Freitag, 22. Juni 2018

Zeugen


Eigentlich ist es einfach. Das christliche Leben lernt man durch die Zeugen. Denn was macht der Zeuge? - Genau. Er zeugt. Er zeugt Nachkommen und er be-zeugt die Wahrheit. Der erste Zeuge, wie könnte es anders sein, ist Christus,  Er ist, so nennt Ihn das letzte Buch der Bibel, der treue Zeuge (Offb 1,5).

Der 2016 im Alter von 87 Jahren in den Kardinalsrang erhobene Priester Ernest Simoni ist ein Zeuge in der Nachfolge Christi. 27 Jahre verbrachte er als Gefolterter in den kommunistischen Lagern Albaniens. 27 Jahre der Erniedrigung, der Torturen, der schrecklichen Schmähungen. 

Am 21. Juni 2018 hat Ernest Kardinal Simoni im Stift Heiligenkreuz den erstmals verliehenen Thomas-Morus-Preis, gestiftet vom Alten Orden vom St. Georg, erhalten.

Da steht er nun: Ein kleiner Mann, mit unbestechlichen Augen, der zu Versöhnung und mehr Glauben und mehr Liebe aufruft. Ein kleiner Mann, der – stellvertretend für die ungezählten Toten des albanischen Unrechtsregimes – mit seiner Existenz bezeugt, daß die Liebe immer siegt. 

Und den Kardinal wahrnehmend, begreift man besser das christliche Mysterium, welches im Geheimnis der Weihnacht seinen sichtbaren Weg unter uns offenbart.

Es ist die ewige Geschichte der Geburt der Liebe unter der Verfolgung. Die Namen der Verfolger wechseln. Herodes, Hoxha. Die ewige Geschichte der Wahrheit bleibt. Und der Christ ist aufgerufen, sich hineinnehmen zu lassen in die Geschichte des Glaubens, der Hoffnung und der Liebe. Gewiß zu sein, daß das Kreuz nur ein anderer Name für Ewigkeit ist. Daß der Glaube in der Liebe wirksam ist und daß die Liebe stets stärker ist. In den Worten des heiligen Apostels und Evangelisten Johannes: Und das ist der Sieg, der die Welt besiegt hat: unser Glaube (1 Joh 5,4).

Und man versteht auch dies: Der Christ braucht keine Angst zu haben. Denn wer auf der Seite Christi steht, steht auf der Seite des Siegers, noch dann, wenn die Herrscher den Christen in die Abwasserkloaken verbannen – so geschehen bei dem Priester Simoni, der, nach etlichen Jahren der Folterung und Inhaftierung, schließlich in den unterirdischen Kloaken arbeiten muß, weil das Regime derart wähnt, den Priester, der von seiner Seelsorge nicht abläßt, endlich zu zerbrechen.

Ein kleiner Mann. Ein kleiner Mann, der den christlichen Preis bezahlt hat. Der seine Feinde nie gehaßt hat. Der evangeliumsgemäß sagt: Es wird dem Knecht nicht anders ergehen als dem Meister. Aber der weiß, daß das Weizenkorn, wenn es stirbt, reiche Frucht bringt.

Die Zeugen sind nicht tot, sie leben mitten unter uns. Sie sind diejenigen, die sich, unter Schmerzen und Schreien, wie es bei Geburten ist, vom Gott der Liebe gebären lassen in die Welt hinein, damit die Welt erkennt, wer Gott ist und wer der Mensch. Sie gehören zu denjenigen, die – wie damals, zu Bethlehem – als Hirten zur Krippe gehen und in dem schwachen Kind die verborgene, verrückte, allmächtige Liebe Gottes zum Menschen wahrnehmen und die an diese Macht der Liebe glauben. Die dem Licht der Weihnacht vertrauen, welches bekanntlich in der Finsternis leuchtet.

Und die das Licht nicht für sich behalten, sondern, da Zeugen ein Tu-Wort ist, es weiterreichen.

An uns.

Foto:
S.E. Ernest Kardinal Simoni mit dem Apostolischen Nuntius in Österreich, S.E. Dr. Peter Stephan Zurbriggen. © Alter Orden vom St. Georg