die Ordenschwester Deirdre »Dede« Byrne, MD eine knapp vierminütige Rede, der ein bekannter kanadischer Priester das Prädikat »epic« verlieh. Eine durch und durch uneitle Rede, in der jedes Wort sitzt. Hier der Beitrag von Sister Deirdre in deutscher Übersetzung:
 

Guten Abend,

ich bin Schwester Dede Byrne und gehöre der Gemeinschaft der Kleinen Arbeiter der Heiligsten Herzen Jesu und Mariens (Community of the Little Workers of the Sacred Hearts of Jesus and Mary) an. Am vergangenen 4. Juli hatte ich die Ehre, einer der Gäste beim Salute to America Festakt des Präsidenten zu sein.

Ich muß gestehen, daß ich kürzlich in der Kapelle betete und Gott gebeten habe, mir zu erlauben, eine Stimme, ein Instrument für das menschliche Leben zu sein. Und jetzt bin ich hier und spreche vor dem Nationalkonvent der Republikaner. Ich denke, Sie sollten gut achtgeben, wofür Sie beten.

Mein Weg zum Ordensleben war kein gewöhnlicher, wenn es überhaupt so etwas gibt. 1978 trat ich als Medizinstudentin an der Georgetown-Universität in die Armee ein, um meine Studiengebühren zu finanzieren. Am Ende widmete ich mich 29 Jahre lang dem Militär und diente als Ärztin und Chirurgin an Orten wie Afghanistan und der ägyptischen Sinai-Halbinsel.

Nach viel Gebet und Kontemplation trat ich 2002 in meinen Orden ein und diente den Armen und Kranken in Haiti, im Sudan, in Kenia, im Irak und in Washington, D.C.

Demut ist die Grundlage unseres Ordens, weshalb es mir schwerfällt, über mich zu sprechen. Aber ich kann über meine Erfahrungen bei der Arbeit mit Menschen sprechen, die aus kriegszerstörten und verarmten Ländern auf der ganzen Welt fliehen. Diese Flüchtlinge teilen alle eine gemeinsame Erfahrung. Sie wurden alle an den Rand gedrängt, als unbedeutend, machtlos und stimmlos betrachtet. Und während wir dazu neigen, die ins Abseits Geschobenen derart zu betrachten, als würden sie außerhalb unserer Grenzen leben, ist in Wahrheit die größte an den Rand gedrängte Gruppe der Welt hier in den Vereinigten Staaten zu finden: Es sind die Ungeborenen.

Als Christen begegnen wir Jesus zum ersten Mal als berührenden Embryo im Schoß einer unverheirateten Mutter und sehen ihn neun Monate später als Neugeborenen in der Armut einer Höhle. Es ist kein Zufall, daß Jesus für Gerechtigkeit eintrat und schließlich gekreuzigt wurde, weil das, was er sagte, weder politisch korrekt noch zeitgeistgemäß war.

Als Nachfolger Christi sind wir aufgerufen, für das Leben einzutreten, gegen die politisch korrekten oder zeitgeistgemäßen Aussagen von heute. Wir müssen gegen eine Gesetzgebung ankämpfen, welche die Zerstörung des Lebens im Mutterleib unterstützt und sogar zelebriert.

Denken Sie daran, daß die Gesetze, die wir schaffen, Auswirkung darauf haben, wie wir unser Menschsein verstehen. Wir müssen uns fragen: Was sagen wir, wenn wir in den Mutterleib eindringen und ein unschuldiges, machtloses, stimmloses Leben auslöschen?

Als Medizinerin kann ich ohne zu zögern sagen: Das Leben beginnt mit der Empfängnis. Auch wenn das, was ich zu sagen habe, für manche schwer zu hören sein mag, sage ich es, weil ich nicht nur für das Leben bin, sondern für das ewige Leben. Ich möchte, daß wir alle eines Tages gemeinsam im Himmel ankommen.

Das bringt mich dazu, warum ich heute hier bin. Donald Trump ist der entschiedenste Pro-Life-Präsident, den diese Nation je hatte, er verteidigt das Leben in allen Phasen. Sein Glaube an die Unantastbarkeit des Lebens geht über die Politik hinaus. Präsident Trump wird sich gegen Biden-Harris stellen, die die lebensfeindlichste Präsidentschaftskandidatur aller Zeiten sind und selbst den Horror der Spätabtreibung und des Infantizids unterstützen. Aufgrund seines Muts und seiner Überzeugung hat sich Präsident Trump die Unterstützung der Pro-Life-Gemeinschaft Amerikas verdient. Darüber hinaus stehen landesweit Gläubige hinter ihm. Sie finden uns hier mit der Waffe, die wir wählen - dem Rosenkranz. Ich danke Ihnen, Herr Präsident, wir alle beten für Sie.


Freitag, 28. August 2020

Die Traube

»(…) in der Kelter ist fruchtbare Bedrängnis. Am Rebstock spürt die Traube keine Bedrängnis, sie scheint unversehrt, doch strömt nichts von ihr aus; sie wird in die Kelter getan, getreten, gepreßt. Mißhandlung scheint man der Traube zuzufügen, aber diese Mißhandlung ist nicht unfruchtbar; vielmehr, wenn keine Mißhandlung hinzukäme, dann bliebe sie unfruchtbar (…) Wenn du also keine Verfolgung für Christus leidest, gib acht, ob du etwa noch nicht begonnen hast, in Christus fromm zu leben. Hast du aber begonnen, in Christus fromm zu leben, so hast du die Kelter betreten; bereite dich vor auf Bedrängnis, aber sei nicht verdorrt, daß etwa von der Bedrängnis nichts ausströmt.«

Hl. Augustinus, enarrationes in psalmos 55,3-4 (Übersetzung: Michael Fiedrowicz)


Grafik: Photo by Tetiana Shyshkina on Unsplash

Samstag, 22. August 2020

Blau

                                   

 »Blau ist überhaupt Freude. Blau erquickt.«

  Romano Guardini  

 

Grafik: Michelangelo, Jüngstes Gericht. wikicommons

Freitag, 14. August 2020

Die Schönheit, die nicht von dieser Welt ist

Gott ist schön. Die Schönheit, das pulchrum, ist eine der sogenannten Transzendentalien, in einfachen Worten, eine alle Gattungen übersteigende Weise des Seins, und diese Seinweise gehört wesentlich zu Gott.

Auch Menschen, deren Leben sich um Computer, Bytes und Platinen dreht, werden bisweilen eingeholt von der Transzendenz des Schönen, so daß sie erkennen müssen, daß es im Universum mehr gibt als elektronische Raffinessen, weitaus mehr.

Steve Jobs, der früh verstorbene Apple-Gründer, verehrte, so schreibt sein autorisierter Biograph, den Cellisten Yo-Yo Ma, den er 1981 kennengelernt hatte. Wäre es nach Jobs gegangen, so hätte der weltberühmte Cellist bei der Hochzeit Jobs, einer buddhistischen Zeremonie, gespielt. Doch Ma war aufgrund einer Auslandstournee verhindert.

Wenige Jahre später kommt es zu einer neuerlichen Begegnung zwischen dem Künstler und dem Coumputerstar. Der Biograph schreibt:

»Als er (sc. Ma) Jobs einige Jahre später besuchte, holte er sein 250 Jahre altes Stradivari-Cello aus dem Kasten und spielte Bach. Dieses Stück hätte ich für Ihre Hochzeit ausgesucht, sagte er. Jobs war den Tränen nahe. Ihr Spiel ist das beste Argument für die Existenz Gottes, das ich kenne. Etwas so Schönes kann der Mensch allein nicht vollbringen.

Und wiederum später, bei einer neuerlichen Zusammenkunft, nimmt Jobs, der bereits schwer an Krebs erkrankt ist, Ma das Versprechen ab, bei seiner Beerdigung zu spielen. 

Freitag, 7. August 2020

Die Abtreibungsindustrie

Wer sich auch nur ein bißchen auskennt im Abtreibunsgeschäft, der weiß, daß sich alles um die zwei Götzen Geld und Lügen dreht.
 
Ein neuer Undercoverbericht hat nun aufgedeckt, daß auch das vielbeschworene Mantra von der Abtreibung, die stets ein schwerer Entschluß für die Frau sei – ein Mantra, welches die Abtreibungsindustrie bei Belieben hervorkramt, um ihren verantwortungsvollen Umgang mit dem Thema zu demonstrieren – in die Augen gestreuter Puder ist.

»Saskia«, so der Undercovername einer angeblich schwangeren Frau in Großbritannien, meldet sich telefonisch bei einer Abtreibungsfabrik und teilt der Beraterin mit, sie sei schwanger, wolle sich jedoch im Urlaub nicht den Kopf darüber zerbrechen, am Strand schwanger auszuschauen; und es sei gefühlsmäßig anstrengend, schwanger zu sein. 

Das genügte als Argument. 

Einige Tage später erhält Sakia mit der Post die Abtreibungspillen. Rechnung inklusive.

Dazu die Geschäftsführerin von Christian Concern, dem Unternehmen, welches die Undercoveroperation durchführte: »Das ist es, was die Abtreibungsindustrie will. Abtreibungspillen nach Wunsch, ohne Fragen zu stellen. Es ist also leider keine Überraschung, daß sie bereit sind, Abtreibungspillen für einen Bikini-Körper zu verteilen. Das Leben des ungeborenen Kindes ist weniger wert als ein Bikini-Selfie.«

Als die Lieferanten der Abtreibungspillen von Christian Concern wegen der skandalösen Fakten kontaktiert werden, bestreitet ein Sprecher der Organisation jegliches Fehlverhalten und schwingt sich auf zur empörten Pose: Man biete – so wörtlich – »jeder Frau, die uns braucht, eine sichere, mitfühlende und rechtmäßige Betreuung.«

Man beachte: »mitfühlend (compassionate)«.


Siehe: https://christiantoday.com/article/woman.who.didnt.want.to.look.pregnant.on.holiday.says.she.was.sent.abortion.pills/135294.htm

Grafik: Photo by Toa Heftiba on Unsplash
   

Freitag, 31. Juli 2020

Je mehr



Will man den Kern der ignatianischen Spiritualität erfassen, so kommt man an beim je mehr. Zumal Hans Urs von Balthasar hat, in Anlehung an Przywara, bei seiner Übersetzung der Exerzitien des heiligen Ignatius diesen Ausdruck bevorzugt, wenn es darum ging, den Glutkern der geistlichen Übungen zum Leuchten zu bringen.

Je mehr. Das heißt, daß es in unserem Weg zu Gott und mit Gott keinen Stillstand gibt. Auch keinen Superlativ. Wir können nie sagen: Ich habe das Beste heute für Gott getan. Das Beste würde Gott die Grenze setzen. Wir würden bestimmen, was in den Augen Gottes das Beste ist. Derart würden wir vergessen, daß eben dieser Gott nicht nur der je Größere ist, der alle unsere Konzepte, und seien sie noch so wohlgemeint, um ein Unendliches übersteigt, sondern stets auch der je Kleinere, der in Seiner Demut unsere Bemühungen zur Bescheidenheit gleichfalls um ein Unendliches unterfängt.

Deus semper maior. Deus semper minor.

Darum leuchtet der Ordensspruch der Jesuiten bis heute. Denn das Ad maiorem Dei gloriam ist gleichsam die gültige Prägung des jesuitischen Komparativs, die Haltung der Steigerung, die sich nicht selbstgenügsam einrichtet, sondern auf immer verfügbar bleibt dem Herrn gegenüber, dessen größerer Ehre jeder Dienst zugeordnet ist.

Manch einer hätte vermutlich für das Maximum optiert: Alles zur größten Ehre Gottes. Aber auch hier wahrt Ignatius den realistischen Platz. Dem unendlich großen und kleinen Gott schenken wir unser magis, unser mehr, und überlassen Ihm den Superlativ. Und reihen uns damit ein in die Schar derjenigen, die nicht aufhören, den Weg zu Ihm weiter zu gehen. Tiefer zu gehen. Höher zu gehen. Mehr zu lieben – je mehr als gestern. Und so sich übernehmen zu lassen in das unendliche Meer Seiner grenzenlosen Liebe.

In den Worten des Fundaments der Exerzitien: Um »einzig das zu ersehnen und zu erwählen, was mehr hinführt zum Ziel, auf das hin wir geschaffen sind«.