Samstag, 18. April 2026

 Was ist das für so viele?  

Im Evangelium nach Johannes berichtet der Evangelist im 6. Kapitel vom berühmten Zeichen der Brotvermehrung. »Viele Menschen« (Vers 5) sind gekommen, um Jesu Worte zu hören. Und Jesus will die Hungrigen speisen. Doch wie eine solch große Menge speisen? 

»Hier ist ein kleiner Junge«, so der Apostel Andreas, einer der Begleiter Jesu, »der hat fünf Gerstenbrote und zwei Fische; doch was ist das für so viele?«

Was ist das für so viele?


Mir fällt dazu eine Geschichte ein, die Mutter Teresa erzählt hat:

»Vor einigen Jahren«, so Mutter Teresa, »gab es in Calcutta eine große Zuckerknappheit.
Eines Tages kam ein vierjähriges Kind mit seinen Eltern zu mir, um mich zu sehen. Sie brachten mir ein kleines Gefäß mit Zucker. Während sie es mir überreichten, sagte der Kleine zu mir: Ich habe drei Tage keinen Zucker genommen. Nimm es, es ist für Deine Kinder.
Dieser Junge liebte mit einer großen Liebe. Mit einem großen persönlichen Opfer hat er es bezeugt. Ich möchte deutlicher werden: Er war nicht älter als drei oder vier Jahre. Er konnte noch kaum seinen Namen sagen. Er war mir nicht bekannt. Ich konnte mich nicht erinnern, ihn jemals gesehen zu haben. Auch seine Eltern hatte ich nie getroffen.
Das Kind hatte Erwachsene von mir sprechen hören und danach jenen Entschluß gefaßt.«

»Ein kleines Gefäß mit Zucker.«

Was ist das für so viele?

Diese Frage, so zeigt das Evangelium und auch die Geschichte von Mutter Teresa, ist die falsche Frage. Warum? - Weil sie rechnet. Die Liebe aber rechnet nicht.

Die beiden kleinen Jungen geben einfach. Das nennt man Hingabe. Sie rechnen nicht, sondern schenken.

Und die schenkende Liebe ist immer fruchtbar. Das sehen wir im Evangelium überdeutlich: 5000 Männer werden satt, weil dieser kleine Junge sein ALLES gab.

Denn alles ist ein Liebesspiel. In den Worten Pater Pios: Tutto è scherzo d’amore. Alles ist ein Spiel der Liebe. 

Es ist bezeichnend, daß derjenige im heutigen Evangelium, der sein Alles gibt, ein Kind ist. Das erinnert uns an die Worte Jesu (Mt 18,3): Wenn ihr nicht umkehrt und werdet wie die Kinder, werdet ihr nicht in das Himmelreich hineinkommen.

Kinder – wenn sie nicht verzogen sind - fällt es offensichtlich leichter, in das Spiel der Liebe einzutreten. Wir Erwachsenen sind da gefährdeter. Die Weisung Jesu: Werdet wie die Kinder! ergeht nicht umsonst genau da, als die Jünger sich streiten darum, wer im Himmelreich der Größte ist. Vielleicht hätte ein Erwachsener, angesichts der Tausenden von Hungrigen, gesagt: Warum soll ich mein Alles hergeben? Da sind bestimmt andere, die mehr haben als ich, sollen die mal anfangen zu geben.

Doch unser Glück hängt nicht von einem Rangstreit ab, sondern davon, inwiefern wir bereit sind, in das göttliche Spiel der Liebe einzutreten.

Denn was ist das größte Spiel der Liebe?
Es ist das, was weltweit in jeder Stunde gefeiert wird: Die hl. Messe.

Was bringen wir in jede hl. Messe? Brot und Wein. Unser armseliges Leben.

Was ist das für so viele?

Doch Gott verwandelt unsere kleinen Gaben in Sein ALLES, in Seinen Leib und Sein Blut.

Machen wir uns nichts vor: Das, was wir herschenken, ist angesichts der Fülle Gottes, immer nahezu ein Nichts. Und doch – und das ist die unfaßbare gütige Herablassung Gottes uns gegenüber – will ER, daß wir teilhaben am göttlichen Austausch der Liebe. Darum lädt Er uns ein, unsere Gaben zu bringen.

Der kleine Junge des Evanegliums hat es verstanden. Der kleine Junge in der Geschichte Mutter Teresas hat es gleichfalls verstanden. Wenn wir mit ganzem Herzen geben, ohne Hintergedanken, dann gibt es keine zu geringen Gaben. Denn dann sind wir Mit-Arbeiter Gottes, und ER vollendet unsere Hingabe. Er beschenkt uns mit Sich Selbst. 

Grafik: Brotvermehrungskirche in Tabgha, Mosaik: vier Brote und zwei Fische. wiki commons.