Samstag, 24. Januar 2026

 fasce benedette

Jeder trägt sie in sich: Urworte, die unauslöschlich sind. Vater ist ein solches Urwort, König (Kaiser) desgleichen.

Es sollte nicht verwundern, wenn, zumal in verwirrten Zeiten, »die das Böse gut und das Gute böse nennen« (Jes 5,20), diese Urworte als obsolet verhöhnt werden.  

Vielleicht kennt so mancher einen Geschichtslehrer aus dem Gymnasium, der, sobald die Rede auf das Gottesgnadentum kam, ironisch den Mund verzog und derart den objektiven Befund der Karikatur preisgab. Oder, wenn die Habsburger Thema waren, automatisch der antihabsburgerische Affekt, ein Zwilling des antirömischen Affekts, sich in die Brust warf.

Ein Besuch in der Wiener Schatzkammer hätte da gut getan. Unter  den dort verwahrten Reichsinsignien befindet sich auch die Reichskrone. Um das Jahr 1000 herum geschaffen, zeigt sie auf einer ihrer prunkvollen Stirnplatten den alttestamentlichen, dem Buch der Weisheit 8,15 entnommenen Spruch: PER ME REGES REGNANT (Durch Mich regieren die Könige).

Gleich ob der Karolinger Kaiser Karl der Große oder Kaiser Karl I. von Österreich, die katholischen Herrscher wußten, daß sie dem einzigen und wahren König, nämlich Gott selbst, nicht nur ihre Herrschaft verdankten, sondern  Ihm gegenüber einmal Rechenschaft über die Ausübung ihrer Herrschervollmacht abzulegen hatten. Die Herrschaft war keine willkürlich angemaßte, sondern wortwörtlich eine von oben geschenkte – gratia Dei.

Ein bornierter Geschichtslehrer kann gegen diese Weisheit nicht an. Ebenso wenig eine Regenbogenpresse, die nicht müde wird, die Skandale und Skandälchen der modernen Jetset Royals genüßlich zu kolportieren. Die Urworte, weil sie Urworte sind, bleiben.

Und naturgemäß visualisieren und repräsentieren sich die Urworte in festlichen Gebräuchen, Riten und Symbolen. Ein kleiner Brauch, entstanden im Spätmittelater (begründet durch Papst Clemens VIII., 1592-1605), versinnbildet mehr als viele Worte die Schönheit und Ordnung des Gottesgnadentums.

Während der feierlichen Weihnachtsliturgie in der päpstlichen Basilika Santa Maria Maggiore - und also dort, wo die betlehemitische Krippe des Jesuskindes aufbewahrt wird - entnimmt der Stellvertreter Christi  mit eigener Hand winzige Holzsplitter aus der verehrten Krippen-Reliquie. Die Splitter werden sodann in die »fasce benedette« eingenäht. 

Fasce benedette – das sind die »geweihten Windeln«, die das Oberhaupt der katholischen Kirche bis zu Beginn des 20. Jahrhunderts den Erstgeborenen katholischer Herrscherhäuser übersenden läßt, um derart den zukünftigen Herrscher dem besonderen Schutz Gottes anzuvertrauen und ineins damit den Thronfolger an seine Aufgabe zu gemahnen, daß er Sorge zu tragen hat für die Bewahrung und Ausbreitung des katholischen Glaubens.

Fasce benedette.
 

Der Brauch erlischt 1907. Österreich wurde dreimal das päpstliche Ehrengeschenk zuteil.

Grafik: Detail der Reichskrone. Wiener Schatzkammer. wiki commons.