Samstag, 28. März 2026

 Stabat mater

Gastbeitrag von Elpinike

 

O quam tristis et afflicta / fuit illa benedicta! 

Unter dem Kreuz steht die Mutter. Sie darf nicht helfen, nicht einmal trösten; jede der kleinen Gesten, die Mütter für ihre Kinder haben, ist ihr verwehrt. Dem fremden Wachsoldaten bleibt vorbehalten, Jesus die letzte Labung zu reichen. Maria kann nur ausharren und zuschauen, wie ihr Sohn stirbt, Stunde um Stunde.

Denkt sie dabei an die Worte des Engels? Sie sei gesegnet, hat er gesagt, und ihr Kind werde Sohn Gottes genannt werden. Müßte der Sohn Gottes nicht eigentlich eine geachtete Persönlichkeit sein, ein wichtiger Mann im Lande? Nun wird er als Verbrecher hingerichtet.

Ist Maria unter dem Kreuz an Gott verzweifelt – oder hat sie sich die Hoffnung bewahrt? Antonín Dvořáks Stabat Mater gibt die Antwort auf diese Frage. Die Musik setzt ein wie das leise Schluchzen eines Menschen, den die Trauer innerlich leer zurückgelassen hat. Doch dabei bleibt es nicht. Gedanken und Gefühle kehren machtvoll zurück, der Schmerz bricht sich Bahn.

Dvořák schöpfte hier aus eigenem Erleben. Sein Stabat Mater, 1877 vollendet, entstand unter dem Eindruck des Todes seiner drei Kinder innerhalb von zwei Jahren. Kann man nach diesem Verlust weiterleben? Ja, sagt uns der Komponist: Durch das Leiden tönt die Hoffnung, zunächst zaghaft, dann immer stärker, bis sie zum Schluß alles überstrahlt.

Das ist nämlich die Antwort: Das Leben siegt, nicht der Tod, die Hoffnung siegt, nicht die Verzweiflung. Maria hat es gewußt. Antonín Dvořák hat es gewußt. Mit ihnen weiß es auch der Zuhörer.