Adieu
Genauso, als Jungfrau der Armen (la Vierge des Pauvres), hat sich die Muttergottes in Banneux vorgestellt. Es ist während der dritten Erscheinung. Mariette, die elfjährige Seherin, fragt Maria: »Wer sind Sie, schöne Dame?« Und die Muttergottes antwortet: »Ich bin die Jungfrau der Armen.«
Banneux, in den belgischen Ardennen gelegen, ist ein von der katholischen Kirche anerkannter Erscheinungsort, d.h. die acht Erscheinungen Mariens wurden offiziell als authentische Privatoffenbarungen anerkannt. 1985 besuchte Papst Johannes Paul II. den Wallfahrtsort.
Anders als etwa die großen marianischen Erscheinungsorte wie Lourdes, Fatima oder Guadalupe, ist Banneux ein sehr kleiner, bescheidener Wallfahrtsort geblieben. Wer dorthin pilgert, wird eine Atmosphäre der Sammlung antreffen, die – gerade weil der Ort arm, klein geblieben ist – einmalig ist. Die Armut des Ortes entspricht dem Titel der Muttergottes. Selbst die Kapelle, deren Bau die Muttergottes wünschte, ist kein Prunkbau, sondern sehr klein. Wer Kleinheit lernen will, ist in Banneux am rechten Ort.
Dem entspricht die Einfachheit der Botschaften. Nur täusche man sich nicht. Einfachheit meint nicht Belanglosigkeit. Da die Wahrheit einfach ist, sind die einfachen Botschaften der Muttergottes einfache, wahre Botschaften.
Allein dreimal ergeht die Aufforderung der Muttergottes: »Betet viel.« Wie einfach. Genau so einfach wie die wiederholte biblische Weisung: »Betet ohne Unterlaß« (z.B. 1 Thess 5,17). Doch befolgen wir diese einfachen Weisungen?
Oder: Als Abbé Jamin, der Kaplan von Banneux, der kleinen Seherin aufträgt, sie solle von Maria ein Beglaubigungszeichen erbitten, da antwortet die Muttergottes sehr schlicht: »Glaubt an mich, ich werde an euch glauben.« Der Himmel hat uns offensichtlich genug Zeichen gegeben. Jetzt ist es an uns, zu glauben und das Empfangene zu verwirklichen. Die scharfen Worte Jesu fallen einem ein: »Diese böse und treulose Generation fordert ein Zeichen, aber es wird ihr kein anderes gegeben werden als das Zeichen des Jona« (Mt 16,4).
Dabei ist Maria, in ihrer Einfachheit, von einer wunderbaren zärtlichen Feinheit.
So sagt sie viermal zu Mariette, jeweils am Ende einer Erscheinung: »Au revoir (Auf Wiedersehen).«
Doch bei der letzten Erscheinung sagt Maria nicht Auf Wiedersehen. Stattdessen legt Maria Mariette die Hände auf und sagt: »Adieu.« Denn dieser Abschied ist der Abschied, der sämtliche acht Erscheinungen in einem Wort zusammenfaßt. Wir sind unterwegs. Wir sind Pilger, wir alle, Mariette ebenso wie jeder Christ. Und unsere Reise, wenn sie dem wahren Kompaß folgt, geht nicht in das Nirgendwo, sondern zu Gott hin: A Dieu.
Grafik: Triptychon der Erscheinungskapelle. https://banneux-nd.be/fr/les-apparitions/
