Samstag, 7. März 2026

 Imago Dei 

Ignatius. Bernadette. Jerzy A. Popiełuszko.

Drei Heilige. Sehr unterschiedliche Heilige.

Der erste ein Ordensgründer (Gesellschaft Jesu, SJ, Jesuiten), der durch seine Gründung bis heute weltweit wirkt. Die zweite eine Analphabetin, die gewürdigt wird, achtzehnmal die Muttergottes zu sehen, und die nach den Erscheinungen hinter Klostermauern verschwindet. Der dritte ein Priester, der während des polnischen Widerstands gegen das kommunistische Regime sein Leben in der Solidarność Bewegung einsetzt und schließlich von Männern des kommunistischen Staatsicherheitsdienstes entführt, gefoltert und ermordet wird.

Drei Heilige, deren Ausstrahlungskraft ungebrochen ist. Doch was ist letztlich dasjenige, was die Menschen zu den Heiligen zieht und sie nicht der Vergessenheit anheimfallen läßt? Als mögliche Antwort darauf könnte man einmal das Wort des heiligen Ignatius bedenken: »Wenige Menschen ahnen, was Gott aus ihnen machen würde, wenn sie sich nur ganz seiner Führung anvertrauten.«

Die Heiligen haben exakt das getan: Sich bedingungslos der Führung Gottes anvertraut. Das nennt man Glauben. Denn echter Glaube besteht darin, keine Bedingungen zu stellen, sondern alle Bedingungen angesichts der Größe und Güte Gottes ad acta zu legen, im Vertrauen darauf, daß Seine Pläne in jedem Fall und stets die besten sind. Und diesen Glauben der Heiligen, ob wir es uns bewußt eingestehen oder nicht, bewundern wir, weil wir insgeheim wissen, daß er die einzig angemessene Antwort auf die vorrangige Liebesinitiative Gottes ist.

Doch dieses innere Wissen ist allzuoft nur die eine Hälfte unserer Reaktion auf das Leben der Heiligen. Denn wiewohl wir gewohnheitsmäßig deren Leben, Taten, Entschiedenheit und Entschlußkraft bewundern, lassen wir zugleich eine Art inneren Vorbehalt in uns zu, indem wir auf das Herrenwort Jesu hin: Ihr nun sollt vollkommen sein, wie euer himmlischer Vater vollkommen ist (Mt 5,48) welches Wort ja an uns alle ergeht, routinemäßig erwidern: Schon, ja, das stimmt, aber… und mit unserem aber meinen wir, daß es halt bestimmte Menschen gibt, die besonders von Gott ausgezeichnet wurden, die Heiligen halt, während wir, der Durchschnitt, mit weniger Gnade über die Runden kommen müssen und also vom steilen Weg der Heiligkeit dispensiert sind.

Das ist natürlich verkorkste Theologie. Denn jeder von uns ist als imago Dei erschaffen, als Ebenbild Gottes. Das macht unsere unvergleichliche Stellung im Kosmos aus. Unsere Aufgabe ist es nicht, zu rechnen und zu schielen, wer wie viel Gnade abbekommen hat, sondern mit der Gnade, die uns zuteil wird, mitzuarbeiten, um so das Original zu werden, zu dem Gott uns berufen hat. Papst Leo der Große schärfte nicht umsonst den Gläubigen seiner Zeit die Weisung ein: »Mensch, erkenne Deine Würde!« 

Diese Würde ist keine billige Gnade, sondern verlangt als Antwort unsere Bereitschaft zum schmalen, engen Weg. Auch das steht im Evangelium: Geht durch das enge Tor! Denn weit ist das Tor und breit der Weg, der ins Verderben führt, und es sind viele, die auf ihm gehen. Wie eng ist das Tor und wie schmal der Weg, der zum Leben führt, und es sind wenige, die ihn finden (Mt 7,13f). 

Es bleibt, ohne wohlfeile Ausrede, folglich die Frage an uns: Wollen wir, wie die von uns bewunderten Heiligen, die Würde, den Weg, den Glauben? Wollen wir leben?

Grafiken: wiki commons