Mittwoch, 31. August 2016

Hl. Mutter Teresa: »Ich habe eine Überzeugung …«

Heilige reden unumwunden. Oder können wir uns einen Heiligen vorstellen, der um den Brei herum redet und vor lauter wenn und aber Verwirrung stiftet statt Klarheit schafft? Nein, das können wir uns nicht vorstellen. Und genau deswegen sind Heilige für uns Wegweiser.


Sie zeigen auf, wie es geht, zu einem erfüllten Leben zu kommen. Die Probe aufs Exempel ist dabei zunächst das eigene Leben. Bin ich bereit, mein Leben in die Waagschale zu werfen und mich vom Lieben Gott im Feuer seiner Schmiede brennen zu lassen, bis Gold hervorkommt? Wenn ja, dann beginnt mein Leben irgendwann zu leuchten – für andere. Denn wenn das Gold nach etlichen Prüfungen und Leiden und Erfahrungen des Glücks endlich zum Vorschein kommt, dann ist der Heilige so weit, daß er sich vergißt, gemäß dem weisen Wort: Wer sich selbst anschaut, leuchtet nicht (Laotse). Dann ist der Heilige so weit, daß er keine ängstlichen Rücksichten mehr nimmt und Wegweiser geworden ist, in Worten und Werken.

Zum Beispiel Mutter Teresa. Am kommenden Sonntag, dem 4. September 2016, wird sie in Rom heiliggesprochen.

Als sie im Jahr 1979 den Friedensnobelpreis erhält, redet sie Klartext. Und dies vor allen versammelten Honoratioren und im Grunde vor der gesamten Weltöffentlichkeit, denn es war, dem Anlaß entsprechend, offensichtlich, daß die Rede Mutter Teresas nicht im stillen Osloer Kämmerlein bleiben würde. Und was sagte Mutter Teresa? Sie hatte den Mut, das Folgende zu sagen:
»Ich habe eine Überzeugung, die ich Ihnen allen mitteilen möchte: Der größte Zerstörer des Friedens ist heute der Schrei des unschuldigen, ungeborenen Kindes. Wenn eine Mutter ihr eigenes Kind in ihrem eigenen Schoß ermorden kann, was für ein schlimmeres Verbrechen gibt es dann noch, als wenn wir uns gegenseitig umbringen? Sogar in der Heiligen Schrift steht: ›Selbst wenn die Mutter ihr Kind vergessen könnte, ich vergesse es nicht.‹

Aber heute werden Millionen ungeborener Kinder getötet, und wir sagen nichts. In den Zeitungen lesen wir dieses und jenes, aber niemand spricht von den Millionen von Kleinen, die empfangen wurden mit der gleichen Liebe wie Sie und ich, mit dem Leben Gottes. Und wir sagen nichts, wir sind stumm. Für mich sind die Nationen, die Abtreibung legalisiert haben, die ärmsten Länder. Sie fürchten die Kleinen, sie fürchten das ungeborene Kind.«